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Vor der IAA : Internationale Absage-Ausstellung

Solche Autos sind auf der IAA kaum zu finden. Lamborghini bleibt der Messe noch treu. Bild: AFP

Die IAA wackelt. Von 34 marktrelevanten Automobilmarken sind in diesem Jahr 19 nicht auf der Messe in Frankfurt. Neue Inhalte sollen die IAA retten.

          Ist das IAA-Glas halbleer oder halbvoll? Die Optimisten sagen, es sei halbvoll, doch auch das beschönigt noch die Situation. Von 34 marktrelevanten Automobilmarken in Deutschland, die das Kraftfahrtbundesamt für seine Statistiken listet, sind 19 nicht auf der Messe mit einem eigenen Stand vertreten. Dazu fehlen fast alle Nobelmarken und Exoten wie Maserati, Ferrari, Rolls-Royce, Bentley, Aston Martin, Lexus, Bugatti oder Cadillac.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Flagge zeigen wenigstens Lamborghini sowie McLaren, und im Gegensatz zur Muttergesellschaft Volvo hat die neue Marke Polestar sehr wohl einen Auftritt in Frankfurt. Einige Marken sind zumindest erfahrbar, Renault und Dacia, Kia und Tesla haben zwar keinen Stand, doch sie gehören zu den 13 Ausstellern, die mit 72 Fahrzeugen Testfahrten möglich machen.

          Der IAA die Treue halten natürlich die deutschen Hersteller mit fast all ihren Marken, Ford und Opel sind auch dabei. Honda ist der einzige japanische Hersteller, der nicht kneift. Dagegen herrscht Fehlanzeige bei den Franzosen, und auch der FCA-Konzern um Jeep und Fiat spart sich den Auftritt. Gegen den Trend hat sich Jaguar Land Rover entschieden, die Messe als Plattform zu nutzen, um die Ikone Defender nach mehr als drei Jahren Pause neu aufzulegen und in Frankfurt debütieren zu lassen. Zusammen mit dem Serienmodell des rein elektrischen VW ID.3 dürfte er zu den Stars der Messe gehören.

          Der elektrische Porsche Taycan, der gewiss ähnliche Bedeutung hat, ist an diesem Donnerstag, wenn die Bundeskanzlerin traditionell das Hochfest der Automobilindustrie eröffnet, schon nicht mehr brandneu. Porsche hat ihn am vergangenen Mittwoch der Welt gezeigt, an drei verschiedenen Orten gleichzeitig, an den Niagara-Fällen, in China und in Neuhardenberg bei Berlin.

          Womit wir bei einem der Symptome wären, an denen die Automessen kranken, schließlich hat nicht nur die IAA Probleme, eine hinreichende Zahl relevanter Aussteller auf die Bühne zu bringen. Die Welt ändert sich, Messen sind nicht mehr automatisch der erste Platz, um ein neues Auto zu zeigen. Digitale Kampagnen legen die Hersteller heute viel lieber auf und bleiben abseits der eingefahrenen Wege. Sie wollen die Aufmerksamkeit für sich und sie nicht mit anderen Herstellen und Produkten teilen. Natürlich bot Porsche einen Livestream zur Taycan-Premiere im Netz an, da konnte jeder teilhaben, dabei sein und musste sich nicht die Mühe machen, zu einer Messe zu reisen und Eintritt zu zahlen. Nur: Anfassen und reinsetzen geht im Netz eben nicht.

          Dass die Messegesellschaften und vor allem die Hotels wohl die Preise überzogen haben, ist ein anderer Baustein der Krise. Ganz abgesehen von der Anti-Auto-Stimmung in Teilen einer das öffentliche Bild prägenden Bevölkerung. Da sagt es sich schnell ab, und schon ist ein Haufen Geld gespart, der in andere Marketingaktivitäten gesteckt werden kann, die vielversprechender erscheinen. Ob das aufgeht oder ein Irrweg ist?

          Die Menschen lieben das Auto nach wie vor

          Der sich abzeichnende Abschwung auf dem Weltmarkt, es werden wohl 81 Millionen Neuwagen verkauft, also vier Prozent weniger als 2018, hat vermutlich keinen direkten Einfluss auf die Entscheidung, eine Messe zu bestücken oder nicht. Die Entscheidung fällt gewöhnlich viel früher. Und es ist ja auch so, dass der deutsche Markt 2019 im Vergleich zum Vorjahr immer noch mit einem Prozent im Plus ist und der Weltmarkt immer noch um gut 50 Prozent über den Absatzzahlen von 2009 liegt, als 55,3 Millionen Autos verkauft wurden. Die große Mehrheit der Menschen liebt das Auto nach wie vor und will sich nicht vorschreiben lassen, wie sie sich künftig zur Arbeit oder in den Urlaub bewegen soll. Bus oder E-Bike sind Alternativen, aber die Wahl soll eben frei bleiben.

          Es ist keine Frage, die Automessen müssen sich neu erfinden. Einfach nur Autos hinstellen und die Leute kommen lassen funktioniert schon deswegen nicht mehr, weil die Autohersteller selbst dieses schlichte Konzept mehr und mehr anzweifeln. Der Verband der Automobilindustrie VDA, der für die IAA verantwortlich zeichnet, hat dies erkannt und tritt 2019 mit einem völlig neuen Konzept an. Das ging bisher ein wenig unter, weil sich viele Veröffentlichungen zur IAA im Vorfeld immer am Exodus der Hersteller labten und hinter vorgehaltener Hand auch schon über die vielleicht letzte IAA spekuliert wird.

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