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PSA-Chef : Tavares: Opel produziert noch immer viel zu teuer

Vorbild Automatisierung: Roboter montieren Autos in einer Fabrik von Peugeot. Der französische Hersteller gehört zum gleichen Konzern wie Opel. Bild: Bloomberg

Rüsselsheim liegt mit den Kosten noch deutlich über französischen Werken. PSA-Chef Carlos Tavares kritisiert zudem die Regelflut für Autos.

          Der Autohersteller Opel produziert an seinem Stammsitz in Rüsselsheim noch immer viel zu teuer. Die Kosten lägen mindestens 60 Prozent über denen des Werkes im französischen Sochaux, sagte Konzernchef Carlos Tavares auf der Messe IAA in einem Gespräch mit der F.A.Z. Sochaux sei der Kern von Peugeot, es gebe mithin keinen Grund, warum Traditionswerke nicht effizient werden könnten. „Aber das sind gute Nachrichten. Als wir Opel gekauft haben, war der Abstand noch mehr als doppelt so groß. Sie sind also auf dem richtigen Weg. Es bleibt viel zu tun, und manches könnte schneller gehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von PSA Peugeot Citroën, zu dessen Gruppe Opel gehört. Tavares macht eindringlich darauf aufmerksam, dass vor der gesamten Industrie „ein Sturm aufzieht, für den wir uns wetterfest machen müssen“.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die von der EU beschlossene Verringerung des CO2-Ausstoßes von neuen Personenwagen um 37,5 Prozent bis zum Jahr 2030 habe gravierende Auswirkungen, und der PSA-Chef macht kein Hehl daraus, dass er den Wert für überzogen hält. „Das Parlament hat für die EU-Bürger entschieden, dass CO2 um 37,5 Prozent sinken muss. Wir haben dazu eine Meinung, aber wir müssen und werden die Vorgaben erfüllen.“ Nur solle niemand glauben, derlei bleibe folgenlos. „In Europa hängen 13,8 Millionen Arbeitsplätze an der Autoindustrie, dafür trägt die Europäische Union Verantwortung. Fragen Sie die bitte, was sie sich bei ihren Entscheidungen denken“, sagte er. Dafür verantwortlich seien aber natürlich auch die jeweiligen Regierungen, also die Bundeskanzlerin, der französische Präsident oder der italienische Ministerpräsident. Im Übrigen gebe es eine Inflation an Regularien für Autos bezüglich Emissionen, Sicherheit, Assistenzsystemen und Ähnlichem. Diese Inflation sei größer als der Produktivitätsfortschritt. Also müsse die Industrie auch hierfür zusätzliche Kostenmaßnahmen ergreifen.

          Carlos Tavares

          Eine Konsequenz auf der Seite des Antriebs ist die Hinwendung zum Elektroantrieb. Auch Peugeot mit dem 208 E und Opel mit dem Corsa E setzen darauf, beide kosten um 30000 Euro, was viel ist für einen Wagen dieser Klasse. Und trotzdem nicht so einträglich wie bisherige Fahrzeuge. „Mit der Elektromobilität sinken die Margen der Unternehmen. Entweder können wir also den Preis erhöhen oder Restrukturierungen vornehmen, um Verlust zu vermeiden“, sagt Tavares. Das sei keine Drohung, sondern einfache Logik.

          Eine ebensolche Logik greift bei der Frage nach einer möglichen Batteriezellenfabrik am Opel-Standort Kaiserslautern. PSA hat dazu bei der EU-Kommission einen Antrag auf Beihilfe eingereicht. „Wenn wir keine wasserdichte Zusage von der EU bekommen, dass Deutschland und Frankreich Zuschüsse für unsere geplante Batteriefabrik in Kaiserslautern geben dürfen, werden wir sie nicht bauen“, stellt Tavares klar. Ohne Zuschüsse sei der Businessplan tiefrot. „Und wir beschließen keine Verlustprojekte.“ Es gehe um ein signifikantes Investment über mehrere hundert Millionen Euro. Die Produktion sei kapitalintensiv und treffe auf einen wettbewerbsstarken Markt mit geringen Margen. Und falls die Zusage nicht kommt? „Wenn wir dort nicht bauen, kaufen wir von chinesischen Firmen zu. Das ist eine Grundsatzentscheidung von und für Europa, ob eine wettbewerbsfähige Batteriezellenfertigung hierzulande entstehen soll oder nicht.“

          Unterdessen hat PSA seinen Plan, Autos in Iran zu verkaufen, aufgegeben. Ohne Amerika direkt zu erwähnen, sagte Tavares: „Ich möchte nicht, dass einer meiner Manager im Gefängnis landet.“ Dabei gehe es nicht um globale Rechtsregeln, sondern schlicht um das Recht des Stärkeren. Man dürfe da auch und gerade als Europäer nicht naiv sein.

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