https://www.faz.net/-gy9-6qz0p

IAA Messerundgang : Zwischen Bescheidenheit und Prunk

Bild: F.A.Z.

In Frankfurt darf sich die Autobranche wieder feiern. Einige tun das mit Nachdruck, andere sind eher bescheiden in ihrem Auftritt. Ein Messerundgang.

          Beginnen wir bei Daimler. Wer über den Haupteingang auf die Messe kommt, für den ist die altehrwürdige Festhalle der erste Anlaufpunkt. Die Stuttgarter belegen die Halle schon seit Jahren und bauen sie im Inneren so um, dass von der historischen Atmosphäre des 103 Jahre alten Kuppelbaus nichts zu spüren ist. 70 Tage dauerte die Verwandlung, 1500 Menschen waren damit beschäftigt. Nachdem man bei Smart vorbeigeschaut hat, begrüßt die Studie F 125 den Auto-Hungrigen, unweit davon steht hinter Glas der erste Benz, mit dem 1886 alles begann.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Rolltreppen führen hinauf, zwischen den beiden Treppen schmücken Modellautos aus den verschiedenen Epochen den Aufgang. Das Jahr 1997 symbolisiert ein Plüsch-Elch. So viel Selbstironie hätten wir den Daimlers gar nicht zugetraut. Oben angekommen, wird es ernst. Fast 100 Fahrzeuge sind zu sehen, es wird ein Hallenplan verteilt, damit man die Übersicht behält. Wichtig, neu und in den vergangenen Ausgaben von „Technik und Motor“ schon ausführlich vorgestellt (wie alle IAA-Neuheiten) sind die B-Klasse, die M-Klasse, besagter F 125, der Smart Forvision und der elektrische Smart, den es bald regulär zu kaufen gibt. Die 2002 wiederbelebte und wenig erfolgreiche Luxusmarke Maybach wird noch mitgeschleppt.

          Nachdem man 11.500 Quadratmeter (das sind 44 Tennisplätze) hinter sich hat, bietet sich ein Besuch bei Audi an. Die feine VW-Tochter ist von zu Hause ausgezogen (der Halle 3.0) und hat auf dem großen Freigelände zwischen Festhalle den Gebäuden 3, 4 und 5 eine Art riesiges Ufo errichtet, um mit den singulären Auftritten von BMW und Daimler/Mercedes-Benz gleichzuziehen. Wie bei BMW flitzen Autos durch die Halle, und man kann sogar mitfahren. Mit 4500 Quadratmeter Ausstellungsfläche bleibt Audi jedoch hinter den Vorbildern aus Stuttgart zurück, und übersichtlich ist der „Audi Ring“ auch nicht. Das fängt schon damit an, dass man den Eingang suchen muss (gegenüber Halle 3.0). Mit der A2-Studie, den beiden „Kabinenrollern“ Urban Concept (offen und geschlossen), dem A1 e-tron sowie weiteren Neuheiten aus dem Serienbau bietet Audi ein dem Auftritt angemessenes Neuheiten-Potpourri, dem die große Mutter nebenan in Halle 3.0 aber nicht nachsteht.

          Tummelplatz IAA: Der Opel Rak E ist eine von drei Studien, die das Thema Kabinenroller wiederbeleben

          Eine große Fläche bleibt leer

          Hier, in der modernsten und größten Messehalle schart VW seine Küken Seat, Skoda, Lamborghini, Porsche (neuer Elfer), Bentley und Bugatti um sich und zeigt auf dem eigenen Stand mit etlichen Variationen zum Kleinwagen Up, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommt, endlich wieder einen wahren Volkswagen. 9850 Euro wird das in Bratislava gebaute Wägelchen mindestens kosten, echte Überraschungen sind der Up als Buggy (Bild) sowie als luxuriöse und gleichfalls offene Giugiaro-Variante. Letzterer sei eine Spielerei, hieß es, dagegen habe der Buggy wohl gute Chancen, in Serie zu gehen. Das dürfte auch der viertürige Cross-Up schaffen. Der kleine Nils, der im unmittelbaren Vergleich mit den beiden Audis und dem Opel-Rak E ein wenig zerbrechlich wirkt, dürfte so, wie er da steht, kaum in Serie gehen. Ende des Jahres wird der neue VW Beetle endlich bei den Händlern sein, der mit seinen schärferen Linien schon viele neue Freunde gefunden hat.

