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Porsche Vorstand Matthias Müller : „Hinten muss 911 draufstehen. Auf jedem 911er“

Bild: F.A.Z

Für Matthias Müller ist der neue Sportwagen erst der Anfang. Cajun, Pajun, 551 Spyder, 959, mehr Leistung im Diesel - es gibt viel zu tun. Eine gemeinsame Ausfahrt im neuen 911.

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          Matthias Müller macht erst gar keine Anstalten, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. „Auf geht's“, ruft er, öffnet die Fahrertür des neuen Porsche 911 und überlässt uns den Platz neben ihm. Gekonnt das Sakko an den Haken an der B-Säule gehängt, ein Porsche ist schließlich alltags- und bürotauglich, Motor wie gehabt mit links angeworfen, die Schranke an der Ausfahrt des Vorstandsgebäudes öffnet sich, der Sicherheitsdienst grüßt. Ja, hier fährt der Chef noch selbst. Viel Zeit vergeht hier rund um Stuttgart nicht, bis vor dem neuen 911 ein „alter“ auftaucht. Ohne Typenbezeichnung. Wie praktisch, so kann Müller am lebenden Objekt erklären, was ihm wichtig ist.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          „Schauen Sie“, spricht der 1953 in Chemnitz geborene, in Bayern aufgewachsene (man hört das so deutlich wie den Boxer im Heck) und von Audi über Volkswagen ins Schwabenland gekommene Vorstandsvorsitzende, „ich möchte, dass da hinten 911 draufsteht. Auf jedem 911. Das Unternehmen gehe mit solchen Details bislang etwas oberflächlich um. Künftig also wird am Heck eines jeden Sportwagens aus Zuffenhausen der Name Porsche stehen, darunter die Ziffern 911 und die genauere Bezeichnung, Carrera S etwa. Und zwar nicht wie bisher mal in Schwarz, mal in Wagenfarbe, mal in Edelstahl. Sondern immer in Edelstahl Hochglanz. Hinten herrscht dann ein wenig Gedränge, aber Image ist Image. Dabei würde man den 911 wohl auch so als Sportwagenikone erkennen, sogar den neuen, die nunmehr siebte Generation, für die man schon den zweiten Blick braucht. Außer am Heck. Klar schärfer ist es geworden, so scharf, dass Müller junior, beruflich in Diensten des Audi-Designs stehend, beim Besuch des väterlichen Domizils lobende Worte fand. Stark sehe es aus. Müller senior wird später seine Hand über den Kotflügel streichen lassen. „Das ist Kraft.“

          An der Ampel geht tatsächlich der Motor aus

          Vorn, am aufgesetzten Markenemblem, hat er eine Gummidichtung als Trauerrand ausgemacht. Geändert. Jetzt schlummert das Emblem in einer Mulde. Die Fuge der Kofferraumhaube zum Stoßfänger zerfloss im Auge des Betrachters bisher aus flachem Winkel zu einer Welle. Geändert. Jetzt ist eine Lichtkante eingestanzt, der Blick stabilisiert. Und erst die neuen Außenspiegel. Kleinigkeiten im Gesamtkunstwerk. Fahrwerk, Bremsen, Leistungsentfaltung, Verbrauch, alles ist noch einen Tick besser geworden. 11 Millimeter flacher ist er nun und um 56 Millimeter auf 4,49 Meter Länge gewachsen. Vorn geht es sportlich-bequem zu, auf den hinteren Sitzen eng, für Kinder reicht es von Frankfurt bis Paris und zurück, wir haben es mit dem „alten“ ausprobiert. Stauraum für das Louis-Vuitton-Sortiment? Sagen wir, es gibt welchen.

          Matthias Müller und der neue Porsche 911 Carrera S
          Matthias Müller und der neue Porsche 911 Carrera S : Bild: dpa

          Danke an den Treckerfahrer, er hält sich rechts, Müller lässt gleich die ganze Autoschlange dort liegen. Eine Taste in der vom Panamera entliehenen Mittelkonsole öffnet eine Klappe im Auspufftrakt. Herrlicher Sound. Na klar, es gibt einen Sportmodus. 294 kW (400 PS) hat dieser Carrera S. Wie viele Autos haben wir gerade überholt? Für genügsamere Naturen: Der Einstiegs-Carrera liefert 257 kW (350 PS), ist aus dem Stand in 4,6 Sekunden auf hundert und macht erst um 287 km/h Schluss. An der Ampel geht tatsächlich der Motor aus, Start-Stopp, unfassbar. Normverbrauch 8,2 Liter. Noch Fragen? Ja, wie viele Varianten wird es geben? „Vom derzeitigen Modell kenne ich 23. Jede hat ihre saubere Positionierung.“

          Das Ziel heißt Le Mans 2014

          Und diese: Ist Ihnen Power oder Verbrauch wichtiger? „Wo andere in Sportwagen hubraumstarke Achtzylinder eingebaut haben, fahren wir schon ewig einen Sechser-Boxer. Ein Drittel unseres Aufwands für Forschung und Entwicklung stecken wir in nachhaltige Mobilität. Soziale Akzeptanz ist wichtig. Ein Porsche-Besitzer musste sich noch nie dafür rechtfertigen, einen 911 zu fahren. Der neue ist 45 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Rechnen wir die notwendigen Maßnahmen der aktuellen Gesetzgebung ein, ist er sogar mehr als 100 Kilogramm leichter. „Und sparsamer ist er auch geworden“, sagt Müller. Gleichzeitig legt die Fahrdynamik noch mal zu. Die Landstraße führt an einem Bach entlang, die malerische Landschaft fliegt vorbei. Serienmäßig ist das erste Siebengang-Schaltgetriebe verbaut, in unserem sortiert das Doppelkupplungsgetriebe ebenfalls sieben Stufen, vom Vorgang des Wechselns spüren die Insassen fast nichts, der Carrera stürmt voran. Hat der Mann gerade nur eine Hand am Lenkrad? „Walter Röhrl ist auf der Nordschleife 13 Sekunden schneller gewesen als mit dem Vorgänger.“

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