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Tech-Talk : Elektroplage

  • -Aktualisiert am

Umweltfreundlich aber umständlich: Der Nissan Leaf ist inzwischen der meistgebaute Stromer der Welt. Bild: AFP

Den Elektroautos gehört die Zukunft – doch so richtig Freude kommt nicht auf, wenn man sich einmal so richtig mit einem der E-Autos auseinandersetzt. Ein Kommentar.

          Den Elektroautos gehört die Zukunft. Diese öffentliche Meinung herrscht inzwischen vor. Alles gut und schön, doch so rechte Freude will nicht aufkommen, wenn man sich in der Praxis mit einem der E-Autos bewegt. Unser aktueller Testwagen ist ein Nissan Leaf, inzwischen der meistgebaute Stromer der Welt, mehr als 300.000 Exemplare sind seit 2010 schon abgesetzt worden, davon mehr als 100.000 in den Vereinigten Staaten.

          Seit einer Überarbeitung bietet die Batterie 40 kWh, das ist schon ein Pfund und taugt rechnerisch für 415 Kilometer Reichweite nach dem neuen WLTP-Zyklus. Doch ähnlich wie beim Kraftstoffverbrauch sind das geschönte Werte. Unser morgendlicher Weg ins Büro beträgt 22 Kilometer, einmal hin und zurück frisst 20 Prozent der kWh, also reicht die Akkukapazität, um, grob gerechnet, fünfmal hin- und herzufahren. Macht also 220 Kilometer.

          Das ist viel zu wenig. Und das Laden, es dauert einfach ewig. An der normalen Steckdose braucht man ungefähr 20 Stunden, bis eine leere Batterie wieder ganz voll ist. Einen Starkstromanschluss haben wir zu Hause (noch) nicht, dann wären es acht Stunden. Aber im Büro. Nur dumm, dass Nissan nicht das passende Kabel mitgegeben hat. Okay, es gibt noch die öffentlichen Ladepunkte. In der nahen Kleinstadt klappt das auch, nur wer wartet schon Stunden (es sind immer noch rund zwei), wenn dort sonst nichts zu tun ist. In der Nähe des Büros sind auch Stationen, das schlaue Netz weiß das. Die erste aber ist gar nicht existent, die zweite, an einem Einkaufszentrum, ist real. Hier passen sogar die Kabel, nur fließt kein Strom. Die Säule erkennt den Chip nicht, der am Autoschlüssel hängt.

          Die Hotline weiß nur den Rat, sich bei „plugsurfing.com“ eine App herunterzuladen, dann könne man mit derselben den Ladevorgang starten. Anmelden klappt aber nicht. Also zurück ins Büro, dort an die Steckdose und in zehn Stunden ungefähr 20 kWh nachfassen. In der Ladeinfrastruktur muss sich noch viel tun, so ist Elektromobilität eine Plage, keine Verheißung.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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