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Daimler-Kommentar : Scheuerfahndung

  • -Aktualisiert am

Öffentlichkeitswirksam hat Bundesverkehrsminister Scheuer Daimler-Chef Dieter Zetsche einbestellt und mit einem Ultimatum belegt. Dabei sollte er erst einmal im eigenen Haus Gas geben.

          Da hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer aber gepunktet. Öffentlichkeitswirksam hat er Daimler-Chef Dieter Zetsche mehrmals einbestellt und mit einem Ultimatum belegt. Jetzt steht die Betrügerbande mit einem Megarückruf und runtergelassenen Hosen da. Applaus von der Ökofront, obgleich Anton Hofreiter meint, Scheuer ziehe nur eine Show ab, die Industrie müsse noch viel härter rangenommen werden. Ob Daimler mit seinen Mercedes-Modellen Vito und C-Klasse zum Betrüger geworden ist, steht dahin.

          Das Kraftfahrtbundesamt meint, die an der Abgasreinigung drehende Software diene nicht den erlaubten Ausnahmen Motorschutz und Anlassstrategie, sie sei illegal. Daimler behauptet das Gegenteil. Wie so oft gibt es freilich eine zweite Seite, die aber lässt sich auf der Berliner Bühne nicht so sexy vermarkten. Im August 2017 hatte das Nationale Forum Diesel, vulgo Diesel-Gipfel, Software-Updates für 5,3 Millionen Autos der Schadstoffklassen Euro 5 und 6 beschlossen. 2,5 Millionen davon werden schon seit 2016 aufgespielt, aber für den großen Rest passiert bislang: nichts. Es gibt noch keine einzige behördliche Freigabe. Weil nämlich das Bundesverkehrsministerium mit seinem ans Limit gebrachten Kraftfahrtbundesamt die Updates prüft und prüft und prüft.

          Audi und BMW haben ihre Anträge im April eingereicht, Mercedes zwischen Dezember und April, VW im Mai dieses Jahres. Das Kraftfahrtbundesamt will die Genehmigung grundsätzlich binnen acht Wochen erteilen, „die Prüfung kann von Fall zu Fall aber unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen“, wie es in einem internen Papier heißt. Es kann also dauern, bis die Industrie loslegen darf. Derweil wettert Scheuer: „Das Wort der Hersteller gilt. Bis Ende 2018 müssen die Updates abgeschlossen sein. Es geht um die Wiederherstellung von Vertrauen in Wort und Tat.“

          Mag sein. Aber dann wäre angesagt, nicht nur von der Autobranche Tempo zu verlangen, sondern auch im eigenen Haus mal Gas zu geben. Oder den Ball flacher zu halten.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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