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Michael Spehr (misp.)

Identität bei Online-Diensten : Lügen erlaubt

  • -Aktualisiert am

Für Facebook werde ich in diesem Jahr 107 Jahre alt. Damit liege ich voll im Trend. Nicht etwa, dass Facebook plötzlich vom Netzwerk der Babyboomer zu einem Seniorenstift geworden wäre.

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          Für Facebook werde ich in diesem Jahr 107 Jahre alt. Damit liege ich voll im Trend. Nicht etwa, dass Facebook plötzlich vom Netzwerk der Babyboomer zu einem Seniorenstift geworden wäre. Es geht allein um die Altersangabe. Nach einer Studie von Symantec machen 36 Prozent aller Deutschen bewusst falsche Angaben zu ihrer Identität, wenn sie sich bei Online-Diensten anmelden. 70 Prozent der 7000 befragten Menschen erwarten, dass ihre Daten an Drittfirmen weiterverkauft werden. Die alltägliche Mogelei betrifft aber auch die Sicherheit.

          Das Geburtsdatum gehört wie der Fingerabdruck zu jenen Sicherheitsmerkmalen, die nicht ersetzbar sind, wenn zum Beispiel Unbefugte an Kontodaten gelangten. Der Geburtstag wird bei vielen Gelegenheiten zur Bestätigung der Identität verwendet. Alle Daten müssen passen. Es gibt folglich keinen Grund, bei Facebook, Google oder Twitter sein tatsächliches Geburtsdatum zu veröffentlichen. Auch die Autowerkstatt oder das Hotel kann man getrost mit falschen Zahlen füttern. Der frühere Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert riet schon vor zehn Jahren dazu, Phantasieangaben zu machen, wenn Informationen für einen Vertragsabschluss nicht unbedingt gebraucht werden. Das sollte man auch seinen Facebook-Freunden sagen. Bis jeder von ihnen am 1. Januar Geburtstag hat.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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