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Interview mit James Cameron : „3D ist kein Vergnügungspark“

  • Aktualisiert am

Setzte schon früh auf 3D: James Cameron Bild: AFP

Warum wandelt man einen fünfzehn Jahre alten Film in 3D um? Und wird sich das dreidimensionale Fernsehen durchsetzen? James Cameron im Gespräch.

          Herr Cameron, mit Avatar in 3D haben Sie als Regisseur und Produzent die Messlatte hoch gelegt. Warum haben Sie Titanic nach so langer Zeit in 3D umgewandelt? Das war ein langwieriger und wohl auch langweiliger Prozess.

          Qualvoll ist der richtige Begriff. Das hielt man nur aus, wenn man an ein qualitativ hochwertiges Ergebnis glaubte. Ich fing vor sieben Jahren an: Wir konvertierten damals testweise einige Filmsequenzen von Titanic in 3D, die spektakulär wirkten. Trotzdem konnten wir mit der Umsetzung nicht gleich starten, da sich der 3D-Markt erst noch entwickeln musste. Aber das Warten hat sich gelohnt. Schließlich gibt es für einen Regisseur nichts Schöneres, als seinen Film abermals auf die Leinwände zu bringen, was übrigens der Grund für viele Neuauflagen ist. Leider werden diese oft durch zusätzliche Inhalte angereichert, was meiner Meinung nach die Ursprungsversion des Films in Frage stellt. Wir haben uns bei Titanic daher auf das Hinzufügen von Bildtiefe konzentriert.

          Aber noch Mal: Wozu der ganze Aufwand? Immerhin offerieren doch schon einige TV-Geräte und Bluray-Player die Filmumwandlung vom 2D- ins 3D-Format auf Knopfdruck. . .

          Das ist alles Müll. Ich habe mit den Ingenieuren gesprochen, die die Algorithmen und Codes dafür entwickelten. Was sie machen, ist quasi so, als würde man für einen Schwarzweißfernseher eine „falsche“ Farbe anbieten - damit der Himmel blau und das Gras grün erscheint. Aber es hat eben nur den Anschein. Für mich muss eine 3D-Umwandlung so aussehen, als ob der Film auch mit einer 3D-Kamera aufgenommen wurde. Und mal ehrlich: Wären wir nicht die größten Idioten der Welt, mehr als 18 Millionen Dollar in eine Konvertierung zu stecken, wenn es irgendeinen Chip, eine Software gäbe, die gute dreidimensionale Bilder auf Knopfdruck liefert? Es gibt keinen technischen Prozess, der einem zweidimensionalen Bild Tiefe verleiht, das rein fotografisch gar keine Tiefe hat. Vielmehr bedarf es einer Menge Leute, die von der Perspektive bis zur Größe eines Objektes sämtliche Elemente einer Aufnahme bis ins kleinste Detail analysieren, um ihnen anschließend eine dritte Dimension zu verleihen.

          Können Sie sich vorstellen, weitere Ihrer Filme in 3D zu konvertieren?

          Bei Abyss ist dies nicht sinnvoll. Bei Terminator 2 vielleicht schon eher. Zum Glück müssen wir Avatar nicht mehr umwandeln.

          Wie sind denn Ihre Pläne zur Fortsetzung von Avatar? Werden Sie bei Ihren Arbeiten dazu eine 3D-Unterwasserkamera einsetzen?

          Nun, in den kommenden vier Jahren bin ich mit Avatar 2, 3 und vielleicht auch 4 beschäftigt. Eine 3D-Unterwasserkamera werden wir dabei nicht einsetzen. Wir haben zwar eine, aber die Unterwasserwelt von Pandora gestalten wir am Computer. Immerhin sieht sie ganz anders aus als eine reale Unterwasserwelt mit ihren Korallenriffen. So, wie auch die Wälder auf Pandora anders aussehen als echte Wälder.

          3D-Kinos und 3D-Fernseher verwenden derzeit meist unterschiedliche Techniken in der Wiedergabe. Auch der Abstand von der Leinwand oder dem Bildschirm zum Betrachter differiert. Hat dies irgendeinen Einfluss auf 3D-Produktionen?

          Nein, denn die Art, in der man einen Film herstellt, und die, in der er ausgestrahlt wird, funktionieren völlig losgelöst voneinander. Die Methode der Ausstrahlung, der Abstand zum Bildschirm und seine Größe sind für die Produktion völlig irrelevant.

          Achten Sie denn auf andere Kameraeinstellungen - beispielsweise für eine spannende dreidimensionale Perspektive?

          Als Filmemacher sollte man möglichst wenig über 3D nachdenken. Mir ging es immer darum, gute Geschichten zu erzählen. Avatar haben wir bis zum Schnitt komplett in 2D und erst danach in 3D realisiert. Auch das Publikum sollte vergessen, dass es sich um einen 3D-Film handelt. Wenn man zu viel dreidimensionales Bohei einbaut, holt man die Zuschauer raus aus dem Film statt rein.

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