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IAA 2009 : Zwischen Krise und Aufbruch

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Alle Augen aufs Auto: In Frankfurt beginnt die IAA Bild: dpa

Die Themen der IAA 2009 sind eine Ohrfeige für die Ausstellung vor zwei Jahren. Denn schon damals sollte es um die „grüne“ Zukunft der Industrie gehen. Eingelöst wurde der Anspruch nicht. Die aktuelle Umstellung ist für die Branche nicht trivial.

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          Die Internationale Automobilausstellung (IAA) fällt in diesem Jahr wegen der weltweiten Absatzkrise kleiner aus. Insgesamt zeigen 781 Hersteller ihre Produkte, darunter 62 Autobauer, wie der Branchenverband VDA am Montag mitteilte. Bei der vorangegangenen Messe im Jahr 2007 waren sieben Prozent mehr Firmen nach Frankfurt gekommen. „Mit der Bodenbildung der Nachfrage im Sommer hat sich die Ausstellerzahl noch erhöht“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Chevrolet sei entgegen ursprünglicher Planungen nun doch auf der Messe präsent. „Aus unserer Sicht ist nahezu alles Wichtige da.“ Nissan, Honda und Mitsubishi hatten allerdings im Frühjahr ihre Teilnahme abgesagt. Die Messe öffnet am Donnerstag ihre Türen für Besucher, zuvor finden zwei Pressetage statt.

          Die IAA steht dieses Jahr im Zeichen der Krise. Fachleute rechnen nach dem Wegfall der staatlichen Anreize in Form der Abwrackprämie in Deutschland allerdings mit einem Rückgang der Pkw-Zulassungszahlen im nächsten Jahr um eine Million auf 2,8 Millionen Einheiten. Verbunden damit wird ein Wegfall von über 90.000 Arbeitsplätzen in der Industrie befürchtet. Die IG Metall geht davon aus, dass die Autobauer nun verstärkt Kurzarbeit einsetzen müssen.

          Die Themen der IAA 2009 sind zudem eine Ohrfeige für die Ausstellung vor zwei Jahren. Denn schon damals sollte es um die „grüne“ Zukunft der Industrie gehen. Eingelöst wurde der Anspruch nicht. Im Gegenteil mussten sich die deutschen Hersteller nachsagen lassen, andere seien mit ihren neuen Antriebskonzepten wohl schon weiter. Inzwischen ist allen Beteiligten klar, dass der Weg hin zum elektrisch angetriebenen Fahrzeug führt. Dort, wo es stets um Zylinder und Pferdestärken ging, darf ab sofort über Reichweiten und Betriebssysteme geredet werden (FAZ.NET-Sonderseite: IAA).

          Wenn wir in vielen Jahren tatsächlich vornehmlich mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen fahren werden, wird uns die IAA 2009 als Meilenstein der Elektromobilität in Erinnerung bleiben. Mit dem schrittweisen Abschied vom Verbrennungsmotor kommt auf die - nicht nur emotional - wichtigste Industrie in Deutschland eine große Herausforderung zu. Dabei gilt es zum einen, die Kunden von der modernen, emissionsarmen oder -freien Technik auch wirklich zu überzeugen, zum anderen eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen, die sowohl die alten Benzin- und Diesel-Verbrennungsmotoren als auch die neuen Elektro-, Gas- oder Wasserstoffmobile unterstützt.

          Immerhin gab es kurz vor der IAA Ankündigungen über den Ausbau von Wasserstoff-Tankstellen und „intelligenten Stromnetzen“, die sowohl die dezentrale Energieerzeugung als auch eine Vielzahl von Elektro-Zapfstellen erlauben. Doch ist die Umstellung für die Industrie auch unter dem Gesichtspunkt der künftigen Vermarktung nicht trivial: Die Marketing-Abteilungen der Hersteller dürfen die traditionelle Technologie nicht als Alteisen abwerten, nur weil sie einen höheren Marktanteil mit Hybrid-Fahrzeugen erreichen wollen. Deshalb gab es selten eine spannendere IAA.

          Die neuen Themen könnten für die Ausstellung zudem eine neue, mehr an Elektronik und Computern als dröhnenden Motoren interessierte Zuschauergruppe erschließen. Das aber ist wohl erst recht Zukunftsmusik: Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise wäre es „sicherlich vermessen“, sich bei der erwarteten Besucherzahl an dem Rekordwert der IAA 2007 zu orientieren, als mehr als 900.000 Besucher gezählt wurden, heißt es beim Veranstalter, dem Verband der Automobilindustrie (VDA). Andere Automobilmessen hätten 2009 Besucherrückgänge im höheren zweistelligen Bereich verzeichnen müssen. Im Rezessionsjahr 1993 habe die IAA rund 700.000 Besucher gezählt: „Wir hoffen, dass wir am letzten IAA-Tag mindestens 750.000 Besucher zählen werden. Das wäre in diesen schwierigen Zeiten ein großer Erfolg“, heißt es beim VDA.

          Daten und Preise

          Die IAA auf dem Frankfurter Messegelände ist am 17. und 18. September ausschließlich für Fachbesucher geöffnet. An diesen Tagen beträgt der Eintrittspreis 45 Euro. Für das allgemeine Publikum sind die Messehallen vom 19. bis zum 27. September zugänglich. An den beiden Messewochenenden beträgt der Eintrittspreis 15 Euro, an den Werktagen 13 Euro. Schüler, Studenten, Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende mit amtlichem Ausweis zahlen 7,50 Euro.

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