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Lautsprecher für Ohr und Auge : In bester Form

  • -Aktualisiert am

Lautsprecher sollen in erster Linie gut klingen. Wenn sie dazu aber noch gut aussehen, umso besser. Bild: Bang & Olufsen

Zwei Spezialisten für feines Design, Bang & Olufsen und Braun, präsentieren ihre jüngsten Lautsprecher-Kreationen. Aber hält der Klang, was das Äußere verspricht?

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          Wenn bei Bang & Olufsen Lautsprecher entworfen werden, ist eines vorhersehbar: Langweilige Kartoffelkisten entstehen dabei nicht. Das gilt auch für den jüngsten Spross des Hauses, den zierlichen Funklautsprecher Beosound Level. Und als Braun noch Schallwandler aus eigener Fertigung auf den Markt brachte, rühmte die HiFi-Szene deren schnörkellose, von Bauhaus-Traditionen inspirierte Formensprache – damals fest verbunden mit dem Namen des Star-Designers Dieter Rams. Allerdings, lang ist es her, verabschiedete sich Braun vor 30 Jahren von seinem HiFi-Programm, die Konkurrenz aus Japan war damals allzu stark.

          Jetzt sind Braun-Lautsprecher wieder zu haben – aus der Hand einer etwas komplizierten Industrie-Allianz. Der Konzern Procter & Gamble, heutiger Eigentümer der Marke, hat Pure, dem englischen Spezialisten für digitale Radios, die Herstellungslizenz erteilt. Drei Modelle entsprangen bisher dieser Liaison; wir haben die größte Variante, in Anlehnung an einen klassischen Vorfahren LE01 genannt, zum Vorspiel gebeten, zusammen mit der Neuheit aus Dänemark.

          Beide Lautsprecher spielen in einer ähnlichen Preisliga: Das Nordlicht von Bang & Olufsen kostet, je nach Ausführung, zwischen 1250 und 1500 Euro, für den Braun LE01 schreibt der Händler 1200 Euro auf die Rechnung. Gemeinsam ist den Protagonisten auch das moderne Drahtlos-Konzept und ihre Fähigkeit, entweder als Solisten oder in Kombination mit einem zweiten Exemplar als Stereo-Set aufzutreten. Im Detail allerdings gibt es viele Unterschiede, schon in der Größe: Der LE01 musiziert mit einem ziemlich erwachsenen, 70 Zentimeter breiten und 27 Zentimeter hohen Korpus, der Beosound Level geriet mit den Maßen 35 mal 23 Zentimeter deutlich kompakter.

          Pflegt den Retro-Look einer prominenten Marke: Drahtlos-Box Braun LE01. Ihre Silhouette erinnert an den großen Elektrostaten LE1 von 1960.
          Pflegt den Retro-Look einer prominenten Marke: Drahtlos-Box Braun LE01. Ihre Silhouette erinnert an den großen Elektrostaten LE1 von 1960. : Bild: Braun

          Zu den Details also zunächst in alphabetischer Modellreihenfolge: Der Beosound Level sitzt in einem stabilen Rahmen aus Aluminium. Die Schallwand der preisgünstigeren Variante verbirgt sich hinter einer schwarzen Textilabdeckung, die kostspieligere Version schmückt sich mit feinen, dekorativ gemaserten Rippen aus echtem Eichenholz. Der Lautsprecher kann in allen erdenklichen Positionen aufspielen: flach auf einem Tisch liegend, aufrecht stehend oder, fixiert mit einem separat erhältlichen Montageset, wie ein Bild an einer Wand. Ein Griff auf seiner Rückseite macht ihn transportabel, allerdings nicht während längerer Spaziergänge, denn dazu ist die Griffmulde allzu kantig.

          Immerhin, Freiluftbetrieb ohne Netzanbindung funktioniert auch, denn im Korpus steckt ein Akku, der, wenn die Datenblätter ehrlich sind, bis zu 16 Stunden lang durchhält. Ein magnetisch fixierter Adapter stellt den Ladekontakt auf der Rückseite her. Und sollte der Energiespeicher einmal seinen Geist aufgeben, lässt er sich leicht ersetzen: Ein spezieller Schacht hinter der Schallabdeckung lässt sich mit ein paar Handgriffen öffnen, sogar die hinter dem Akku sitzende Elektronik-Platine ist ohne Klimmzüge für Upgrade-Zwecke wechselbar.

          Für den Drahtlos-Transport der Musik kommen sowohl W-Lan als auch Bluetooth in Frage. Apple-Geräte können den Lautsprecher direkt über das Protokoll Airplay 2 befunken, Android-Smartphones senden über Chromecast, für komfortable Sprachsteuerung halten sich ein abschaltbares Mikrofon und der Google Assistant bereit. Elementare Bedienschritte wie die Lautstärkeeinstellung oder der Sprung zum nächsten Musikstück lassen sich über eine Sensorleiste an der Gehäuse-Oberkante auslösen. Den Rest erledigt die B&O-App. Sie erlaubt sinnvolle Klanganpassungen, nicht nur in Form programmierter Equalizer-Entzerrungen, sondern auch über ein kreisrundes Feld, in dem man nach Herzenslust mit dem Zeigefinger manövrieren kann, um den Sound kühler, wärmer, entspannter oder energischer erscheinen zu lassen.

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