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Oldtimer auf der IAA : Für Puristen, Liebhaber und Investoren

Der legendäre VW Bully: Auf der IAA werden auch alte Sammlerstücke gezeigt. Bild: Wonge Bergmann

Erstmals werden auf der Automesse auch Oldtimer gezeigt. Während die Besucher staunen und träumen, wollen viele Händler Geschäfte machen. Sind die Sammler und Messebesucher auch in Kauflaune?

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          „Berühren verboten“ – das weiße Schild mit dieser Botschaft liegt unübersehbar auf der Windschutzscheibe des Mercedes 220 Cabriolet, Baujahr 1952. Die Nachricht ist eindeutig: Dieses Auto, frisch restauriert, fein herausgeputzt. Es ist in den Augen seines Besitzers nicht bloß ein Auto, es ist Kunstwerk und Geldanlage zugleich. 225.000 Euro soll es kosten. Ein handgefertigter Koffersatz, so steht es auf einem Schild, ist inklusive. „Na dann geht’s ja“, scherzt ein junger Mann. Sein Freund reagiert nicht auf den Witz. Er findet sichtlich Gefallen an dem Fahrzeug. „Das war noch echte deutsche Wertarbeit, ganz ohne Dieselskandal“, sagt der Besucher der IAA.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Autoschau ist in diesem Jahr eine kontrastreiche Veranstaltung: Hier die Klima-Proteste, dort die ungebrochene Begeisterung für PS-starke Motoren, breite Reifen, Statussymbole. Und während fast alle Autobauer unter dem Leitmotto „Driving tomorrow“ Elektro-Fahrzeuge präsentieren und über die Mobilität der Zukunft diskutieren, frönen in der Halle 4 erstmals Autoliebhaber alten Sammlerstücken, die zugelassen wurden, als die Frage nach Emissionen noch deutlich weniger relevant war, als sie es heute ist.

          Die Motorworld Group, die ihren Sitz im baden-württembergischen Schlemmerhofen hat, ist Veranstalter der erstmals ausgerichteten IAA Heritage-Messe. Auf dieser Sonder-Schau werden mondäne Oldtimer der Premiumklasse, klassische Sportwagen, seltene Sammlerstücke, aber auch Ersatzteile und Zubehör gezeigt und zum Verkauf angeboten werden.

          Ankaufen, restaurieren, verkaufen

          Der Mercedes 220, vor dem die beiden Männer stehen, ist ein echtes Schmuckstück: zwei Türen, sechs Zylinder, Ledersitze und scheinbar perfekte Proportionen. 1278 Exemplare wurden von dem Modell lediglich gebaut, Basispreis waren einst 18.500 Mark. Damals habe man Auto-Ausfahrten noch in Ruhe und Gelassenheit unternommen, sagt der junge Mann zu seinem Kumpel und fragt: „Wann kam es aus der Mode, so zu reisen?“

          Die Halle 4 ist der Gegenentwurf zur eigentlichen IAA, die traditionell von Innovationen, Neuvorstellungen und Zukunftsautos geprägt wird. Das meint auch Omer Delalic. Er sitzt an seinem Stand auf einer schwarzen Couch und grüßt freundlich. Delalic arbeitet für den Autohändler Delalic & Kiefer im hessischen Rodgau. Seit sieben Jahren widmet sich die Firma außer typischen Gebrauchtwagen auch Oldtimern. Ankaufen, restaurieren, verkaufen – so funktioniert das Geschäft.

          Bitte nicht berühren: Zahlreiche Oldtimer werden in diesem Jahr erstmals auf der IAA ausgestellt. Bilderstrecke

          Delalic sagt, die Halle mit den Oldies sei die schönste auf der IAA, weil sie so viele Geschichten zu erzählen habe. So wie jene zweier älterer Männer, die sich dieser Tage einen hellblauen VW Karmann Ghia an seinem Stand genau betrachtet und dann dem Verkäufer erzählt hätten, in jungen Jahren selbst an diesem Auto gewerkelt zu haben. „Die Leute, die sich für Oldtimer interessieren, haben immer einen Bezug zu den Autos“, sagt Delalic. Also: Wenn sie über den Kauf eines alten Wagens nachdenken, haben diese Menschen in der Regel schon sehr viel Wissen über die Modelle gesammelt, „die kennen das Auto meistens besser als ich.“

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