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IAA 2013 : Sind die Töchter erst aus dem Haus

Jaguar auf dem großen Sprung: Die 4x4-Technik fürs SUV liefert Schwester Land Rover Bild: Hersteller

Jaguar, Land Rover und Volvo gehörten auf der vorletzten IAA noch zu Ford. Nach einigen gescheiterten Rettungsversuchen leben ihre Eltern nun in Indien und in China - und alle drei Marken blühen auf.

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          Was haben sie alles durchgemacht: Sie haben es eigenständig versucht. Land Rover wurde Teil der BMW-Familie und wieder verstoßen. Sie wurden zusammen in der Premier Automotive Group an Ford angegliedert, dort aber nie heimisch. Schließlich wurde das vorerst letzte Kapitel aufgeschlagen: Volvo gehört dem chinesischen Konzern Geely, Jaguar und Land Rover haben gemeinsam Unterschlupf gefunden unter dem Dach des indischen Konzerns Tata. Und alle Befürchtungen scheinen sich in Luft aufzulösen, vielmehr sprießen neue Blüten.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das gilt vor allem für Land Rover. Die Geländewagenspezialisten verkaufen so viele Fahrzeuge wie nie zuvor, die Fabrik in England wächst zu einer Stadt heran, es werden Tausende Mitarbeiter neu eingestellt, und die Bänder laufen am Anschlag. Der größte Erfolg ist das Modell Range Rover Evoque, von dem eine Zahl die ganze Dimension der Hochstimmung deutlich macht: Der Einstiegspreis beträgt 33.400 Euro, der durchschnittliche Verkaufspreis 55.000 Euro. Die 65 Jahre junge Marke mit dem grünen Oval weiß zurzeit nicht, wohin mit ihrer Kraft, es gibt inzwischen drei Range Rover, und in Frankfurt debütiert der erste Geländegänger aus Solihull, der auch ein wenig elektrisch fahren kann.

          Jaguar will ein Tabu brechen

          Für die Schwestermarke Jaguar gilt das noch nicht, sie ist erst dabei, ihren Weg zu finden, und sucht die Zukunft in dynamischerem Auftritt. Es kündigt sich Großes an, im doppelten Sinne. Jaguar will seine Fahrzeugarchitekturen neu ordnen, mithin vor allem eine einsetzen, und es soll ein Tabu gebrochen werden, es wird ein SUV geben. Die neue Architektur setzt voll auf die Nutzung von Aluminium. Jaguar wagt gar einen besonders mutigen Sprung. Das Segment, in dem BMW 3er, Mercedes-Benz C-Klasse und Audi A4 zu Hause sind, soll durch eine britische Katze bereichert werden.

          2015 soll das mutig progressiv gezeichnete Modell fertig sein und dank großzügigen Einsatzes von Aluminium mit nie dagewesener Dynamik die Kundschaft zum Wechsel animieren. Hinterradantrieb mit Option auf Allrad steht im Lastenheft. Neben passend scharfen Motoren wird auch ein besonders sparsamer Vierzylinder für Vortrieb sorgen, er soll (ohne Hybrid-Unterstützung) weniger als 100 Gramm CO2/km erreichen. Was nicht ausschließt, dass Hybridantriebe hinzukommen. Bilder zur neuen Limousine, die auch als Coupé, Kombi und Cabriolet auf dem Wunschzettel steht, rückt Jaguar noch nicht heraus, dafür ist auf der IAA schon ein Blick auf das künftige SUV erlaubt.

          Die Diagonale lebt: Diese Front tragen alle künftigen Volvos

          Die Studie C-X17 lässt keinen Zweifel, dass dieses Auto in nicht allzu ferner Zukunft auf die Straße kommen wird. Wir tippen, dass die Markteinführung höchstens noch zwei Jahre entfernt liegt. Der erste Geländewagen von Jaguar ist 4,72 Meter lang und 1,65 Meter hoch, wirkt selbstbewusst, gelungen und fährt schon. Sein Motor klingt nach wilden Ausflügen, in der Serie wird die ganze Palette von Benzin, Diesel und Hybrid anzutreffen sein. Der Allradantrieb verteilt die Kraft nach Bedarf, auf trockener Straße beißt das Drehmoment vollständig an der Hinterachse zu.

          In den aufgeräumten Innenraum ziehen große Bildschirme ein, die der unvermeidlichen Vernetzung dienen werden. Die Fahrdaten werden mittels Head-up-Display in die Windschutzscheibe eingespiegelt. Das Auto hat nicht nur Fans. Designer Ian Callum meint dazu mit typisch britischem Humor, er sei es eigentlich gewohnt, in Hüfthöhe zu zeichnen und nicht in Kopfhöhe. Trotzdem wird, da darf man mit einem Seitenblick auf Porsche ziemlich sicher sein, das SUV in der Sportwagenfamilie ertragreich aufgehoben sein.

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