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Werft Sanlorenzo : Meer, Luft, mehr Loft

27 Meter Extravaganz: Sanlorenzo SX88, „Crossover“-Motoryacht im Profilook Bild: Werft

Die italienische Werft Sanlorenzo holt sich Stars der Architektur- und Designszene an Bord. Das Resultat sind ganz außergewöhnliche Yachten.

          5 Min.

          Spaghetti! Wie man denn auf einer solchen Yacht einen Topf Spaghetti kochen solle, wird Massimo Perotti manchmal gefragt. Gar nicht, antwortet er dann, schmunzelt, rollt mit den Augen. Man gehe essen. Eine solche Yacht kaufe man nicht, um Spaghetti zu kochen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Perotti ist Chef der feinen Yachtwerft Sanlorenzo, die in diesem Jahr ihr sechzigjähriges Bestehen feiert. In Ameglia an der Grenze Liguriens zur Toskana befinden sich das Hauptquartier des Unternehmens sowie eine Produktionsstätte, eine weitere ist ein Stück weiter südlich in Viareggio angesiedelt. An beiden Standorten werden Yachten aus Glasfaser-Kunststoff gefertigt. Nicht weit entfernt, in Massa, liegt das 2016 in Betrieb genommene Entwicklungszentrum. Im selben Jahr wurde zudem ein mehr als 50000 Quadratmeter umfassendes Werftgelände im Hafengebiet von La Spezia erworben für die Herstellung großer Kaliber aus Aluminium und Stahl.

          Sanlorenzo ist ein Schwergewicht der Yachtindustrie, nach eigenen Angaben drittgrößter Hersteller der Welt im Segment über 24 Meter. Nur die Azimut-Benetti-Gruppe sowie Ferretti, ebenfalls aus Italien, rangieren vor Sanlorenzo. 71 Exemplare weist die Auftragsstatistik für 2017 aus, die Länge dieser Yachten summiert, ergibt einen Wert von gut 2,4 Kilometer. Durchschnittslänge: 35 Meter. Private Investoren halten 26 Prozent der Unternehmensanteile, Perotti selbst besitzt als Mehrheitseigentümer 74 Prozent.

          Ein schöner Liegeplatz: Das Achterdeck der SX88 im „Beach-Club-Modus“. Alles fein aufgeräumt, und wer genau hinsieht, entdeckt den Beiboot-Kran (rechts hinten), der unauffällig ins Heck integriert ist. Bilderstrecke
          Ein schöner Liegeplatz: Das Achterdeck der SX88 im „Beach-Club-Modus“. Alles fein aufgeräumt, und wer genau hinsieht, entdeckt den Beiboot-Kran (rechts hinten), der unauffällig ins Heck integriert ist. :

          Seit der ehemalige Azimut-Boss, Stratege mit langem Werdegang in der Branche, das Unternehmen im Jahr 2005 in seine Hände nahm, hat er manche Veränderung herbeigeführt. Eine wesentliche war es, kreative Köpfe von außerhalb einzubinden, namhafte Architekten, Möbel- und Innendesigner, die mit der Yachtwelt bis dahin nicht das Geringste zu tun hatten. Frische Impulse setzen, andere Sichtweisen nutzen, Distanz zur Konkurrenz herstellen war die Idee dahinter. Das begann 2009 in einer Zusammenarbeit mit Rodolfo Dordoni, der das Interieur einer 32 Meter langen SL 100 entwarf, und wurde mit weiteren Projekten fortgesetzt.

          Sanlorenzo sucht die Nähe zu Künstlern und Kreativen, zeigt bei Kunstmessen wie der Art Basel Flagge. Perotti sieht darin eine Notwendigkeit, um neue, andere Kunden fürs Yachting zu interessieren, auch um dem Image des puren Protzes entgegenzuwirken. Er macht den Eindruck, sich für die Zukunft noch einiges vorgenommen zu haben und auch Risiken nicht zu scheuen.

          Zeitlos moderne Formen, frei von Aggressivität

          Solch ein Risiko schien das brandneue Modell SX88 zu sein, das sich zum Zubereiten von Pasta nicht besonders eignet, obwohl mindestens 5,2 Millionen Euro dafür zu zahlen sind. Als ein radikaler Entwurf stach dieser 27-Meter-Kreuzer auf den Markt, wirkte zunächst wie ein Fremdkörper in der Produktpalette der italienischen Werft. Deren Angebot besteht ansonsten in 24 bis 80 Meter langen Yachten von vornehmer Eleganz, zeitlos modernen Formen, frei von Aggressivität. Eine Sanlorenzo ist normalerweise keine aufdringliche Demonstration des Reichtums, sondern ein stilvolles Resultat davon. Es gibt die traditionellen Motoryachten einerseits und eine Explorer-Linie andererseits. Letztere besteht aus Privatschiffen für die große Fahrt auch in entlegenere Seegebiete, in der äußeren Erscheinung Arbeitsschiffen nicht unähnlich, bloß luxuriös, mit großen Bunker- und Transportkapazitäten, der Möglichkeit, lange autark unterwegs zu sein, dem Heli einen Landeplatz zu bieten, dem U-Boot eine Garage und dem Koch Platz für Spaghettitöpfe.

          Dann kam jene SX88 – und wurde ein Bombenerfolg. 13 Kaufverträge konnten innerhalb kürzester Zeit abgeheftet werden, drei Exemplare sind schon gebaut. Bei der SX handelt es sich um ein „Crossover“, eine Mischung aus klassischer Flybridge-Motoryacht und Explorer. Ein mächtig hoher Bug kündet von tüchtigem Seeverhalten, dahinter fällt die Seitenlinie kontinuierlich ab, endet in einem trawlerartigen Heck mit weitem Achterdeck, das als „Beach Club“ mit ins Wasser absenkbarer Badeplattform dienen kann oder als Parkplatz für Beiboot und Jetski. Der Kran dafür wird so unauffällig ins Schanzkleid integriert, dass man ihn kaum bemerkt.

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