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IAA-Eröffnung : Freudloser Gang durch die Messehallen

  • -Aktualisiert am

Merkels Versprechen: „Wir werden, so weit wir können, hilfreich zur Seite stehen” Bild: REUTERS

Die Kanzlerin eröffnet die IAA. Doch den traditionellen Rundgang durch die Messehallen absolviert sie ohne erkennbare Freude.

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          Bei BMW lässt sie sich kurz auf dem Beifahrersitz des Elektrowagens i3 nieder und lobt das gute Sitzgefühl. „Hübsch“, entgegnet sie trocken Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes, als der ihr die spektakulär aussehende Sportwagen-Studie „Evos“ vorstellt – ein rotes Auto mit Flügeltüren, das mit modernster Informationstechnik diverse Dienste aus der Datenwolke im Internet nutzt. Am Bosch-Stand überbringt Vorstandschef Franz Fehrenbach der Bundeskanzlerin seine Forderungen an die Politik persönlich. Er berichtet über den schwierigen Zugang zu den für die Elektromobilität dringend benötigten seltenen Erden. „Dafür brauchen wir die Politik.“ Merkel verspricht: „Wir werden, so weit wir können, hilfreich zur Seite stehen.“

          Den traditionellen Rundgang durch die Messehallen der IAA in Frankfurt absolviert Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag wie schon beim vorigen Mal ohne erkennbare Freude daran. Sie bekräftigt unterwegs aber das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. „Wenn Sie sich anstrengen und wir auch, dann können wir das schaffen“, sagt sie zu Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke. Doch dann scheint das Elektro-Konzeptauto „Rak-e“ für junge Leute – ein schmaler, fast einem Motorrad ähnelnder Stadtwagen – wirklich Merkels Interesse zu wecken. „Was ist denn das hier?“, fragt sie überrascht. Bei Audi erkundigt sich Merkel dann, ob man ihren Dienstwagen nicht elektrifizieren könne, doch Firmenchef Rupert Stadler muss die Kanzlerin enttäuschen. Der gepanzerte Wagen sei zu schwer, sagt Stadler. „Da brauchen wir weiter einen dicken Motor.“

          Ein Zuwachs von 12 Prozent

          Als Merkel auf dem VW-Stand erscheint, muss sie kurz auf Vorstandschef Martin Winterkorn warten. Freundlich überspielt die Kanzlerin die Situation: „Der Fehler liegt auf meiner Seite. Meine Mutter hat mir eigentlich beigebracht, dass man niemals zu früh kommt.“ Dann betrachtet Merkel eine nicht sehr alltagstauglich aussehende Design-Variante des neuen VW-Kleinwagens Up. „Der könnte für Hotels gut sein oder für Leute, die immer am Strand leben“, empfiehlt sie ironisch.

          Merkel und der Sportwagen mit Flügeltüren: „Hübsch”
          Merkel und der Sportwagen mit Flügeltüren: „Hübsch” : Bild: dapd

          In ihrer Rede zur Eröffnung der IAA hatte Merkel aber ganz ernsthaft auf die wichtige Rolle der Autoindustrie in der Realwirtschaft hingewiesen. „Ich will das deutlich unterstreichen“, sagte sie. Es sei alles andere als selbstverständlich, da die internationale Finanzkrise auch an der Autoindustrie nicht spurlos vorübergegangen sei. Die heimischen Hersteller hätten es durch Innovationskraft geschafft, die Krise schnell zu überwinden. Sicherlich hätten dabei „auch politische Maßnahmen eine Rolle gespielt“. Im Jahr 2010 seien in Deutschland mehr als 5,5 Millionen Autos hergestellt worden – ein Zuwachs von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Angesichts der guten Auftragslage zeichne sich für 2011 sogar ein Rekordwert in der heimischen Produktion und im Export von Personenkraftwagen ab. Die Branche hat inzwischen auch wieder mehr als 720.000 Mitarbeiter.

          Gelungene soziale Marktwirtschaft

          „Es war ein gutes Stück Gemeinschaftswerk, uns aus der Krise so herauszuführen und vor allen Dingen auf die Menschen zu setzen, die in dieser Branche arbeiten“, sagte Merkel. Das habe die Bundesregierung durch Kurzarbeit und die Abwrackprämie geschafft. Es sei auch für die Zukunft sehr interessant, wie Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer im besten Sinne der sozialen Marktwirtschaft zusammengewirkt hätten. „Wir haben schließlich alle nicht gewusst, wie es weitergehen würde. Ich erinnere mich noch an die vielen Aussagen, was alles passieren würde, wenn der Binnenmarkt durch die Umweltprämie sozusagen zu sehr angereizt wird, und wie sehr dann im nächsten Jahr die Nachfrage einbrechen würde“, sagte Merkel. Durch die globale Vernetzung habe die deutsche Autoindustrie dann aber sofort wieder vom Exportanstieg profitiert. Das sei gelungene soziale Marktwirtschaft.

          Die Autobranche bleibe eine zentrale Stütze der Volkswirtschaft, zähle zu den wichtigsten Arbeitgebern und erwirtschafte knapp ein Viertel des Umsatzes der deutschen Industrie. Knapp 20 Prozent der deutschen Exporte entfielen auf sie sowie ein Drittel der Ausgaben deutscher Unternehmen für Forschung – und die Branche sei ein wichtiger Innovationstreiber für andere Industrien, etwa durch die Einführung des Internets im Auto. Die gute Lage sei auch ein Resultat der Währungsunion. Gerade die deutsche Autobranche habe in den anderen EU-Ländern wichtige Absatzmärkte. Jedes zweite in Westeuropa verkaufte Auto komme von einem deutschen Hersteller.

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