          Die zweite Ebene der Halle (3.1) hat durch den Auszug von Volvo und Ford (jetzt beide in Halle 9) deutlich verloren. Da de Tomaso und ein weiterer Kleinserienhersteller kurz vor der Messe zurückgezogen hatten, bleibt eine große Fläche leer. Suzuki, Renault/Dacia, Mazda, Kia und Infiniti wirken etwas verloren im weitläufigen Umfeld der 3.1.

          Die BMWs ziehen ihre Bahnen

          Klein und eng geht es dagegen in den Hallen 6 und 5 zu. Die 6 ist für Mamma Fiat nebst Familie sowie Hyundai reserviert. Jaguar/Land Rover, Aston Martin und andere Exoten wie Brabus, Wiesmann, Fisker, Artega und Lotus machen sich in der Halle 5 breit. Nicht versäumen sollte man die Halle 6.1. Gleich neben Maserati (die Geländewagen-Studie Kubang ist eine weitere Überraschung) geht es eine Rolltreppe hoch, oben wartet ein Porsche-Cayenne-Verschnitt auf Bewunderer. Eterniti heißt die Marke, Hemera das Auto. Montiert werden soll die „Göttin des Tages“ in London auf Basis des Cayenne, dahinter stecke ein Investoren-Konsortium, das nicht in die Öffentlichkeit möchte. Wir verstehen.

          Gleich nebendran steht die Studie ë, die einen wesentlich besseren Platz verdient hätte. Ihre beiden großen Schiebetüren gehen nach hinten weg und bilden geöffnet eine Art Dachspoiler. Vielleicht hört man noch mehr von diesem Projekt aus Russland.

          Die chinesischen Hersteller trauen sich nach wie vor nicht auf die IAA, sie haben genug damit zu tun, ihren Heimatmarkt zu versorgen. Die Ausnahme Changan ist ebenfalls in 6.1 zu sehen und hat gleich vier Autos dabei. Das Publikum wird sich aber mehr für die kleine Sonderschau „125 Jahre Automobil“ auf dieser Ebene interessieren.

          Das IAA-Engagement von Opel (Halle 8) oder Ford ist im Vergleich zum VW-Konzern mehr als bescheiden. Opel hat zwar drei neue Autos (Zafira Tourer, Astra GTC und Combo) sowie die Studie Rak E dabei, doch die Größe des Standes kommt bei weitem nicht an VW heran. Noch zurückhaltender ist Ford: Relativ kleiner Stand und mit der Studie Evos nur ein richtiger Hingucker. Da gönnt man sich doch zum Abschluss BMW: Eigene Halle (11), zusammen mit Töchterchen Mini und Tochter Rolls-Royce. Die BMWs ziehen ihre Bahnen, der neue 1er und der i3 sowie der i8 machen Lust aufs elektrische Auto. Und statt auf Schmalspur-Autos wie bei Audi, Opel und VW setzt man konsequent aufs Zweirad.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angriff auf Eritreer : Opfer wegen der Hautfarbe

          Der Schütze von Wächtersbach handelte aus rassistischen Motiven. Der niedergeschossene Eritreer war laut den Ermittlern ein Zufallsopfer. Ein Abschiedsbrief liefert ein weiteres Detail zur Tat.
          Blick ins Zwischenlager in Gorleben (Bild aus 2011)

          Atommüll-Entsorgung : So arbeitet Deutschlands erster Staatsfonds

          Wie kann man heute 24,1 Milliarden Euro anlegen? Die Antwort muss die Stiftung geben, die zur Finanzierung der Atommüll-Entsorgung gegründet wurde. Jetzt soll erstmals ein Gewinn zu Buche stehen.
          Außenminister: Jean-Yves Le Drian (links) und Heiko Maas (rechts)

          Regierungsbeschluss : Berlin will vorerst keine Schiffe an den Golf schicken

          Außenminister Heiko Maas will sich der Strategie Amerikas nicht anschließen. Da ist er sich mit seinem englischen und französischen Amtskollegen einig. Stattdessen sieht er die Anrainer in der Pflicht.
          Winfried – Markus, Markus – Winfried: Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Kretschmann und Söder, in Meersburg

          FAZ Plus Artikel: Bayern und Baden-Württemberg : Auf der Südschiene

          Markus Söder und Winfried Kretschmann bemühen sich um Nähe zueinander. Der eine will umweltfreundlicher wirken, der andere ein wenig konservativer. Und beide sind sich einig, dass Deutschland einen starken Süden braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.