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In Zeiten von NSA und Prism : Was Google scannt

  • -Aktualisiert am

Scannt Google neuerdings nicht nur die Texte der E-Mails, sondern auch die angehängten Bilder? Wir wissen es nicht. Zuzutrauen wäre es ihnen. Bereits das Erfassen der E-Mail-Nachrichten hat eine gewisse Obszönität.

          Die Geschichte ist geradezu unglaublich: Da verschickt jemand Fotos von seinem neu erworbenen Haus via Googlemail. Auf den Aufnahmen ist auch ein Stück des Nachbargrundstücks zu sehen. Dort wiederum liegt Bauschutt. Obwohl in der E-Mail nur die Freude über die Anschaffung geschildert und der Müll des Nachbarn textlich nicht erwähnt wird, erhält der Versender fortan Google-Reklame am Seitenrand eingeblendet, in der Entsorgungs- und Abbruchunternehmen ihre Dienste anbieten. Scannt Google neuerdings nicht nur die Texte der E-Mails, sondern auch die angehängten Bilder?

          Wir wissen es nicht. Zuzutrauen wäre es ihnen. Bereits das Erfassen der E-Mail-Nachrichten hat nicht erst in Zeiten von NSA und Prism eine gewisse Obszönität. Google verweist gebetsmühlenartig darauf, dass die entsprechenden Prozesse für die nutzerspezifische Werbung „vollkommen automatisiert“ ablaufen. Allein die Algorithmen griffen auf die E-Mail-Texte zu, und mit dieser Schnüffelei erhielte der Google-Nutzer nur „relevante Werbung“. Die Herrschaft der Algorithmen führt bei einem möglichen Bilderscan zu ungeahnten Konsequenzen. Denn die Algorithmen sehen stets mehr, als das Bild intentional zeigen soll. Da fehlen dann nur noch eine Gesichtserkennung und natürlich die Google-Glass-Brille.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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