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KTM Freeride E : Kraft ohne Krawall

Ein hohes Surren, mehr ist nicht zu vernehmen Bild: Hersteller

Geländemotorräder haben einen schweren Stand, wenn sie Krach machen. KTM steuert mit der Freeride E gegen und plant für die Zukunft auch sonst elektrisch.

          4 Min.

          Der Matsch fliegt bis unters Kinn. Vom Dauerregen des Vortags ist die Piste weich, das zierliche Motorrad wühlt sich mit seinen Stollenreifen durch Schlamm und Pfützen, kraxelt steile Erdhügel hoch und schießt auf der anderen Seite wieder hinunter. Bald bietet der Fahrer den Anblick einer Wutz.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das fühlt sich nach kernigem Geländesport an. Und wonach hört es sich an? Nach dem ferngesteuerten Modellauto von Nachbars Filius. Ein hohes Surren, mehr ist nicht zu vernehmen, egal, wie viel „Gas“ gegeben wird. Kraft ohne Krawall - das ist ungewohnt. Ein paar Momente lang vermisst man die Geräusche eines Verbrennungsmotors, aber dann nicht mehr. Kein bisschen.

          Der 21-Kilo-Akku steckt unterm Sitz
          Der 21-Kilo-Akku steckt unterm Sitz : Bild: Hersteller

          Ganz in der Nähe seiner Fabriken hat der Motorradhersteller KTM aus Mattighofen in Oberösterreich diesen neuen Offroad-Testparcours angelegt, auf einem Wiesengrund in Sichtweite eines Wohngebiets. Dass so etwas heutzutage behördlich genehmigt wird, ist nur damit zu erklären, dass auf dem Gelände ausschließlich elektrisch gefahren wird. Ohne Abgase, ohne Lärm. Kunden, Interessenten, Neugierige können dort in Zukunft das Cross-Motorrad Freeride E ausprobieren. Kaufen können sie es noch nicht. Nach einer langen Entwicklungszeit wirkt es reif für die Markteinführung, aber KTM zögert noch.

          Ende 2006 hatte das Unternehmen entschieden, eine Machbarkeitsstudie anzugehen, ein Jahr später ein erstes Motorrad gebaut, Mitte 2008 die Serienfertigung beschlossen. Jetzt laufen die ersten Exemplare vom Band, allerdings wird man sie in keinem Laden finden. Einige hundert Stück werden für einen großangelegten Feldversuch gebaut, Mitarbeitern zur Verfügung gestellt, für Kundentests bei Händlern stationiert sowie an der firmeneigenen Offroad-Strecke. Läuft alles zufriedenstellend, soll das Motorrad - ein reiner Crosser für abgesperrte Areale - 2013 in den Handel gelangen, eine Version mit Straßenzulassung ein Jahr darauf.

          Display für drei Leistungsstufen, Ladeanzeige ringsherum
          Display für drei Leistungsstufen, Ladeanzeige ringsherum : Bild: Hersteller

          Unter den namhaften Motorradherstellern ist KTM weit und breit der einzige, der beim Thema Elektro schon so konkret wird. „Felsenfest“ ist Stefan Pierer, der Vorstandsvorsitzende, „davon überzeugt, dass die Elektromobilität im Zweiradsektor rasch kommen wird - anders als beim Auto“. Für das tief im Rennsport verwurzelte Unternehmen lag es auf der Hand, die Strom-Ära mit einem Geländemotorrad einzuläuten. Doch KTM hat noch mehr vor und denkt dabei nach den Worten Pierers auch an den „urbanen Bereich“, an E-Roller und -Mofas. Entsprechende Projekte seien weit fortgeschritten, schon nächstes Jahr werde etwas präsentiert, sagt Pierer. „Wir werden dieses Segment besetzen und arbeiten hier auch für andere Hersteller.“

          Roller, Mofas von KTM? Ganz was Neues. Bei Straßenmotorrädern gehören die Mannen in Racing-Orange längst zu den etablierten Anbietern. Ihr Kerngeschäft aber sind nach wie vor Geländemaschinen, wie Hubert Trunkenpolz, Vorstand für Vertrieb und Marketing, hervorhebt. „Da ist es naheliegend zu überlegen, wie das mit dem Umweltschutz in Einklang zu bringen ist und auf welche Weise man in Zukunft überhaupt noch Geländesport betreiben kann.“ Weil die Gelegenheiten dafür immer weniger werden, die Bereitschaft zur Duldung nachlässt, droht den Österreichern und ihren Konkurrenten die Kundschaft wegzubröckeln. Mit ebenso leichten wie leisen E-Motorrädern dagegen, so die Überlegungen, eröffnen sich Möglichkeiten, Feld und Flur flüsternd zu befahren. Die Hoffnung: eine Akzeptanz in der Öffentlichkeit wie im Fall der Mountainbiker, neu entstehende Geländeparks für die Elektrischen, Urlaubsorte in den Bergen, die Möglichkeiten für neue Angebote außerhalb der Skisaison entdecken, den „motorisierten Mountainbikern“ die Benutzung bestimmter Pfade erlauben.

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