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Proteste vor IAA : Blockade mit drei farbigen Fingern

Der Haupteingang der Messe wird am Sonntagmorgen von Klimaaktivisten blockiert. Bild: Lucas Bäuml

Hunderte Demonstranten der Aktion „Sand im Getriebe“ haben zwei der fünf Eingänge der Messe blockiert. Ihr Protest richte sich nur gegen die Konzerne, sagen sie. Das empfinden viele Besucher anders.

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          Kurz nach 10 Uhr droht die Lage kurz zu eskalieren. „Warum nur wollt ihr da rein“, ruft ein Demonstrant einer Besuchergruppe zu, die in die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) will. Doch rund 150 Demonstranten in weißen Maleranzügen versperren mit einer Sitzblockade die gesamte Straße.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Weil es geil ist und ich dazu stehe“, entgegnet einer der Besucher: „Ihr könnte ja gern demonstrieren, aber nicht mit Blockaden und Rechtsbruch.“ Dann suchen die Besucher eine Lücke in der Demonstrantenkette. Es wird ein wenig gerangelt, viel grimmig geguckt, aber das war es dann auch. Die Aktion wirkt mehr wie ein Sonntagshappening als ein radikaler Protest gegen Autos.

          „Sand im Getriebe“ nennt sich die Aktionsgruppe, die sich über das Internet gefunden und dann in mehreren Treffen auf den heutigen Tag vorbereitet hat. Ihr Ziel sei die „grüne Selbstdarstellung der IAA zu demaskieren“, sagt Pressesprecherin Marie Klee, die wie ihre berühmte Mitstreiterin Tina Velo ein Pseudonym benutzt. „Wann immer über die IAA berichtet wird, soll über Klimakrise, Verkehrstote, Dieselskandal und Flächenbrauch in Städten diskutiert werden.“

          Demonstration in drei Gruppen

          In drei Gruppen sind sie am frühen Morgen aufgebrochen, von vorher vereinbarten Treffpunkten. Der „blaue Finger“ ist zum westlichen Portal aufgebrochen,  der „rote Finger“ mit 200 Leuten fährt den ganzen Tag lang mit dem Fahrrad um das Messegelände und die Innenstadt, um den Straßenverkehr zu stören und spontane Blockaden zu inszenieren. Und der „grüne Finger“ hat sich vor dem Haupteingang postiert. Zudem haben ein paar Kletterer sich vom Verkehrszeichen am  Katharinenkreisel abgeseilt, einem Zubringer zur Messe.

          Demonstranten der Fahrraddemo „Sand im Getriebe“ treffen auf die Blockade vor dem Eingang der IAA und grüßen die anderen Protestler Bilderstrecke

          Vor dem Haupteingang haben sich rund 200 Demonstranten versammelt, auch sie in weißen Maleroveralls. Das sei ihr „Corporate Branding“, so erkenne man sie leichter als Gruppe, sagt einer von ihnen. Zudem lassen sie sich dadurch nicht an ihrer Kleidung identifizieren, wenn sie den Overall ausziehen und wegschmeißen. Immer wieder gibt es Sprechchöre, über Lautsprecher ist Musik zu hören, ein paar Demonstranten jonglieren, andere kritzeln Losungen mit Kreide auf die Gehwegplatten.

          „Wir wollen absolut keine Gewalt“, betont  einer der Protestierenden. Unbequem aber wollen sie schon sein. Eine halbe Stunde lang verwehren die Radfahrer etwa mehreren Shuttlebussen am Rebstockgelände die Weiterfahrt, die Passagiere müssen aussteigen und einige hundert Meter zu Fuß zur Messe. Manche treten verärgert gegen die Räder und werfen sie um, mehr passiert aber nicht. Die Polizei greift nicht ein. Hundertschaften in schwarzer Schutzkleidung haben sich vor den Eingängen verteilt, an Kreuzungen dirigieren Motorradpolizisten den Verkehr um, aber ansonsten hält sie sich im Hintergrund. Es soll friedlich bleiben. Und das bleibt es auch, abgehalten wird keiner, die Messe zu betreten. Zumal es mehr Eingänge gibt, als von den Demonstranten blockiert werden.

          Der Protest richte sich vor allem gegen die Konzerne, nicht gegen die Besucher, betont Sprecherin Klee. Das empfinden die nicht so. Es könne ja jeder seine Meinung äußern, sagt zum Beispiel Florian Priebsch, während er am westlichen Portalhaus eine Lücke durch die Demonstranten sucht. „Aber es geht nicht, dass sie Leute aufhalten, die viel Geld für Eintrittskarten ausgegeben haben.“ Zu viert seien sie vom Bodensee nach Frankfurt gekommen, drei von ihnen arbeiteten bei Zulieferern.

          „Wir setzen auf radikale Mittel“

          „Unsere Arbeitsplätze und unser Wohlstand hängen vom Auto ab.“ Ein amerikanischer Besucher redet auf die Sitzblockierer ein, sie sollten sich realistischere Ziele setzen, und drängelt sich anschließend durch die Absperrung. Und ein anderer fordert die viele Jugendlichen und wenigen Älteren auf, lieber in politischen Institutionen für Mehrheiten zu werben und sich dort einzubringen. „Das ist doch der Sinn der parlamentarischen Demokratie.“

          Doch das halten die Teilnehmer an der Aktion offenbar für zu wenig. Sie seien für eine radikale Verkehrswende, sagt Marie Klee. „Und darum setzen wir auf radikale Mittel und zivilen Ungehorsam.“

          Blockade vor der Frankfurter Messe

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