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Zukunft des Autos : Das E-Auto ermöglicht ein neues Design

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Für den Motor bieten sich zwei Heimstattversionen an: zentral wie ein Verbrennungsmotor oder den Rädern oder Achsen zugeordnet. Die einstige Idee von Porsche, für jedes Rad einen Motor einzuspannen, erhöht zwar die ungefederten Massen am Rad, hält aber faszinierende Möglichkeiten bereit: Jeder Motor könnte vom Rad weggerückt, hin zur Längsachse des Fahrzeugs mit Elektronik separat angesteuert werden. Damit sparte man sich Differentiale und aufwendige Allradsysteme. Dafür kämen nun - auch als Designaufgabe - die häufig gescholtenen Geländewagen oder SUVs in Frage. Sie halten Installationsraum bereit und könnten zusätzliche Kilogramm gut vertragen, allerdings zu Lasten der Fahreigenschaften.

Knapp, nicht zu schwer, gute Sicherheitsstruktur

Aus der Sicht des Designers ist der Smart das ideale Elektroauto: Knapp, nicht zu schwer, gute Sicherheitsstruktur, er baut hoch und hält ausreichend Raum für E-Motor und Batterien bereit. Außerdem hat man sich an ihn gewöhnt, er wirkte schon immer futuristisch und wird diese Eigenschaft auch in der Zukunft nicht verlieren.

Der schon für 2010 im Serienoutfit eingeplante Mitsubishi iMIEV schrammt am Stromauftritt vorbei: Zu stark ist sein Design auf das Kindchenschema getrimmt, und zu gering wird der technische Inhalt optisch umgesetzt. Im Ansatz ist der elektrische Charakter aber gut zu erkennen: keine abgesetzte Fronthaube, hoch gebaut, kein Kühlergesicht, und die planen Seitenflächen signalisieren die Hinwendung an die pragmatischen Seiten des Autos.

Eine Alternative der Vernunft

Dagegen sind die meisten Konzeptautos von Großserienherstellern formal nur als Zwischenschritt zu interpretieren. Konventionelle Modelle mit Verbrennungsmotor können zwar technisch umgestellt werden, aus Designgründen sind sie aber - mit ihren verklebten Kühlern und unnötig groß dimensionierten Motorräumen - nicht zu akzeptieren. Das ist beim Opel Ampera ganz anders. Er folgt zwar traditionellen Proportionen, setzt aber den Stromgedanken an Bug und Heck sehr zwingend und folgerichtig um. Und wenn aus dem Prototypen des VW „up!“ - ursprünglich noch als Benziner mit Heckantrieb geplant - nun gar noch ein E-Auto mit Frontantrieb wird, ist das nur folgerichtig. Denn der kleine VW wirkt, als wäre er schon immer für diesen Antrieb vorgesehen gewesen. Gleichzeitig setzt er die Linien des Hauses klar und ohne Schnörkel, aber mit hoher Attraktivität um.

Ein typisches E-Auto-Design böte eine weitere Chance: Die neue Antriebstechnik ist zunächst eine Alternative der Vernunft (und der Freude darüber). Deshalb könnte pragmatischeres Design verlorenes Terrain zurückerobern. Mit weniger Glasfläche, geringer wuchernden Scheinwerfergläsern, mit übersichtlicheren Karossen, besseren Verhältnissen zum Ein- und Aussteigen und dem Befolgen jenes Prinzips, das schon Raymond Loewy, Designvater der Coca-Cola-Flasche und der Lucky-Strike-Packung, vor 60 Jahren formulierte: nämlich Maya. Most advanced, yet acceptual. Das neue E-Design der Autos aus der Zukunft sollte vor allem nicht abschreckend wirken. Denn die Stromer kommen.

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