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Im Rückspiegel: Das Autojahr 2011 : Alles wird kleiner, sparsamer, leichter

Bild: F.A.Z.

2011 war wieder ein spannendes Autojahr. Zum ersten Mal war ein Elektro-Auto für einen Großen Fahrtbericht zu Gast, die S-Klasse von Mercedes-Benz kommt jetzt mit vier Zylindern aus, und überhaupt ist Bescheidenheit Trumpf.

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          Elektrisch fahren soll die Zukunft sein, wird uns immer eingeredet. „Bis zum Jahr 2020 eine Million Elektro-Autos“ hat die Kanzlerin mal gesagt. Das wird wohl nichts. Wenn nicht ein Wunder geschieht, haben wie 2020 nicht mal 100 000 (reine) E-Autos in Deutschland. Was bisher geschehen ist, sind nur Gehversuche. Exakt 101, in Worten einhunderteins, E-Autos sind in diesem Jahr (bis Ende November) in Deutschland in private Hände gegangen, der Rest der insgesamt 1808 neu zugelassenen E-Autos entfiel auf Firmenflotten. Für viele Unternehmen ist es schick, sich ein möglichst grünes Mäntelchen umzuhängen. Und wahrscheinlich wird schon deshalb die Stromer-Zulassungszahl 2012 deutlich steigen, kommen doch der Nissan Leaf und die vier elektrischen Musketiere von Renault auf den Markt, im Sommer will dann auch der E-Smart mitmischen. Doch der Privatkunde wird um sie einen weiten Bogen machen. Automobile Elektromobilität ist zu teuer, alle anderen Fragen (Reichweite, tatsächliche Nachhaltigkeit) können da schon ausgeblendet werden. Gewiss, wer viel Geld hat, mag sich den Spaß gönnen, für die Fahrt in die Stadt einen E-Wagen zu unterhalten, Otto Normalverbraucher wird sich kaum einen E-Wagen als Erstauto zulegen, und auch als Zweitwagen taugt er nur bedingt, weil er den ersten eben nicht voll ersetzen kann.

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          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Da hilft es wenig, dass der ADAC gegen Ende des Jahres vermeldet, die Autobahn von Köln nach Hamburg sei jetzt vollkommen elektrifiziert, das heißt, etwa alle 100 Kilometer kann man an einer Tankstelle oder an einem Rastplatz Strom fassen. Sogar Starkstrom gibt es, damit ist in einer halbe Stunde die Batterie wieder „voll“, doch der Club liefert selbst das beste Argument gegen das E-Auto als Fernreisemittel: Fünfeinhalb Stunden dauerte die Fahrt, inklusive Laden. Wohlgemerkt, es ging um eine Distanz von 360 Kilometer.

          Die Fakten sprechen einfach (noch) gegen das E-Auto. Der Mitsubishi i-MiEV, der als erstes Auto seiner Zunft in einem Großen Fahrtbericht in der F.A.Z. beschrieben wurde, ist ein profunder Kleinstwagen (3,48 Meter lang), dessen tatsächliche Reichweite kaum mehr als 100 Kilometer beträgt. Der Preis von 35 000 Euro spricht für sich. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht, und wir wenden uns mit Spannung dem zu, was 2012 kommen soll. Mit Strom oder ohne.

          Heute sind andere Dinge gefragt als die Jagd nach der letzten PS

          Jenseits des Mitsubishi war das Autojahr 2011 so ereignisreich wie die zuvor. Allerdings hat sich die Entwicklung hin zu kleineren Motoren sowie kleineren und leichteren Autos verfestigt. Plötzlich wird das Unmögliche wahr: Mercedes-Benz packt unter die Haube der S-Klasse, dem Leitbild des deutschen Luxusautos, einen Vierzylinder-Diesel, und siehe da, es geht. Der S 250 CDI, der eigentlich S 210 CDI heißen müsste, ist keine lahme Ente, sondern ein würdevolles Automobil, das die Produktpalette nach „unten“ abrundet. Doch was heißt noch unten. Heute sind andere Dinge gefragt als die Jagd nach der letzten PS. Immerhin 150 kW (204 PS) hat die Vierzylinder-S-Klasse und ein Drehmoment von ordentlichen 500 Newtonmeter. Da vermisst man wenig. Den Dank für den „Verzicht“ holt man sich an der Tankstelle. 7,6 Liter Durchschnittsverbrauch sind für eine S-Klasse sensationell. Und der dicke Benz wird nicht lange der einzige Luxuswagen mit nur vier Zylindern bleiben. In einem Interview mit „Technik und Motor“ im Vorfeld des Genfer Automobilsalons kündigte VW-Chef Martin Winterkorn einen A8 mit Vierzylindermotor an.

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