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Kamera Fuji X-Pro1 : Viel Licht und Leidenschaft

  • -Aktualisiert am

Eine Kamera für den Flaneur: die Fuji X-Pro1 mit dem 18-Millimeter-Weitwinkel Bild: Peter Thomas

Die Fuji X-Pro1 nimmt ein durch Bildqualität. Dafür muss sich der Nutzer allerdings mit einigen Eigenheiten der ambitionierten Suchkamera arrangieren.

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          Fujis Prestigeobjekt X-Pro1 ist eine Kamera mit Macken: Bei wenig Licht und entsprechend geringen Kontrasten stellt der Kontrast-Autofokus schmerzend langsam scharf. Das Gewürge am mechanisch nicht gekoppelten Fokussierring (“drive by wire“ heißt das bei Fuji) zum Zwecke der manuellen Schärfenachführung macht als Alternative aber auch keinen Spaß. Und die labbrige Gummiabdeckkappe auf der (sehr hochwertigen) Gegenlichtblende des 18-Millimeter-Weilwinkelobjektivs haben wir schon am ersten Tag verloren. Obendrein: Was dachten sich die Entwickler eigentlich bei Details wie dem Schacht für die Speicherkarte (SD, SDHC oder SDXC), der direkt am Scharnier der Abdeckklappe liegt und das Wechseln der Karte zur fingernagelspitzen Frickelei macht?

          Das soll es dann aber auch mit der Meckerei gewesen sein. Denn insgesamt fällt unser Urteil über die X-Pro1 bei allen Schwächen durchwegs sehr positiv aus - tatsächlich möchten wir auf diese Kamera als Handwerkszeug nicht mehr verzichten. Mag das Fotografieren mit der X-Pro1 auch Leidenschaft und Lernbereitschaft verlangen, hat uns das Gerät beim täglichen Einsatz während inzwischen drei Wochen insgesamt durch die klassischen Tugenden einer Sucherkamera mit Wechselobjektiven überzeugt: Sie ist unaufdringlich leise und liegt gut in der Hand. Schon mit der Anordnung ihrer an analoge Vorbilder erinnernden Bedienelemente verlangt sie unmissverständlich eine bedächtige Arbeitsweise, die sich der Vollautomatisierung verweigert.

          Sensor kommt ohne Tiefpassfilter aus

          Hier darf das Äußere aber nicht täuschen: Die X-Pro1 ist genauso wie die im vergangenen Jahr erschienene X100 mit fest eingebautem 23-mm/f-2,0-Objektiv (die Brennweite entspricht rund 35 Millimetern beim Kleinbild-Vollformat) kein analoger Fotoapparat. Ja, sie ist noch nicht einmal eine Messsucherkamera, mögen ihre Gestalter auch noch so viele Anleihen bei der Formensprache der M-Leica gemacht haben. Das Pfund, mit dem das Top-Modell von Fujis X-Reihe vor allem wuchert, ist die überragende Bildqualität, die der „X-Trans“ getaufte, 16,3 Megapixel auflösende CMOS-Sensor im APS-C- Format liefert.

          Dieser Sensor kommt durch eine neuartige Anordnung der Mikrofilter ohne Tiefpassfilter aus: Üblicherweise verwenden Fotosensoren (abgesehen von Lösungen wie beispielsweise dem Foveon-Chip mit seinen übereinanderliegenden Schichten) die sogenannte Bayer-Verteilung der Filterelemente. Dabei wiederholt sich immer wieder das gleiche Quadrat aus zwei diagonal zueinander versetzten grünen Elementen sowie je einem roten und einem blauen Filter in den beiden anderen Ecken. Die so entstehende Überlagerung sehr homogener Raster kann zu Abbildungsfehlern führen, insbesondere dem gefürchteten Moiré-Effekt, hervorgerufen durch die Kanten feiner Muster. Um das zu verhindern, sorgt der Tiefpass- oder Anti-Aliasing-Filter für eine selektive Weichzeichnung des Motivs.

          Näher dran und alles drauf: ein Blick durch den optischen Sucher, mit dem eingezeichneten kleinen Bildfenster des 60-Millimeter-Objektivs ... Bilderstrecke
          Näher dran und alles drauf: ein Blick durch den optischen Sucher, mit dem eingezeichneten kleinen Bildfenster des 60-Millimeter-Objektivs ... :

          Fuji schickt seinen X-Trans-Sensor ohne einen solchen Filter (der tatsächlich aus mehreren Filterschichten besteht) ins Rennen. Stattdessen ist der Chip mit einem Raster ausgestattet, bei dem die Farbfilterelemente im Verhältnis fünf (grün) zu zwei (rot) zu zwei (blau) vorkommen und deutlich weniger regelmäßig angeordnet sind als bei einem Bayer-Sensor. Dass sich diese Struktur am Aufbau analogen Filmmaterials orientiere - so verkündet es Fuji - dürfte ein wenig übertrieben sein. Das Ziel, feine Muster ohne Moiré abzubilden, erreicht der Sensor jedoch einwandfrei. Selbst das feine blau-weiße Streifenmuster einer Sommerjacke kommt auf unseren Aufnahmen ohne Artefakte daher.

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