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Rundgang über die IAA : Mehr Elektro, weniger Hostessen

Hängepartie: Ein Besucher läuft an einer Leuchtwand auf der IAA vorbei Bild: Reuters

Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung wollen sich Mercedes, Opel, BMW und andere Hersteller von ihrer klimafreundlichen Seite zeigen – und sparen an Platz. Doch auch sonst ist vieles anders als in früheren Jahren.

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          Ein Motor jault auf, Bremsen quietschen, die Gänge werden durchgeschaltet – ja, so etwas gibt es noch auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA). Allerdings nur in den Formel-Eins-Simulatoren, in denen Besucher virtuell über die Rennstrecke von Barcelona fahren und dabei kräftig durchgeschüttelt werden. Ansonsten geht es bemerkenswert ruhig in den Messehallen zu. Denn fast jeder Hersteller, der dieses Jahr nach Frankfurt gekommen ist, bewirbt vor allem Elektrofahrzeuge. Auch zwischen den Hallen rollen lautlos Shuttle-Autos mit Elektroantrieb vorbei, Mitarbeiter schlängeln sich auf E-Scootern durch die Mengen. Auf dem freien Platz zwischen den Hallen steuern Besucher Elektroautos über einen Fahrparcours. Selbst vor der Oldtimer-Halle 4 steht ein alter Käfer mit neuem Elektromotor.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer seinen Messebesuch bei der Festhalle beginnt, könnte meinen, dass bei Mercedes noch alles wie früher ist. Vor der Eingangshalle, dem Forum,  stehen die Sportwagen von AMG, im ersten Vorraum hängen Smarts an der Wand, am Gang können Interessierte die digitalen Konsolen selbst ausprobieren. Doch das Forum ist nur der Eingang für die Festhalle, in der nichts ist wie früher. Fahrzeuge sind hier weniger zu sehen als Displays, die Emotionen wecken sollen, es wird viel mit Licht und auch Düften experimentiert. In der Festhalle selbst fehlen die sonst bei Mercedes üblichen Zwischendecken, die die Ausstellungsfläche auf mehrere Etagen vergrößert hatten. Man wolle die denkmalgeschützte Halle zeigen, sagt ein Verantwortlicher. Dass der Hersteller sein Budget für die Messe reduziert hat, gibt er aber auch zu.

          ID3 und sonst nichts

          Unübersehbar ist der Wandel auch in Halle 3, die komplett von den Marken des Volkswagenkonzerns belegt wird. In der VW-Ecke stehen ausschließlich Varianten des neuen ID3, der auf der Messe offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Stand ist für die Niedersachsen ungewohnt farbenfroh. Gleich nebenan hat Audi ein Konzeptwagen aufgefahren, der aussieht wie ein Buggie, aber elektrisch fährt und von Künstlicher Intelligenz gesteuert werden soll.

          Abgang: Am BMW-Stand ist am Dienstag ein Teil der Decke herunter gefallen – verletzt wurde zum Glück niemand Bilderstrecke

          Wenige Schritte daneben präsentiert Porsche einen elektrischen Sportwagen names Taycan. Auf einem Konsolentisch soll der Beweis erbracht werden, dass elektrisch nicht lahm bedeutet. Dort tritt ein Modellauto gegen computersimulierte Gegner an, etwa Raketen, Geparden oder Kampfjets. Natürlich gewinnt der Taycan den Vergleich um die schnellste Startzeit jedes Mal.

          BMW in einer großen Ecke

          In den Hallen 8 und Hallen 11 zeigt sich, dass viele Hersteller ihre Auftritte eingespart oder zumindest reduziert haben. Viele Namen aus Amerika und Asien fehlen komplett. Flächen, die früher mitunter von einem einzigen Hersteller belegt wurden, sind nun aufgeteilt für mehrere Marken. In Halle 11 hat sich BMW in eine große Ecke zurückgezogen, verzichtet aber nicht auf große Limousinen wie das Konzeptauto Concept 4, großzügige Flächen und glänzende Lackböden. In der Mitte steht ein Info-Pavillion mit begehbarem Dach, dessen Platten allerdings am Dienstagnachmittag erst einmal, zum Schrecken aller Anwesenden, herunterfielen.

          Gegenüber zeigt Opel die neuen Corsas, daneben wirbt Hyundai für seine neuen Kleinwagen – es gibt eben nicht nur teure PS-Boliden bei der IAA, sondern auch Massenfahrzeuge.  Ganz verzichten muss man aber auf klassische PS-Boliden nicht. Audi etwa zeigt in Halle 3 den Rennwagen R8 Spyder, mit 620 PS, einem kombinierten Verbrauch von 13 Liter Superbenzin (20 Liter innerorts) und der schlechtesten CO2-Effizenznote G.

          In Halle 5 dagegen sind fast gar keine Autos mehr zu finden, sondern Aussteller wie Microsoft, SAP, IBM und Samsung. Die Halle nennt sich „New Mobility World“, gezeigt werden sollen dort neue Konzepte urbaner Mobilität, etwa das Teiltaxi Moja, das testweise schon in Hamburg unterwegs ist.

          Was auch nicht zu sehen ist, sind knapp bekleidete Hostessen. Schon in früheren Jahren wurden sie von den Herstellern, die sich als Premium oder auch familienfreundlich vermarkten wollen, kaum noch eingesetzt. Doch dieses Jahr stehen zwar wenige junge Frauen neben so manchem Automodell. Die sollen jedoch offenbar eher informieren als dekorieren. Bei Opel etwa tragen sie schlichte weiße Shirts mit dem Firmenloge, bei Skoda Sneaker und Windjacken. Und mancher Rennwagenanbieter hat sie in Rennoveralls gesteckt.

          Von Samstag an für das Publikum geöffnet

          Derzeit ist die Messe nur für Journalisten und Fachbesucher zugänglich, von Samstag bis zum 22. September, jeweils von 9 bis 19 Uhr (am 20. September von 11 bis 21 Uhr), kann auch die Öffentlichkeit in die Hallen. Das Tagesticket für Erwachsene kostet am Wochenende 15 Euro und werktags 13 Euro. (fahe.)

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