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War’s das mit der IAA? : Dilettanten am Steuer

  • -Aktualisiert am

Glitzernde Autoshows wollen die Marketingstrategen der Firmen nicht mehr. Bild: Lucas Bäuml

Wie ruiniert man eine IAA? Man nehme streitende Konzerne, einen Frankfurter Oberbürgermeister und einen hilflosen Verband. Schadenfreude? Ist nicht angebracht. In Deutschland sollten die Alarmglocken schrillen.

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          Mit 560.000 Besuchern ist am Sonntag die IAA in Frankfurt zu Ende gegangen. Das ist eine Enttäuschung, aber kein Wunder. Man lasse sich nochmal das Credo der von diversen Medien gefeierten Klimaaktivistin Tina Velo (der Nachname ist ein Pseudonym) auf der Zunge zergehen: „Die Autoindustrie wird erst dann ein Gesprächspartner für uns, wenn sie sich gegen das Auto positioniert“. Vor solch einem Stuss kuscht die Branche, eine Branche, die wie keine zweite in Deutschland für Innovationen und Arbeitsplätze steht. Statt mit einer Stimme gute Argumente, die es wahrlich gibt, für das Auto und die individuelle Mobilität zu liefern, herrschen Streit und Uneinigkeit zwischen Volkswagen, Daimler und BMW. Und ihr Verband VDA wirkt ohnmächtig.

          Selbiger VDA tut nun so, als habe er eine zündende Idee für die IAA 2021 und sagt dazu, Frankfurt sei als Ausrichtungsort noch im Spiel. Das ist etwas perfide, denn die Zukunft der Messe an sich ist mehr als fraglich. Frankfurt freilich hat sich selbst ins Abseits gestellt, auch und vor allem durch seinen Oberbürgermeister Feldmann. Auch das ist bemerkenswert: Der Oberbürgermeister von Frankfurt torpediert die IAA in Frankfurt und lässt dies als Coup feiern. Nur noch mal zur Einordnung und wirtschaftlichen Bedeutung: Zur IAA kamen vor zwei Jahren 810.000 Besucher. Jetzt waren es trotz größtmöglicher Widrigkeiten 560.000. Die allseits geschätzte Buchmesse besuchen 285.000 Menschen.

          Berlin und Köln oder womöglich Hamburg reiben sich die Hände, sie nähmen die nächste IAA nur allzugerne. Aber in welchem Gewand? Glitzernde Autoshows wollen die Marketingstrategen der Firmen nicht mehr. Viele Menschen aber vielleicht doch, wenn auch nicht in der unnötigen Maßlosigkeit vergangener Zeiten. Einem Bekenntnis zum völlig zu Recht in den Fokus gerückten Klimaschutz steht das überhaupt nicht entgegen. Die Motoren werden immer sauberer, die technischen Fortschritte sind beachtlich, die Anstrengungen und Investitionen enorm. Es müsste der Industrie doch möglich sein, diese Fakten, um das Bild zu bemühen, auf die Straße zu bringen. Derzeit offenbar nicht, niemand weiß, wohin.

          Das diesjährige Messekonzept taugt jedenfalls nicht für die Zukunft. Nur ein paar halbherzig ausgestellte Autos und etwas Chi Chi drumherum ziehen nicht. Diese IAA ist auch an der übertriebenen politischen Korrektheit erstickt. Aber es gibt eine Menge Menschen, die will trotz allem schöne und coole Autos einmal live erleben und weiterhin Freude am Fahren haben. Sie traut sich das nur nicht mehr öffentlich zu sagen und stimmt dann mit den Füßen ab.

          Da der Verband der Automobilindustrie nach der Demission seines Präsidenten Bernhard Mattes de facto führungslos ist, wird sich in der Zukunftsfrage die nächsten Monate nichts weiter tun. Derweil beherrschen die Velos und Thunbergs die öffentliche Meinungsbildung. Maß und Mitte sind längst auf der Strecke geblieben. Die IAA womöglich auch. Und das wäre, wenn das so weitergeht in Deutschlands Schlüsselindustrie, vermutlich nicht die letzte schlechte Nachricht.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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