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Kleinstwagen : Die lieben Kleinen

  • -Aktualisiert am

Sommer, Sonne, Cactus: Die neue Studie ist weniger gewagt Bild: AFP

In der Welt der kleinen Autos überrascht Smart plötzlich mit einem Viersitzer. Citroën stellt den Cactus vor - das komprimierte Ergebnis eines großangelegten Denkprozesses zur Zukunft des Autos.

          3 Min.

          Im Reich der Sukkulenten hat sich Citroën für den Namen eines ungewöhnlichen Concept Cars bedient: Der Cactus ist die neu angedachte Fortsetzung einer gleichnamigen Studie auf der Ausstellung 2007 in Frankfurt. Damals war Cactus ein formales Spektakel mit aktionistischem Design. Im Jahr 2013 ist das Unikat eher eine intelligente Neuinterpretation des Autos als individuelles und vor allem aggressionsfreies Mittel zur Mobilität. Es ist gedacht für Gesellschaftsschichten, die mit ihren Autos jenseits von Repräsentieren und Prestige leben wollen.

          Und idealerweise für Menschen, die das Erlebnis des Beschleunigens mit 500 PS hinter sich haben. Der überhaupt nicht stachelig und abwehrend gestaltete Cactus kommt mit zwei Botschaften: Er soll eine Ahnung vom künftigen Auftritt der C-Linie von Citroën geben, gleichzeitig ist er das komprimierte Ergebnis eines großangelegten Denkprozesses zur Zukunft des Autos. Aber es geht dabei in erster Linie nicht um futuristische Technologie oder radikale Nachhaltigkeit. Zum Ausdruck soll die Konzentration auf das Fahren und den dabei womöglich zu kreierenden Genuss kommen.

          Schaustück: Der Smart Fourjoy muss ohne Türen auskommen

          Der Cactus fährt auf der Wunschliste von überzeugten Epikureern, die statt Bodybuilding noch gezielt und in nicht übertriebener Form ruhigen Leibesübungen nachgehen, um später zu Tisch für andere Herausforderungen bereit zu sein. So ist der Cactus mehr zur Sinnesfreude gedacht. Und an Bord hat er alles, was wichtig ist und benötigt wird. Aber auch nicht viel mehr. Es ist die beabsichtigte Kargheit einer Nachdenklichkeit über die Funktion eines aggressionsfreien Autos. Die Bedienung ist auf zwei Touchscreens untergebracht, Schalter und Tasten sucht man vergeblich.

          Die Designer haben mit ihrem Styling-Chef Alexandre Malval ein Objekt aufgelegt, das in erster Linie mit seiner ungekünstelten Einfachheit beeindruckt: Der Abstand zwischen den Achsen ist reichlich, die Räder stehen in den äußersten Ecken mit kurzen Überhängen, zusammen wird damit ein solide geerdetes Auto geboten. Dann ein relativ hoher Bug mit rundlichen Kanten an den Seiten, er geht ohne Auffälligkeiten in die nicht zu schräg liegende Windschutzscheibe über, die hohe Gürtellinie betont den niedrigen Dachaufsatz, auf einen Pfosten in der Mitte wurde verzichtet.

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          Die C-Säule ist stark nach vorne geneigt und sorgt so für einen Hauch von keineswegs übertriebener Dynamik, und sie gibt dem Cactus die Anmutung eines ruhigen Coupés. In der Summe wirkt der Cactus wie die Leitfigur einer Blumenkinder-Demo an einem warmen Sommerabend am Strand. Für den Einsatz im Dickicht der Städte ist der Cactus rundum mit Prallflächen geschützt, denen man zutraut, dass sie schon mal einen Knuff ohne Totalschaden wegstecken können.

          Dass die Citroën-Studie nicht als verkappter Sportwagen gedacht ist, zeigt vor allem das betont freundlich und ohne die übliche Forschheit gestaltete Interieur. Auf einer Länge von 4,21 Meter gibt es bei einer Breite von 1,75 Meter reichlich Raum für vier oder fünf Personen, die sich in der Lounge eines kleinen Hotels wähnen. Der Komfort-Clou dabei: Vorne ist eine Sitzbank installiert, die an die kommode Vergangenheit in der einstigen Citroën-Göttin erinnert. Bei Citroën denkt man daran, diese aus zwei separat verstellbaren, aber miteinander verbundenen Sitzen komponierte Frontbank in die Serienversion zu übernehmen.

          Kaum weniger scharf denkt Smart über die Zukunft des Kleinwagens nach. Und das dauert. In Frankfurt steht abermals eine Studie, die jetzt aber mit Form und Format richtungsweisend sein soll - obwohl das Messemodell „Fourjoy“ stolze 3,50 Meter misst und den aktuellen Fortwo um 80 Zentimeter überragt. Denn das U hat sich mit Absicht in den Namen gemogelt, und das „Four“ steht für die vier Sitze, mit denen der Wagen die Smart-Gemeinde überraschen soll - und deshalb für die IAA auch noch auf Türen verzichtet.

          Mit dieser zusätzlichen Modellvariante will Smart das Volumen ausweiten und endlich den Auftrag des Vorstands erfüllen: „Geld verdienen“, sagte Vertriebschef Martin Hülder vor der Messe. Dafür haben sich die Schwaben bekanntlich auf ein Wagnis eingelassen und einen Kooperationspartner gesucht.

          Der Forfour von Smart soll 2014 in Serie gehen

          Die gesamte neue Smart-Palette entsteht gemeinsam mit Renault, wo auf der gleichen Basis der nächste Twingo gebaut wird. „Aber wir werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen“, verspricht Hülder mit Blick auf den letzten Viersitzer aus einer Partnerschaft mit Mitsubishi.

          „Wir haben auf einem weißen Blatt begonnen und in dem gemeinsamen Projekt all das durchgesetzt, was für uns einen Smart ausmacht“, beteuert der Smart-Mann und meint damit vor allem den Heckmotor. Nur damit ließen sich die kompakten Abmessungen, der große Radstand und das überdurchschnittliche Platzangebot umsetzen. Hülder glaubt deshalb, dass der neue Forfour ein waschechter Smart wird. Die Serienproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2014 beginnen.

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