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IAA : Merkel nimmt Autoindustrie in Schutz

Angela Merkel auf der IAA Bild: Lucas Bäuml

Die Kanzlerin zeigt in ihrer Eröffnungsrede zur IAA viel Verständnis für die Autoindustrie. Grünen-Chef Robert Habeck pocht derweil auf ein grundlegendes Umsteuern: Die Autoindustrie brauche einen „kräftigen Anschubser“.

          In Ihrer traditionellen Eröffnungsrede zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel viel Verständnis für die Herausforderungen der Industrie gezeigt. Kritische Töne blieben trotz gesellschaftlicher Klimadebatten dabei selten. „Wir wissen, die Welt schläft nicht“, sagte sie mit Blick auf neue Technologien und ihre kürzliche Reise nach China. Die Automobilbranche stünde vor großen Umbrüchen. Sie glaube allerdings, dass man es schaffen könne, „als Deutschland vorne dabei zu sein, aber es ist nicht naturgegeben“, mahnte sie. Es bedürfe zusätzlicher Anstrengung. „Globalisierung hin und her“, sie wünsche sich, „dass die deutsche Industrie wieder führend wird“, sagte sie.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Während für die kommenden Tage massive Proteste von Klimaschützern und Aktivisten vor den Messehallen angekündigt sind, und auch in der Politik nach einem Unfall mit einem SUV vor einigen Tagen in Berlin zunehmend eine hitzige Debatte über Verbote und Einschränkungen solcher sportlicher Geländewagen geführt wird, fand Merkel in Frankfurt am Donnerstag wenig kritische Worte. Sie sprach lediglich von Abschalteinrichtungen, die viel Vertrauen gekostet hätten.

          Für die Bundeskanzlerin geht es nun darum, die Technologien auch voranzubringen. Nach heutiger Einschätzung sei die Elektromobilität die Technologie, die ausgerollt werde. „Aber wir müssen technologieoffen sein“, sagte sie mit Blick auf alternative Antriebe mit Wasserstoff. Zwei Antriebe parallel auszurollen, sei „nicht so einfach“, aber dennoch müsse man auch bei der Entwicklung des Wasserstoffantriebs dabeibleiben.

          Während VW-Chef Herbert Diess der Kanzlerin den VW-Stand zeigte, stiegen mehrere junge Leute auf Auto-Dächer und entfalteten gelbe Transparente der Umweltorgansiation Greenpeace: : „Frau Merkel, glauben Sie nicht den Lügen der Autoindustrie“, rief eine junge Frau.

          VW-Chef Herbert Diess hatte mit der Präsentation des ID.3, des ersten voll elektrischen Modells einer ganzen Familie von E-Autos, die Elektromobilität als alternativlos erklärt. Andere Industrievertreter, darunter BMW-Chef Oliver Zipse und Elmar Degenhart, der Chef des Autozulieferers Continental, sahen das allerdings ganz anders.

          Der Ausbau der Ladeinfrastruktur sei „von größter Bedeutung“, sagte Merkel weiter. Die derzeitigen 20.000 Punkte hierzulande seien lange nicht ausreichend. „Es ist eine wesentliche Aufgabe, die wir auch politisch angehen“, sagte sie. Dafür gebe es allerdings noch keine Blaupause, die besage, wie viel der Verantwortung der Politik und der Industrie obliege. Die Autoindustrie hat hingegen immer wieder die Verantwortung der Politik angemahnt, nun da die Industrie zunehmen die Elektro-Modelle auf den Markt bringt. 

          Angela Merkel am Porsche-Stand: Dort erklärte ihre Porsche-Chef Oliver Blume, dass Produktion und Bestellungen des Vorzeige-Elektromodells Taycan sich auf jeweils 30.000 Stück beliefen. "Also ein Jahr  Wartezeit", folgerte Merkel. Als Blume antwortete: "Wir machen's exklusiv", lehnte sie dankend ab: „Ok. Ich hatte nicht vor, einen zu kaufen.“

          Die CO2-Reduktion sei eine „Herkulesaufgabe“, sagte Merkel in ihrer Rede. In den Vorbereitungen zum Klimakabinett am 20. September habe man sich angeschaut, mit welcher Summe an Geld man eine Tonne C02 einsparen könne. „Da sieht man, über die Bepreisung kann man es relativ einfach machen“, sagte sie. In der Industrie koste derzeit eine Tonne CO2 über Zertifikate 30 Euro. „Wenn wir Förderprogramme oder Incentives auflegen wollen, sind wir sehr schnell bei 500 oder 1000 Euro“, sagte sie weiter.

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