https://www.faz.net/-gy9-13trw

Der Smart-Entwickler : Eine Truppe, die anders tickt

Christoph Schulenburg und der Smart - seit 1995 ein Team Bild: Archiv

Christoph Schulenburg kam 1995 als Entwickler zu Smart. In den Anfangstagen war dort jeder mit allem vertraut. „Das ist was anderes als wenn man nur für den rechten Außenspiegel arbeitet“, sagt Schulenburg. Zweite Folge unserer Porträtreihe über Auto-Entwickler.

          Für Christoph Schulenburg ist der Smart mehr als nur ein Auto. 1995 kam der Entwickler zu Smart und hat es dort bis zum Leiter für Fahrzeugversuche gebracht. „Kunden, die einen Smart kaufen, wollen ein Statement setzen“, sagt er. Dass man so etwas innerhalb von zehn Jahren geschafft habe, sei einmalig. Von Frust keine Spur. Dabei könnten sich die Smart-Entwickler im Daimler-Konzern buchstäblich wie das fünfte Rad am Wagen fühlen: Was in den späten neunziger Jahren mit hochfliegenden Plänen als „Mobilitätskonzept“ startete, verursachte jahrelang nur Verluste und wäre Mitte dieses Jahrzehnts beinahe ganz ausgemustert worden. Nur noch 80 Entwickler arbeiten ausschließlich für Smart in Sindelfingen, vieles wird von den Mercedes-Kollegen geleistet. Schulenburg sieht es positiv: „So konnte die Smart-Community erhalten bleiben.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Community - die Wortwahl zeigt, dass sich Menschen wie Schulenburg nicht als Ingenieur Nr. 08/15 im großen Konzern sehen, sondern als Teil einer besonderen Truppe, die immer noch anders tickt. So wie damals, als Schulenburg nach fünf Jahren Fahrwerksentwicklung für Audi bei Smart anheuerte. Mit seinen 28 Jahren passte er genau in das junge Team, das vieles in Frage stellte und unbekümmert an alles heranging. Vom damaligen Kooperationspartner Swatch mischten auch Uhrenexperten bei der Erfindung des Smarts mit. Solche bunten Hunde, räumt Schulenburg ein, hätten heute wohl kaum mehr eine Chance. Jetzt zählten ein gutes Studium und Erfahrung in der Branche. Herzblut sollte gleichwohl auch dabei sein, ist Schulenburgs Überzeugung.

          „Wir waren von einer Riesen-Euphorie getragen“

          Die Stimmung aus den Pioniertagen freilich können auch echte Smart-Fans nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zaubern. „Wir waren von einer Riesen-Euphorie getragen. Stempeluhren kannten wir nicht.“ Deshalb habe es ihm nichts ausgemacht, dass die alten Audi-Kollegen mitleidig lächelten, weil ein echtes Auto in ihren Augen anders aussah. Heute kann Schulenburg auf mehr als eine Million verkaufte Smarts verweisen.

          Manchmal war die Perspektive aber düster. 1998 waren alle mächtig stolz, dass aus dem Projekt wirklich ein serienreifes Auto geworden war, aber: Was sollte danach kommen? Smart trat die Flucht nach vorne an, entwickelte ein „Crossblade“ genanntes Auto ohne Fenster und Türen, einen Roadster, einen Viertürer und sogar eine Geländeversion. Die allerdings kam nie auf den Markt. Daimler zog die Reißleine, weil der viertürige Forfour grandios floppte und der Konzern die Verluste nicht mehr tragen konnte. Damals erst dämmerte den Mitarbeitern wohl, dass die Tüftelei kein Selbstzweck war, sondern dass es ums Geldverdienen ging.

          Heute sieht man den Smart bei Daimler wieder mit anderen Augen. Der Zweisitzer fährt als Elektroauto und taugt zum Versuchsobjekt für neue Formen des Car-Sharings. Damit ist er Hoffnungsträger in einem Konzern, der sonst wenig Antworten bereithält auf die Ansprüche der Kunden im Zeitalter des Klimawandels. Während Schulenburg früher überlegte, wie man in einem heckgetriebenen Kleinwagen überhaupt die Achsenkomponenten unterbringen könnte, geht es heute ums Optimieren. Mehr Evolution als Revolution, wie Schulenburg sagt.

          Schnelle Flitzer, Umweltengel oder Kleinstauto - die verschiedenen Autokategorien stellen auch ganz verschiedene Ansprüche an den Beruf des Entwicklers. Im Vorfeld der IAA stellen wir in einer kleinen Reihe drei Ingenieure aus der Entwicklung vor.

          Weitere Themen

          Dacia Duster Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

          Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer mehr Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.