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Interview mit VDA-Präsidenten : „Die Schnellen besiegen die Langsamen“

Messe-Botschafter: Matthias Wissmann, seit acht Jahren VDA-Präsident. Bild: Fabian Fiechter

Die deutsche Autoindustrie muss sich nicht vor Google und Apple fürchten. Cheflobbyist Matthias Wissmann hält auch Partnerschaften für denkbar – aber nur auf Augenhöhe.

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          Herr Wissmann, seit 129 Jahren fahren Autos mit Verbrennungsmotoren. Ist es nicht längst Zeit, dass sich die Industrie neu erfindet?

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Da sind wir mittendrin. Die Automobilindustrie erlebt in vielen Bereichen eine spannende Evolution. Einerseits die Entwicklung alternativer Antriebe, da haben wir in den letzten Jahren schon Entscheidendes erreicht. Andererseits die Digitalisierung. Mit rasanter Geschwindigkeit treiben wir die Vernetzung der Autos und automatisierte Fahrfunktionen voran. Das teilautomatisierte Fahren, mit Brems- und Spurhalteassistent, ist heute schon Realität. Dabei wird der Fahrer unterstützt, aber er ist weiterhin der „Chef“. Die nächsten Stufen, das hoch- und vollautomatisierte Fahren, brauchen noch etwas Zeit.

          Elektroautos, selbstfahrende Autos, was ist auf der IAA davon zu sehen?

          Bei vielen Herstellern und großen Zulieferern sieht der Besucher, in welchem Umfang elektronische und digitale Systeme Eingang in das Auto finden, was sie an Sicherheit und Effizienzverbesserung bringen. Und Beispiele zeigen, wie Autos selbständig einparken oder vor Hindernissen bremsen.

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          Der amerikanische Elektropionier Tesla ist in aller Munde, bei den selbstfahrenden Autos denken viele zuerst an Google und Apple. Wo sind die Deutschen?

          Wir müssen zwischen Markt und Marketing unterscheiden. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas Anfang des Jahres waren Modelle deutscher Hersteller die Messe-Stars. Insofern täuscht der Eindruck hierzulande, die Amerikaner seien führend. Keine Frage: Die deutschen Premiumhersteller sind die Pioniere beim vernetzten und automatisierten Fahren. Und auch bei der E-Mobilität sind wir an die Spitze gefahren: So haben die deutschen Hersteller bis Ende des Jahres 29 Serienmodelle von Elektroautos im Angebot, schon heute sind es über 20.

          Wie sieht die Autowelt in zehn Jahren aus?

          Vernetzt und vielfach auch elektrisch. Viele Fahrzeuge werden hoch automatisiert sein. Das macht das Fahren noch effizienter, sicherer und auch komfortabler. Ein Beispiel: Ein vollautomatisiertes Auto kann dann vom seinem Fahrer per Handy ins Parkhaus etwa am Münchner Flughafen gesteuert werden. Bei der Rückkehr wird das Auto dann alleine wieder vorfahren.

          Und das wird das Google-Auto sein.

          Derzeit sieht es nicht danach aus: Die deutschen Unternehmen investieren massiv in Forschung und Entwicklung. Allein in den kommenden drei bis vier Jahren 16 bis 18 Milliarden Euro. Momentan sind wir Vorreiter, das zeigt auch der jüngst erschienene Index zu automatisierten Fahrzeugen von Roland Berger und der RWTH Aachen. Aber richtig ist auch, dass die IT-Unternehmen Geschäftsmodelle rund die „Plattform Auto“ suchen. Die Internetkonzerne wissen, dass auch ihre Welt auf die Zukunft des Automobils angewiesen ist. Und die Automobilindustrie weiß, dass Smartphone und Auto künftig zusammengehören.

          Werden die amerikanischen Internetriesen die deutsche Autoindustrie ins Wanken bringen?

          Es gilt der Grundsatz: Die Schnellen besiegen die Langsamen, nicht die Großen die Kleinen. Gewinnen wird derjenige, der das Gesamtsystem Automobil am besten beherrscht und an der Spitze der Innovation steht. Über hundert Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von Autos sind gute Voraussetzungen, um auch künftig im „driver’s seat“ zu bleiben.

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