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Tech-Talk : Aussteiger

  • -Aktualisiert am

Wenn beschlossene Sache ist, dass man dies und das nicht mehr haben möchte, es aber für Benzinmotoren und Kohlenkraftwerke noch keinen vollwertigen Ersatz gibt - dann ist es Zeit für den Ausstieg vom Ausstieg.

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          Im Fußball gibt es eine erfolgversprechende Technik, den Übersteiger. Der Angreifer täuscht eine Richtung an, nimmt den Ball aber nicht mit dem Fuß mit, sondern legt ihn in die andere Richtung am Verteidiger vorbei, den er so aussteigen lässt. Wenn’s nicht klappt, ist die hohe Kunst der doppelte Übersteiger, es geht dann doch in die ursprüngliche Richtung weiter.

          In der Politik ist das ähnlich, dort ist die hohe Kunst der doppelte Aussteiger. Man tut so, als wolle man aussteigen, und wenn sich abzeichnet, dass es nicht klappt, wird die Technik modifiziert. Das funktioniert so: Verbrennungsmotoren sind böse, weil sie CO2 ausstoßen, wir tun jetzt mal so, als wäre das bei der Stromerzeugung nicht der Fall. Weil der Handelsvertreter mit dem Elektroauto nichts anfangen kann, wird die Täuschung mit einer zweiten repariert, wir tun jetzt so, als würden Hybride elektrisch fahren. Mit Blick auf Atomkraft und Kohle warten wir noch auf den Trick, wie der Ausstieg vom Ausstieg funktionieren könnte. Dabei gibt es gute Gründe, manche Technik zu ersetzen.

          So fragen wir uns, warum man keinen Pferdestall bauen darf, ohne nachzuweisen, wo der Mist hinkommt, aber ein halbes Jahrhundert lang Kernkraftwerke betreiben. Und selbst solche, die nicht an den Klimawandel durch CO2 glauben, werden zumindest die Möglichkeit eingestehen müssen, es gilt also das Vorsichtsprinzip. Das Problem aller drei Ausstiegspläne ist, dass Unmengen sauberen Stroms gebraucht werden, von dem niemand weiß, wo er herkommen soll, auch dann nicht, wenn sie Spitzenbürokraten in Brüssel sind oder Hofbock heißen und den Umbau der Gesellschaft auf Nachhaltigkeit fordern. Vom Aussteigen auf eine einsame Insel haben wir alle mal geträumt. Und sind doch geblieben.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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