https://www.faz.net/-gy9-9r1zw

Wende zur E-Mobilität : „In Deutschland ist der Strompreis zu hoch“

Lohscheller: Ja, sie werden zum Beispiel in Frankfurt immer wieder Beispiele dafür finden, wo es noch nicht hinhaut. Aber es gibt ja auch genug positive Beispiele, zum Beispiel in den Niederlanden. Da kann man an jeder Ecke laden, warum sollte uns das nicht auch bald gelingen?

Herr Klopp, in Großbritannien sieht das noch nicht so gut aus oder?

Klopp: Nein, das stimmt, aber auf Reisen, zum Beispiel letztes Jahr Asien, genauer in Hongkong, hatte ich auch schon das Gefühl, dass die Elektromobilität dort sehr weit ist.

Ist Opel Mitglied eines der Industrie-Konsortien, die den Ausbau der Ladeinfrastuktur fördern wollen?

Lohscheller: Nein, wir kümmern uns dafür um die Errichtung spezifischer Projekte, zum Beispiel in Rüsselsheim mit 1300 Ladestationen. Da findet man schon viele Plätze zum Aufladen.

Würden Sie sagen, die Strompreise in Deutschland sind zu hoch?

Lohscheller: Ja, in Deutschland ist der Strompreis zu hoch. Die Auswirkungen sieht man sofort im Ländervergleich. In Frankreich zum Beispiel ist der Anteil der Elektrofahrzeuge deutlich höher. Warum? Weil Strompreise niedriger sind. Das gilt auch für die Niederlande. Die Rechnung ist einfach, jeder kann sie nachvollziehen. Auch nach Abzug der staatlichen Förderung beim Kaufpreis bleibt immer noch der im internationalen Vergleich zu hohe Strompreis.

Weil Sie gerade Frankreich erwähnt haben: Opel gehört ja jetzt seit einiger Zeit zu PSA. Sie spielen ja schon immer einen sehr internationalen Teams, vorher mit General Motors in Amerika, jetzt mit Peugeot. Was hat sich verändert?

Lohscheller: Ja, Opel ist sehr international, jeder spricht Englisch, wir haben eine sehr offene, sehr bodenständige Kultur. Wir passen sehr gut zu PSA - und machen inzwischen rund ein Viertel des Konzernumsatzes aus.

Herr Klopp, ein Fußballteam, egal wo, besteht ja auch aus wie vielen Nationen. Um diese Teams zu führen, braucht man bestimmte Qualitäten, besonders dann, wenn es darum geht, sie wirklich gut zu machen. Gibt es da Parallelen zwischen dem Sport und der Wirtschaft?

Klopp: Na klar, aber ich würde es differenziert betrachten. Die Parallelen sind da, aber nicht so groß, wie man glauben könnte. Schauen Sie, Liverpool FC zum Beispiel hat amerikanische Eigentümer, und wir sind sehr glücklich mit ihnen. Sie beachten unsere Traditionen, helfen uns aber auch bei der Weiterentwicklung. Und das Spiel Fußball wird, anders als derzeit die Mobilität, auch nicht mehr neu erfunden.

Naja, wenn man jetzt mal Spiele von vor 30 Jahren im Fernsehen anguckt, da würde ich sagen, hat sich dieser Sport aber schon verändert?

Klopp: Ja, natürlich, die Jungs sind viel fitter als früher, es gibt ganz andere Trainingsmethoden. Aber es ist noch immer dasselbe Spiel.

Letztlich geht es also um die Körner, die man im Tank hat …

Klopp: Völlig richtig, die Ernährung der Sportler ist wichtig. Da hat sich viel verändert. Und da passt dann auch die Parallele zum Auto wieder: Auch da kommt jetzt eine andere Energie rein.

Weitere Themen

Topmeldungen

Eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach wird mit einer Flüssiggasheizung kombiniert.

Nachhaltig Wohnen : Unruhe unter Dämmern

Die Dämmstoffindustrie ist alarmiert. Bauminister rücken von der einseitigen Ausrichtung an der Gebäudedämmung ab. Die Koalitionäre in Berlin sprechen von technologieoffenen Maßnahmen. Ein Paradigmenwechsel steht an.
              Bald in der Luftwaffe? Eine amerikanische F-18 beim Katapultstart vom Flugzeugträger USS Carl Vinson

Nukleare Teilhabe : Poker um den Atom-Bomber

Nach der Einigung im Koalitionsvertrag muss entschieden werden: Sollen amerikanische Bomber oder deutsche Eurofighter in Zukunft die nukleare Teilhabe sichern?
Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.