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IAA-Demonstrationen : Der Auspuff ist abgesägt

  • Aktualisiert am

Demonstranten gegen die IAA auf der A648 in Frankfurt Bild: dpa

In Frankfurt sammeln sich Tausende, um für eine klimafreundliche Verkehrswende zu demonstrieren. In den Messehallen hat dagegen der Besucheransturm auf die Automobilausstellung begonnen. Der BDI-Chef verteidigt die Autoindustrie – und die SUVs.

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          Vor den Toren der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt haben am Samstag Tausende Menschen für eine klimafreundliche Verkehrswende demonstriert. Die Veranstalter sprachen von etwa 25.000 Teilnehmern an einer Kundgebung am Messegelände: 18.000 Fahrradfahrer sowie 7000 Fußgänger. Eine Polizei-Sprecherin sagte der F.A.Z., man gehe von 15.000 Teilnehmern aus. Für die Fahrrad-Korsos wurden vorübergehend auch Abschnitte der Autobahnen A 661 und A 648 gesperrt.

          Auf einer Kundgebung im Stadtzentrum hatten einige Demonstranten zuvor ihre Forderungen nach einem sofortigen Verzicht auf Verbrennungsmotoren und einem völlig klimaneutralen Verkehr bis zum Jahr 2035 vorgetragen. Zu ihren weiteren Forderungen zählten ein massiver Ausbau von Bus und Bahn sowie Vorrang für Fuß- und Radfahrer in der Verkehrsplanung.

          Die Demonstranten stellten eine mit den Logos von Autokonzernen beklebte Großpuppe auf, aus deren Schritt phallusartig ein Auspuff hervorragte. Dieser wurde von einem Demonstranten abgesägt – die Säge trug die Aufschrift „Autokonzerne entmachten!“ Ein Sprecher des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, das die Kundgebung mit organisiert hat, schätzte die Teilnehmerzahl der Kundgebung am Mittag auf etwa 5000.

          BDI-Chef verteidigt SUVs

          Auf der Abschlusskundgebung kritisierten mehrere Redner sowohl die Hersteller als auch die IAA, denen sie „Lug und Betrug“ vorwarfen, etwa wegen des Dieselskandals. „Wir brauchen keine Verkaufsshows für Monster-SUVs und Dreckschleudern“, sagte Ernst-Christoph Stolper, Vizevorsitzender des Umweltverbandes BUND. Er forderte unter anderem das Ende von Verbrennungsmotoren, Tempo 30 in den Städten und mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger.

          Eine Vertreterin des Schüler-Bündnisses „Fridays for Future“ sagte, „die einzig zukunftsfähigen Transportmittel sind die eigenen Füße, das Rad und der öffentliche Nahverkehr“. Die IAA stehe für die Verletzung von Menschenrechten und werbe dafür auch noch „mit halbnackten Frauen“, dies habe sie einem Internetkommentar entnommen.

          Rebecca Peters vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club sagte, niemand müsse Angst vor Verlust oder Veränderung haben, wenn Städte autofrei würden. Vielmehr gewinne man dadurch mehr Lebensqualität, saubere Luft und Parks. Einige Vertreter verteidigten das für Sonntag geplante Vorhaben der Initiative „Sand im Getriebe“, Zugänge und Zufahrten zur Messe zu blockieren. Ziviler Ungehorsam sei jetzt notwendig, um auf die Dringlichkeit der Probleme aufmerksam zu machen, sagte Klara Beck vom Aktionsbündnis Attac.  

          Ob entmachtet oder entmannt – die Demonstranten legen sich mit der Autoindustrie an.

          Industriepräsident Dieter Kempf verteidigte die Autobauer dagegen und kritisierte die Diskussion um ein Verbot der sportlichen Geländewagen. Diese war nach einem Unfall mit vier Toten in Berlin-Mitte ausgelöst worden.

          „In Berlin ist ein besonders schlimmer Unfall mit einem SUV passiert – der uns alle schockiert hat“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) dem „Spiegel“. „Dass mancher das Ereignis sofort instrumentalisiert, um sein eigenes politisches Süppchen zu kochen, finde ich total daneben.“

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