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Konzeptautos auf der IAA : Den Bogen in die Zukunft schlagen

Das Coupé der Mercedes-Benz S-Klasse Bild: dpa

Die IAA weist über den Tag hinaus. Mit Konzeptautos testet die Industrie, ob sie den Geschmack der Kundschaft trifft. Mut und Eleganz sind dabei allzeit gute Begleiter.

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          Das Beste oder nichts: Mercedes-Benz will nach diesem Motto leben und belegt traditionell die Festhalle am Haupteingang der IAA. 2013 hat man nicht ganz so aufwendig umgebaut, eines der Highlights der Messe steht gleich unten: das „Concept S Class Coupé“. Auf diese Variante der neuen S-Klasse mit diesen aufregenden Formen freuen wir uns schon jetzt. Und hoffentlich kommt der Zweitürer auch mit der Plug-in-Hybrid-Technik, die ebenfalls auf der IAA vorgestellt wird (im S 500). Bei den Kollegen von Audi stehen gleich zwei Studien: der exaltierte Nubuk, ein SUV-Coupé, sowie das Audi Sport Quattro Concept. Es ist eine Reminiszenz an den Ur-Quattro von 1980, und der Gedanke, er könnte gebaut werden, ist nicht abwegig.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das trifft auf den Nanuk wohl eher nicht zu, und auch der Opel Monza, der mit seinen Flügeltüren so mächtig Wind macht, wird leider nie in größerer Zahl die Straßen bevölkern. Es geht um die Signale, die gesetzt werden. Der Monza ist komplett vernetzt und bietet alle modernen Möglichkeiten der Kommunikation, als Antrieb hat er eine Elektromaschine, die von einem kleinen Dreizylinder-Gasmotor unterstützt wird. Das Antriebskonzept soll eine Weiterentwicklung der aus dem Ampera bekannten Technik sein. Den Einliter-Turbomotor gibt es in einer Benzinervariante demnächst in Opel-Modellen zu kaufen. Damit ist Opel dann endlich wieder à jour.

          BMW als Vorreiter

          BMW gibt sich dagegen schon lange als Vorreiter, der BMW i3 ist ein mutiger Schritt, es wird sich zeigen, ob genügend Kunden bereit sind, 35 000 Euro und mehr für ein Elektrofahrzeug auszugeben. Der ebenfalls elektrisch betriebene i8 versucht sich im Segment der Sportwagen. Er ist auf der IAA zum ersten Mal als Serienfahrzeug zu sehen, zur 2009 gezeigten Studie hat sich glücklicherweise nicht viel verändert. 126 000 Euro wird der Sportwagen kosten, der schon zum Jäger des Porsche 911 ausgerufen wurde. Der i8 (wird zusammen mit dem i3 auf einer Linie gebaut) kann 35 Kilometer rein elektrisch fahren, Marktpremiere ist im Frühjahr 2014.

          Ein neuer, aufgeladener Dreizylindermotor im Heck holt aus 1,5 Liter Hubraum 231 PS (170 kW). Zusammen mit der E-Maschine vorn werden 362 PS (266 kW) geboten. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h limitiert. Etwas irdischer geht es bei Ford zu, obgleich auch die Kölner rassigeren Linien zugetan sind. Wer einen klassischen Van (das Segment schrumpft rapide) möchte, greift zum Galaxy. Wer es sportlicher will, nimmt den nächsten S-Max. Das Konzeptauto weist den Weg, es steht noch schnittiger im Wind als der bisherige S-Max.

          Der teilelektrische BMW i8 kommt 2014 für 126.000 Euro Bilderstrecke
          Der teilelektrische BMW i8 kommt 2014 für 126.000 Euro :

          Einen noch tiefgreifenderen Wandel schlägt Renault an. Der neue Espace, der vermutlich Ende 2014 in den Verkauf geht, nimmt kräftige Anleihen an Crossover-Modellen und am französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV. Die in Frankfurt gezeigte Studie Initiale Paris ist nah am Serienmodell. Das Auto ist so lang wie derzeit der Grand Espace, also knapp 4,90 Meter. Die sind in Pariser Innenstadtparkhäusern eigentlich nicht unterzubringen, vielleicht liefert Renault einen elektrischen Twizy gleich mit. Aus Gründen der Aerodynamik ist der neue Espace flacher, die Seitenlinie endet in einem kecken Knick, die Unterschiede zum jetzigen Modell sind frappierend.

          „Ich habe den Eindruck, unsere Vans sind platonisch geworden. Ich will wieder etwas Aufregendes in unsere Autos bringen“, sagt der in Beziehungen denkende Designchef Laurens van den Acker. Innen schwebt die mächtige Konsole, die Bedienelemente sind auf einen Touchscreen reduziert, die Geschwindigkeitsanzeige wandert von der Mitte hinter das Lenkrad. Es wird ihn als Fünf- und Siebensitzer geben, und die hinteren Sitze müssen nicht mehr ausgebaut werden, falls man mal Teile des Eiffelturms transportieren möchte. Der neue Espace repräsentiert die Oberklasse von Renault und soll auch Märkte außerhalb Europas erschließen.

          Neuland betritt auch Jaguar. Die Sportwagenmarke krempelt Image und Portfolio um. Bis zum Jahr 2015 soll ein Konkurrent zum 3er BMW und zur Mercedes-Benz C-Klasse fertig sein, mit Hinterradantrieb, gefertigt nahezu vollständig aus Aluminium. Das hat sich zuvor noch niemand getraut. Außerdem ist ein Geländewagen im Anmarsch, der im Konzept (und auch in mancher Karosserielinie) an den Porsche Cayenne erinnert. Könnte der Jaguar an den Erfolg des Porsche anknüpfen, wäre das den Briten sicherlich recht. Das in Frankfurt ausgestellte Konzeptauto macht Lust auf die Serie, und auch ein Blick in den Innenraum lohnt: Knöpfe sind allerorten auf dem Rückzug, ohne berührungsempfindliche Bildschirme mit nach Wunsch konfigurierbaren Inhalten ist ein Cockpit der Zukunft nicht mehr vorstellbar.

          Wie eine Kooperation über Kontinente wirkt, zeigt der Infiniti Q30. Er entspringt der Zweckgemeinschaft von Daimler und Renault-Nissan, nutzt die Architektur des in Frankfurt neu vorgestellten Mercedes-Benz GLA und kommt 2015 mit dessen Antriebskomponenten auf den Markt. Auch Volvo wirft den Blick voraus, im wahren Sinne des Wortes. Das Konzeptauto, obgleich ein Coupé, trägt die Front des nächsten Geländewagens XC 90. Selbstredend werden alle anderen künftigen Volvo ebenfalls Elemente der Frankfurter Studie tragen, der Wechsel auf die Zukunft scheint gut gedeckt zu sein. Unter der Haube sind die Schweden indes auf dem Rückzug, die Fünf- und Sechszylindermotoren sterben einen leisen Tod. Es muss einem nicht alles an der Zukunft gefallen, aber ohne Drei- und Vierzylinder samt Hybridvariante geht ja bei keinem Hersteller mehr etwas voran.

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