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Cabriolets auf der IAA : Der Himmel ist nicht genug

Falls die Tour durch Sand und Matsch Spuren hinterlässt, greift der Eigner kurzerhand zum Gartenschlauch und spritzt das Vehikel außen wie innen ab. Die Sitze halten das aus, sie sind mit Neopren überzogen, zur Entwässerung ist ein Ablauf im Fußraum vorgesehen. Ohne Türen wie früher geht es in der Moderne offenbar nicht mehr zu, sie sind aus kratzfestem Kunststoff. Sportliche Naturen werden sie einfach geschlossen lassen und mit einem Satz über die Reling springen.

Ein Clou, der es womöglich nicht in die Serienfertigung schaffen wird, ist das aufblasbare Verdeck. Es verwandelt sich auf Wunsch in ein Zelt, und weil die darunter befindlichen Sitze sich zu einer Liegefläche klappen lassen, steht dem Schäferstündchen nichts mehr im Wege. Im Konzeptauto wirkt ein 110-PS-Vierzylinder-Benziner. Mal sehen, ob es so auf die Welt kommt. Zuzutrauen ist es den Franzosen, sie sind der Meinung, ihr Einfallsreichtum sei eigentlich grenzenlos.

Nach 44 Jahren öffnet Mercedes wieder einen großen Wagen

Schon sicher ist indes die Marktpremiere des Mercedes-Benz-S-Klasse-Cabriolets im Frühjahr 2016. Nach 44 Jahren der Abstinenz öffnen die Stuttgarter wieder einen großen Wagen. Die fünf Meter lange, offene S-Klasse ist natürlich mit allen technischen Hilfsmitteln versehen, die der Sicherheit dienen. Und weil es im Cabriolet nur dort ziehen soll, wo der Wind nicht stört, halten eine speziell abgestimmte Klimaanlage und Nackenföhn behaglich warm.

Das im Kofferabteil unsichtbar verschwindende Stoffverdeck lässt sich bis 60km/h elektrisch bedienen, der Vorgang nimmt rund 20Sekunden in Anspruch. Geschlossen werden besonders niedrige Windgeräusche versprochen, Mercedes-Benz hat von der Türdichtung bis zur Schottwand ziemlich viel investiert, um Lärm draußen und Vergnügen drinnen zu halten. Für Vortrieb sorgt im S500 ein 4,7-Liter-V8 mit 455 PS und 9-Gang-Automatik, der nach Norm 8,5 Liter Super verbraucht.

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Wem das nicht genügt, der greift zum S63 AMG mit Allradantrieb und dem 5,5-Liter-Biturbo-Achtzylinder mit seinen 585PS und brachialen 900 Newtonmeter Drehmoment. Der beschleunigt in 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Spitzengeschwindigkeiten um 250 km/h sind kein Problem, aber auch kein Ziel, denn die Entdeckung der Langsamkeit wird hier auf eine Spitze getrieben, die es sonst nur aus britischen Gefilden gibt. Zum Preis sagt Mercedes-Benz noch nichts, wer grob 130000 Euro zuzüglich Nebenkosten ins Auge fasst, wird nicht allzu falsch liegen.

Deutlich günstiger und deutlich öfter gibt es das Golf Cabriolet, das Volkswagen so dezent überarbeitet, dass es die Kundschaft kaum merken dürfte. Noch immer auf dem geschlossen längst verblichenen Vorgänger aufbauend, fährt der abermals erfrischte Bestseller mit Retuschen an Front- und Heckschürze sowie an den Seitenschwellern vor. Im Sinne neuer Fröhlichkeit werden sechs frische Karosseriefarben dargereicht, es gibt Heidelbeerblau oder Walnuss oder Honey Orange. Und das Stoffdach ist nicht mehr nur schwarz oder dunkelblau, sondern auf Wunsch ein Rotkäppchen. Am Preis dreht VW nicht, der offene Golf startet im November pünktlich zur Wintersaison unverändert mit 25100 Euro.

Gegensätze: Smart Cabrio und Rolls-Royce Dawn

Zwei Nummern kleiner geht es im Smart zu, der nun auch wieder um eine geöffnete Version ergänzt wird. Sie wirkt oben herum etwas filigraner als der geschlossene Bruder. Das in Rot, Schwarz oder Blau lieferbare Stoffverdeck verschiebt wie gehabt zwischen den beiden herausnehmbaren Dachholmen. Es legt sich mitsamt seiner beheizbaren Heckscheibe hinten ab, die Verwandlungskunst gelingt auch während der Fahrt.

Allerdings bleiben die hinteren Seitenscheiben stehen. Sie sind dem Bestreben nach Steifigkeit sicher ebenso zuträglich wie die Stahlträger im Boden. Als Antriebsquelle stehen zwei Dreizylinder mit 70 oder 90 PS zur Verfügung, die nun nicht gerade Bäume ausreißen, aber zum Bummeln in deren Schatten ausreichen dürften. Los geht’s im Frühjahr 2016.

Das ganze Gegenteil vom Smart ist der Rolls-Royce Dawn. Mit ihm reist der Lord im Morgengrauen davon, wissend um V12-Zylinder, 6,6 Liter Hubraum, 571 PS und ein maximales Drehmoment von 780 Newtonmeter. Schöner war wohl noch kein offener Rolls. Rund 330000 Euro beträgt der Basispreis. Oder 13 neue, offene Golf. Wenn das kein Glück bringt.

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