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Kaminofen : Feuer im Wohnzimmer

So schön beruhigend: Viele Wohnungsbesitzer lassen sich für einen Kaminofen leicht entflammen. Bild: ddp Images

Ein Kaminofen strahlt Wärme und Gemütlichkeit aus. Wer sich einen anschaffen will, sollte einiges beachten. Nicht nur, weil die Abgasvorschriften verschärft worden sind. Auch anfallende Zusatzkosten können den Preis in die Höhe treiben.

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          In diesen Tagen ist es schwer, die Leute vom Ofen wegzulocken. Denn wer den Flammen zuschaut, wie sie das Holz verzehren, fühlt sich geborgen. Auch liegt das Zündeln offensichtlich in der menschlichen Natur, sonst gäbe es nicht mehr als 14 Millionen Kleinfeuerungsanlagen in den deutschen Wohnzimmern. Den Besitzern wird davon gleich dreimal warm: beim Holzholen, Spalten und Brennen. Daraus zu schließen, die Lust am heißen Ofen fördere die Gesundheit, ist freilich eine Frage des Blickwinkels. Das Heizen mit Holzscheiten ist in den vergangenen Jahren arg in Verruf geraten; zwar wächst der Rohstoff nach und verdient als Energieträger daher das Prädikat weitgehend CO2-neutral, als Produkt der Verbrennung entstehen aber unerwünschte Abgase - je unvollständiger sie abläuft, desto mehr. Neben allerlei Kohlenwasserstoffverbindungen sind das vor allem giftiges Kohlenmonoxid (CO) und Feinstaub.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das ruft die Gesundheitspolitiker auf den Plan. In einigen Städten ist das Verbrennen von Holz inzwischen eingeschränkt oder ganz verboten, und zum Anfang des neuen Jahres wird die zweite Stufe der Bundesimmissionsschutzverordnung gezündet. Der deutsche Gesetzgeber hat mit diesem Wortgespenst unter anderem den Ausstoß der mit Holz befeuerten Kaminöfen in einem zweistufigen Verfahren begrenzt: Seit 2010 dürfen höchstens 2000 Milligramm CO und 750 Milligramm Feinstaub im Kubikmeter Abgas sein, mit Beginn des neuen Jahres sind es nur noch 1250 (CO) und 40 Milligramm (Staub).

          Preissteigerungen ohne ersichtlichen Grund

          Die Werte gelten für die Typprüfung unter idealen Bedingungen, moderne Öfen halten sie locker ein. Die Sorge, Umweltschützer wollten den Leuten ihre heimischen Feuer nehmen, ist also unbegründet. Eine möglichst vollständige Verbrennung wird vor allem durch die Gestaltung des Brennraums und die Luftführung erreicht, wie Uwe Striegler erklärt, der beim Marktführer Hark die Entwicklung leitet. Die Zuluft kommt von unten und an der Scheibe entlang zum Feuer, außerdem sorgt ein weiterer Luftstrom oben vor dem Rauchaustritt für eine Nachverbrennung. So sind inzwischen Wirkungsgrade von 80 bis 85 Prozent erreichbar. Nebenbei bleibt durch die Scheibenspülung die Sicht auf das Feuer länger frei. Viele Modelle regeln die Luftzufuhr automatisch, entweder mechanisch über die Abgastemperatur oder elektronisch über eine Lambdasonde. Ziel ist, den Ofen möglichst schnell auf Temperatur zu bringen, denn beim Anheizen entstehen die meisten Schadstoffe. Außerdem muss er auf Dauer dicht sein.

          Billige Modelle bestünden manchmal aus nur zwei Millimeter starkem Stahlblech, das könne sich mit der Zeit verziehen, sagt Striegler. So sind auch zum Teil die Preisunterschiede zu erklären: Zulassungsfähige Kaminöfen sind von etwa 300 Euro an aufwärts zu bekommen, sie können aber auch das Zehnfache kosten, ohne dass auf den ersten Blick ein Grund dafür ersichtlich wäre. Deutlich haltbarer sind vier Millimeter Stahl oder Gusseisen, aus dem auch oft die Tür besteht. Allerdings ist Guss schwer, ein Kaminofen kann dann schon mal mit 300 Kilogramm die Statik überfordern. Und wie kriegt man solch ein Trumm in die Wohnung?

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