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Impressionen von der IFA : Das iPad als Fernbedienung

Übersichtliche Verwaltung der Anlage bei Sonos Bild: Hersteller

Während die Debatte darüber allmählich verstummt, ob das iPad die Rezeption von Medien revolutioniert, reizen die Hersteller längst einen ganz anderen Anwendungsbereich für das Gerät aus: Das iPad dient als komfortable Fernbedienung.

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          Es wurde in den letzten Monaten viel darüber spekuliert, ob das iPad eine Revolution sei. Bei dem Versuch, dafür oder dagegen zu argumentieren, bezogen sich die Begeisterten meist auf das gleiche Einsatzgebiet. Das iPad sei ein PC-Ersatz. Der Weg, mit dem Computer umzugehen, sei ein völlig neuartiger. Zudem eigne es sich hervorragend, E-Books darauf zu lesen oder Inhalte in einer neuen Darstellungsform zu präsentieren.

          Marco Dettweiler
          (made), Technik & Motor, Wirtschaft

          Auf der IFA hat sich nun gezeigt, dass die Industrie ungeachtet dieser Debatten eine andere Anwendung gefunden hat, die schon jetzt sehr plausibel wirkt. Einige Hersteller präsentierten an ihren Messeständen das iPad als überdimensionale Fernbedienung. Die App, die es dazu befähigt, ist freilich kostenlos. Ist diese noch dazu überzeugend gestaltet, werden Kunden nicht lange überlegen, ob sie ihr iPad für solche Zwecke einsetzen sollen. Es liegt geradezu auf der Hand.

          Bisher war es das iPhone, das zu dem Einsatz als Fernbedienung zweckentfremdet wurde. Form und Größe bieten sich auch an. Doch gerade das große Display des iPad und seine Verwendung zu Hause sind Vorzüge gegenüber seinem kleinen Bruder. Auch deshalb drängte sich das iPad an den IFA-Ständen als Lockmittel der PR-Abteilung auf, weil viele Hersteller ihre brandneue App als Neuigkeit anpreisen konnten, wenn sie bei den Geräten wenig zu bieten hatten.

          Beck per Drag&Drop ins Wohnzimmer
          Beck per Drag&Drop ins Wohnzimmer : Bild: Hersteller

          Sonos lässt sich bedienen

          So war man etwa bei Sonos besonders stolz darauf, die Komponenten der Audio-Anlage nicht nur mit dem iPhone, sondern auch mit dem iPad steuern zu können, was sehr gut funktioniert. Da die drahtlosen Sonos-Komponenten erst ihren richtigen Einsatz finden, wenn man sie in der Wohnung oder im Haus verteilt, um in den verschiedenen Räumen Musik hören zu können, ist ein mobiles Steuerelement unabdingbar.

          Mit dem iPad als Fernbedienung ist auf dem Display hinreichend viel Platz, übersichtlich und bequem die Lautstärke in den Räumen regeln und daneben die Musik bei Napster, auf der Festplatte oder im Internet-Radio wählen zu können.

          Sonos verkauft zwar auch ein eigenes Bedienelement. Doch der Preis von unglaublichen 399 Euro dürfte nun vielen als Anreiz dienen, sich gleich für ein iPad zu entscheiden. Sonos will es offenbar so. Die Weiterentwicklung des eigenen Controllers wird vermutlich irgendwann eingestellt.

          Mit der App an die Wäsche

          Bei Miele hat man erst gar keine eigene Fernbedienung entwickelt, sondern gleich das iPad (oder iPhone) per kostenloser App in eine Steuerzentrale umfunktioniert. Hier greift man nicht auf die Musik, sondern auf die Wäsche, den Kuchen oder die Teller zu. InfoControl Plus ist die Möglichkeit, seine Miele-Geräte vom iPad aus an- und abzuschalten und Daten wie die Restlaufzeit von Waschmaschine, Backofen oder Geschirrspüler abzulesen. Das iPad wird über einen Gateway und den Router ins heimische Netz integriert.

          Im letzten Jahr war diese Konsole noch fest in der Küche eingebaut. Offenbar ging man bei Miele davon aus, dass sich Hausfrau oder -mann dort am häufigsten aufhält. Zudem musste das Unternehmen auf die Technik eines Spezialisten zurückgreifen. Mit dem Einsatz des iPad wird InfoControl jetzt mobil, da man nicht erst in die Küche gehen muss, um sich zu informieren, wie lange die Waschmaschine noch laufen wird.

          Ein Stand voller Attrappen

          Bei Philips standen lediglich jede Menge iPad-Attrappen neben den IFA-Produkten, um den Besucher neugierig zu machen. Die Vorführung - sofern ein echtes Gerät vorhanden war - begeisterte allerdings weniger als bei Miele und Sonos. Der Mehrwert war nicht sofort erkennbar.

          Anstelle des iPhones kann man das iPad dort etwa in die Dockinglautsprecher der Fidelio-Reihe integrieren, das heißt, per Steckverbindung andocken oder per Bluetooth einbinden. Das Gerät wird dann zum Musikspieler. Eigentlich würde es das iPhone für diesen Zweck auch tun. Allerdings hat die Verwendung des iPad auch hier einen Vorteil. Wenn ein Anruf kommt, kann die Fernbedienung ruhig liegen bleiben.

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