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BMW-Chef Norbert Reithofer : „Wir sind und bleiben die Nummer eins“

  • Aktualisiert am

Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender des Automobilkonzerns BMW Bild: Frank Röth

BMW bleibe der führende Premiumhersteller, sagt Konzernchef Norbert Reithofer. Mit der F.A.S. spricht er über das Rennen mit Audi und Mercedes.

          Herr Reithofer, Glückwunsch, Sie haben es geschafft: BMW steht nicht mehr für Raser, sondern für Öko. Wie viel hat Sie der Imagewandel gekostet?

          Wir haben bereits vor einigen Jahren begonnen, den Verbrauch unserer Fahrzeuge deutlich zu senken. So ist es uns gelungen, den CO2-Ausstoß von über 200 Gramm auf nun rund 150 in der Flotte zu senken. Das ist Fakt.

          Dafür hauen Sie aber auch ganz schön auf die Pauke.

          Wir haben ja auch viel erreicht. Mehr als 60 Modelle liegen bereits bei einem CO2-Ausstoß von maximal 140 Gramm pro Kilometer oder darunter. Unser serienmäßiges Spritsparpaket „Efficient Dynamics“ verfügt über Start-Stopp-Automatik und vieles mehr. Allein in diese Technologie haben wir insgesamt 1,2 Milliarden Euro investiert, die Marketing-Ausgaben sind darin noch nicht enthalten.

          Der BMW auf dem Plakat heißt „i8”, ist aus Carbon und ein „reinrassiger Sportwagen”, wie Konzernchef Norbert Reithofer sagt. Geplanter Verkaufspreis: nicht unter 100.000 Euro

          Was macht Sie so sicher, dass sich dieser Aufwand lohnt?

          Premium wird in Zukunft immer stärker über Nachhaltigkeit definiert. Wir haben als Autohersteller aber auch gar keine andere Wahl. Ohne diese neuen Technologien einschließlich E-Mobilität könnten wir die weltweiten gesetzlichen Auflagen hinsichtlich CO2-Ausstoß zukünftig nicht mehr erfüllen.

          Sie haben auf der Premiere Ihrer Leichtbaumodelle das herkömmliche Auto mit der Postkutsche verglichen - zum Aussterben verurteilt. Übertreiben Sie nicht?

          Nein. Mit dem Kutschen-Beispiel wollte ich verdeutlichen, das Tempo des Wandels nicht zu unterschätzen. Haben Sie sich mal mit dem Übergang von Pferdefuhrwerken zum Automobil beschäftigt? Im Jahr 1900 hatte das Automobil einen Marktanteil von praktisch null Prozent. 1925 waren die Kutschen dann weitgehend verschwunden.

          Ihre Antwort heißt: Kohlenstoff statt Blech. Sind Elektrofahrzeuge aus Carbon die Lösung?

          Nicht allein. Die i-Modelle sind unverzichtbare Technologieträger für weitere Fahrzeuge der BMW Group. Die Aufgabe für uns war: Mit welchem Werkstoff kompensieren wir bei Elektrofahrzeugen das Gewicht der Batterie? Carbon macht die Autos 250 bis 300 Kilogramm leichter, das erhöht die Reichweite. Darüber hinaus werden wir unsere Modellpalette auch im Premium-Kleinwagensegment erweitern.

          Hören wir richtig: BMW sucht sein Heil künftig in Kleinwagen, mit weniger PS?

          Keine Sorge, wir wachsen auch in den oberen Segmenten. Tatsache aber ist: Der Anteil der kompakten Fahrzeuge innerhalb unserer Flotte wird zunehmen.

          Was heißt für Sie „kompakt“?

          Wir reden hier vom Mini und vom BMW 1er.

          Wie hoch ist deren Anteil an den Stückzahlen im Moment?

          Etwa 30 Prozent. Zukünftig werden wir bei rund 40 Prozent liegen. Wir gehen davon aus, dass die Kompaktklasse in den nächsten zehn Jahren am stärksten wachsen wird.

          Sie glauben tatsächlich, dass die Leute künftig kleine Autos bevorzugen? Im Moment steigen sie lieber in den Geländewagen.

          Natürlich werden viele Kunden weiterhin große Fahrzeuge kaufen. Die Prognose, dass der Anteil kleiner Fahrzeuge zunehmen wird, ist aber sehr einleuchtend: Politische Regulierung wie ökologischer Zeitgeist treiben die Entwicklung in dieselbe Richtung. Darauf reagieren wir als Hersteller.

          Verraten Sie, was Ihre Leichtbau-Autos kosten werden?

          Der BMW i8, der ein reinrassiger Sportwagen ist, wird nicht unter 100.000 Euro zu haben sein.

          Und der kleinere, der i3? Da wird über 40 000 Euro spekuliert?

          Das Auto kommt 2013 auf den Markt, da nennen wir noch keinen konkreten Preis.

          Aber die Größenordnung kommt hin. Glauben Sie wirklich, den Leuten ist ein Kleinwagen so viel Geld wert, nur um ein ökologisch korrektes Gewissen zu haben?

          Für einen voll ausgestatteten Mini mit der höchsten Motorisierung zahlen die Kunden heute schon 35.000 bis 40.000 Euro. 80 Prozent der Mini-Käufer wählen stärkere und damit teurere Modelle, noch dazu üppig ausgestattet.

          Und da das Geld mit Zubehör verdient wird, freuen Sie sich über sensationelle Margen.

          Der Mini liefert in der Tat sehr gute Deckungsbeiträge.

          Auf der IAA ist der Dreikampf der deutschen Luxusmarken neu entbrannt. Mercedes wie Audi haben verkündet, Sie von Platz eins zu verdrängen. Wie reagieren Sie auf die Kampfansagen?

          Sehr gelassen. Wir orientieren uns nicht an den Wettbewerbern, sondern haben uns bei der Entwicklung der erfolgreichen Strategie Number One gefragt: Wo wollen wir 2020 stehen? Was ist gesund für BMW?

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