https://www.faz.net/-gy9-93oii

Tech-Talk : In die Röhre geguckt

  • -Aktualisiert am

Ob TV-Empfang in einem Auto überhaupt nötig oder unnötiger Luxus ist, hängt vom Fahrer ab. Wer bisher Fernsehen über DVB-T geschaut hat, hat nun ein Problem.

          1 Min.

          Duplizität der Ereignisse. Am späten Abend hatten wir nach dem Ende einer Veranstaltung noch mit einem der wartenden Chauffeure gesprochen, der sich darüber beklagte, dass er in seinem Audi nicht mehr Fernsehen schauen könne. Klar, Ende März war der Übertragungsweg DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) schlichtweg abgeschaltet worden. Also kein TV mehr für Geräte, die diesen Standard nutzen. Dass für Chauffeure oder Taxifahrer TV-Empfang im Auto sinnvoll sein kann, um die mitunter langen Wartezeiten zu überbrücken, ist schlüssig. Umso mehr überraschte der Anruf eines Lesers am nächsten Tag: In seinem Porsche 911 funktioniere der Fernseher nicht mehr, das sei eine Unverschämtheit. Den Sachverhalt kannte er wohl, und die Tatsache, dass Porsche bereit ist, den gezahlten Aufpreis zurückzuerstatten, beruhigt ihn nicht. Man müsse doch umrüsten können. Er höre so gern während der Fahrt Bundestagsdebatten oder lange Diskussionen, das Bild brauche er gar nicht, es wird während der Fahrt schwarz, das ist Vorschrift. Dass ausgerechnet ein 911-Fahrer so aufs Fernsehen steht, erstaunt. Als ob ein Elfer allein nicht schon Programm genug wäre.

          Ganz abgesehen von der Frage, ob TV-Empfang in einem Auto überhaupt nötig ist oder unnötiger Luxus für den Fall, dass man einmal länger im Stau stillsteht oder auf einem Autobahnparkplatz anhalten kann, um bei der Fußball-WM ein entscheidendes Elfmeterschießen zu verfolgen. Einerlei, inzwischen haben die Autohersteller reagiert. Bei Porsche ist die TV-Funktion in Deutschland zur Zeit in keinem Modell zu bestellen, auch Volvo verfährt so. Mercedes-Benz und BMW sind schon auf den Nachfolgestandard umgestiegen, sie können also liefern. DVB-T 2 bietet bis zu 40 Programme in HD-Qualität. Es ist aber nicht kompatibel mit DVB-T. Für den Empfang zu Hause über Antenne gibt es übrigens selbstverständlich Nachrüstmöglichkeiten. Im Auto ist das den Herstellern zu teuer und zu aufwendig. Dazu kommt, dass die Zahl derer, die für eine TV-Funktion Aufgeld gezahlt haben, überschaubar ist. Das bremst den Tatendrang. Unser Chauffeur braucht wohl einen neuen Dienstwagen. Im neuen Audi A8 wird DVB-T 2 verbaut.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Opel Corsa Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Opel Corsa

          Dem Opel Corsa fällt die schwere Aufgabe zu nach dem Insignia das kleinste Modell der Fahrzeugflotte zu sein. Wieso er diese Aufgabe mit Bravur meistert, zeigt unser Fahrbericht.

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.