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Autodachzelte : Die Angst vor einem Dachschaden

Kleinlaster: Auf der Regenrinne stemmt so mancher Wagen mehr, als dem Konstrukteur lieb ist. Bild: Imago

Zelte in Dachboxen sind beliebt bei Leuten, die keine Wohnwagen mögen. Aber sind sie mit Insassen für ein Autodach nicht viel zu schwer?

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          Diesmal wollen wir spät in der Saison einfach losfahren. Richtung Norden. Keine Buchungen. Dänemarks Strände. Norwegens Fjorde. Schwedens Wildnis. Einsamkeit. Was liegt da näher als einen Camper zu mieten? Nicht so ein unverschämtes Schiff, sondern kompakt wie ein VW California oder ein Mercedes Marco Polo, bei dem das Dach für zwei Schlafplätze mit herrlicher Aussicht einfach nach oben gefahren werden kann. Wer es schafft, ein Exemplar zu ergattern, bevor alle Modelle in Deutschland vergriffen sind, muss für zwei Wochen in der Hauptsaison rund 1500 Euro Miete zahlen.

          Robert Wenkemann

          Verantwortlicher Redakteur für Multimedia und Art Director bei FAZ.NET.

          Für alle, die das nicht wollen, gibt es eine Alternative mit bleibendem Wert für einen ähnlichen Preis: Autodachzelte. Sie werden wie die üblichen Dachboxen einfach auf den Dachgepäckträger geschnallt. Bei den komfortableren Modellen müssen am Ziel nur drei Verriegelungen gelöst werden, und schon hebt sich der Deckel mit hydraulischer Unterstützung wie von Geisterhand. Zum Vorschein kommt ein einladendes Zuhause mit weicher Matratze, moskitogeschütztem Fenster, Gepäcknetz und Lampe. Auch eine kleine Klappleiter ist vorhanden. Die Ausstattungsvarianten reichen bis zur Carbon-Version für zwei Erwachsene und zwei Kinder mit einer Länge von 2,30 Meter, in der während der Fahrt auch noch Schlafsäcke und andere Dinge verstaut werden können.

          Seit 1958 fertigt Autohome Autodachzelte, inzwischen unter den Marken Maggiolina, Columbus, Overcamp, Overland, Overzone und Air-Top. Die Ahnenreihe zeigt weltweit Einsätze mit martialischen Jeeps, putzigen Fiat Cinquecentos und den üblichen Familienlimousinen. Die Konzepte wirken ausgereift. Von exklusiver Mehrschichtisolierung mit Hohlkammern, Schutz vor Kondenswasser und isolierenden Sandwich-Bodenplatten ist genauso die Rede wie von UV-beständigen, wasserdichten, atmungsaktiven Textilien. Angenehm und leiser soll es im Gehäuse sein, selbst bei Hagel.

          Welches Gewicht darf aufs Dach?

          Doch bevor wir bestellen, wollen wir noch wissen, ob unser Auto diese Last auch aushält. Die Nachfrage bei Volkswagen ist erschütternd: Mehr als 100 Kilogramm dürfen wir auf die Dachrehling nicht schnallen. Ein Dachzelt wiegt allein schon rund 60 Kilogramm. Nun gut, das gilt für den Einsatz auf der Straße. Ob sich an der Obergrenze etwas ändert, wenn wir nicht mehr fahren, fragen wir deshalb hoffnungsvoll, weil dann ja die dynamische Belastung wegfällt? Nein, kein Unterschied. Im Aufbauvideo von Autohome kommt ein Mercedes-Benz GLK zum Einsatz, ein stattliches Fahrzeug. Doch auch die Informationsstelle von Mercedes winkt bei über 100 Kilogramm ab. Lediglich für das gute alte G-Modell sind bis zu 200 Kilo erlaubt. Mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern genügt auch das nicht.

          Das Autodachzelt zum Mini Countryman Bilderstrecke
          Autodachzelt : Zuhause auf dem Mini Countryman

          Globetrotter, der Ausrüster für Abenteurer wie die, die wir in den Ferien sein wollen, verkauft die Zelte von Autohome. Wir fragen nach und werden an die Autodach-Experten der Filiale in Filderstadt verwiesen: „Überhaupt kein Problem“ heißt es dort. „Tausende zufriedene Kunden. Wir werden an die Werbung von Volvo mit dem Elefanten auf dem Autodach erinnert, und außerdem müssten Autodächer bei einem Unfall ja sogar einen Überschlag des Fahrzeugs aushalten. Wir wollen es genau wissen. In den Garantiehinweisen ist zu lesen, dass jedes Autohome-Produkt aus Materialien besteht, die aufwendig getestet wurden. Die Tests werden nicht weiter erläutert. Weiter unten steht, dass die Garantie keine Schäden abdeckt, die durch falschen oder normalen Gebrauch entstanden sind, und dann noch weiter unten unter „Wichtige Hinweise“: „Die maximale Dachlast, die vom Autoproduzenten vorgegeben ist, darf nicht überschritten werden.“

          2013 präsentierte Mini eine Clubman Sonderedition All4 Camp mit Roof Top Zelt mit einheitlichem Streifendekor auf Box und Fahrzeug. Doch wer auf eine gemeinsame und sinnvolle Garantie für Auto und Box hofft, wird enttäuscht. Das Dachzelt war eine modifizierte Variante von Autohome und kam nie in den Handel. Wir fahren in ein paar Tagen los und packen unser Zelt einfach in den Kofferraum.

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