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Tech-Talk : Kann Harley-Davidson das?

Harley-Davidson will sich radikal wandeln. Ihnen wird ein scharfer Wind um die Ohren pfeifen, wo immer sie als Neuling ihren Fuß hinsetzen.

          Als Harley-Davidson vorige Woche verkündete, was sich in den nächsten Jahren alles verändern soll im Unternehmen, klappte manchem Beobachter der Branche die Kinnlade herunter. Alle anderen rieben sich die Augen. Dass die Amerikaner etwas tun müssen gegen das fortschreitende Altern ihrer Kundschaft, gegen alarmierende Zahlen vom Heimatmarkt, dem wichtigsten von allen, dass sie Ausschau halten müssen, wo Wachstum möglich, wo neue, jüngere Kundschaft zu finden ist, war klar.

          Aber solch ein radikaler, umfassender Wandel? Beschlossen und verkündet ist der Ausbruch aus der Nische der Cruiser, Chopper und Klassiktourer, wo die Amerikaner stets die unumstrittenen Könige waren. Nun wollen sie Ungewohntes bauen wie Großenduros, sportliche Straßenmaschinen und sogar massentaugliche Kleinkräder für Asien, ihr Glück also auf Feldern suchen, auf denen starke Konkurrenten ihre Claims längst abgesteckt haben.

          Es wird ihnen ein scharfer Wind um die Ohren pfeifen, wo immer sie als Neuling ihren Fuß hinsetzen. Harley-Davidson will obendrein Vorreiter im Thema Elektromotorrad sein, kündigt für 2019 die Markteinführung des ersten Elektromotorrads eines Großserienherstellers an, dem alsbald weitere Stromvehikel folgen sollen. Auf die Autoindustrie übertragen, ist alles das so, als würde die Geländewagenmarke Jeep sich entschließen, von sofort an gegen den Rest der Welt anzutreten, zusätzlich Limousinen, Sport- und Kleinwagen anzubieten und nebenbei noch die Nummer eins in der Elektromobilität zu werden. Eine interessante Aufgabe haben sich die Bosse in Milwaukee zudem damit gestellt, die Produktion für die europäischen Märkte aus Amerika abzuziehen, irgendwo in Asien einzurichten, dabei die hiesigen Qualitätsansprüche und das lang gehegte Image zu wahren und treue Fans nicht zu verprellen. Ja, die Gusseisernen, die mit den Bärten, Tätowierungen und Kutten sollen bei alldem ja auch noch bei Laune gehalten werden. Da kann man nur sagen: Good luck!

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

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