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Acea-Präsident Carlos Ghosn : Staatshilfe verhindert Auslese unter Autobauern

  • -Aktualisiert am

Ghosn, der auch Chef von Renault ist, will Elektroautos vorantreiben Bild: ddp

Staatliche Eingriffe wie bei Opel verhindern, dass einzelne Autohersteller aus dem Markt ausscheiden, sagt Carlos Ghosn, Präsident des europäischen Branchenverbands Acea. Der notwendige Abbau von Überkapazitäten werde sich deshalb über die gesamte Branche verteilen.

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          Der europäische Automarkt wird im kommenden Jahr kräftig schrumpfen. „Das ist nach dem Auslaufen der staatlichen Abwrackprämien unvermeidlich – wenngleich wir uns keine genaue Prognose für 2010 zutrauen“, sagte Acea-Präsident Carlos Ghosn im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für das laufende Jahr erwartet die Branche in Europa ein Absacken der Produktion von Personenwagen um knapp ein Viertel auf gut 12 Millionen Stück. Noch schlimmer steht es um die Nutzfahrzeugindustrie, deren Produktion sogar um die Hälfte auf 1,2 Millionen Einheiten schrumpft.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Zum Nutzen der staatlich finanzierten Abwrackprämien hat die europäische Autoindustrie zwar keine gemeinsame Position, da die Hersteller unterschiedlich stark davon profitieren. „Wir sind uns aber einig, dass die Programme nicht abrupt enden sollten, sondern allmählich auslaufen müssen“, sagte Ghosn. Sonst drohe ein unkalkulierbarer Arbeitsplatzabbau. In Europa gibt es derzeit 13 Länder, die Autokäufe über Abwrackprämien fördern. In den meisten dieser Länder enden die Programme im Dezember 2009.

          Anreiz für den Kauf Sprit sparender Autos

          Acea-Präsident Ghosn gab sich überzeugt, dass noch immer erhebliche Überkapazitäten in der Branche existieren, die von den meisten Analysten auf etwa 40 Prozent beziffert werden. „Ich denke aber, dass es, abgesehen von Einzelfällen, trotz dieser Überkapazitäten nicht zum Ausscheiden einzelner Hersteller aus dem Markt kommen wird. Das verhindern staatliche Eingriffe – wie etwa im Fall Opel.“

          Acea-Verbandschef Ghosn: „Notwendige Abbau von Überkapazitäten wird sich über die gesamte Branche verteilen”
          Acea-Verbandschef Ghosn: „Notwendige Abbau von Überkapazitäten wird sich über die gesamte Branche verteilen” : Bild: dpa

          Auch mit der Schließung von einzelnen Werken sei aus demselben Grund in aller Regel nicht zu rechnen. Es werde eher eine Komprimierung der Produktion innerhalb einzelner Fabrikstandorte geben, etwa indem die Zahl der Produktionslinien verringert werde. „Jeder einzelne Hersteller muss da vor seiner eigenen Tür kehren.“

          Als Verbandspräsident nennt Ghosn für das kommende Jahr die Reduzierung des CO2-Ausstoßes als Priorität für die Branche. „Allerdings muss klar sein, dass nur 12 bis 14 Prozent der CO2-Emissionen durch Autos verursacht werden. Es kommt darauf an, die Emissionen dort einzusparen, wo dies am billigsten geschehen kann.“ Dies sei oftmals eher in anderen Branchen der Fall. Zudem komme es darauf an, durch CO2-Steuern den Anreiz für den Kauf Sprit sparender Autos zu erhöhen. Die Einführung solcher Steuern habe viel zu lange gedauert.

          Freihandelsabkommen mit den asiatischen Staaten

          Vorantreiben will Ghosn auch die Standardisierung der Technik für Elektroautos – darunter alle verbrauchernahen Teile wie etwa die Ladestecker. Dies werde von der Europäischen Union gewünscht und treffe auf Zustimmung der Autoindustrie, solange sie an der Erarbeitung der Regeln ausreichend beteiligt werde. Auf europäischer Seite gebe es bereits zahlreiche Ansätze zur Standardisierung, die binnen eines Jahres weiter ausgearbeitet würden. Ein Problem sei, dass es keine geeignete globale Organisation gebe, um die Abstimmung zu fördern. Ghosn, dessen eigener Konzern Renault Elektroautos an den Infrastrukturbetreiber Better Place liefert, erwartet 2020 einen Marktanteil von 10 Prozent für Elektroautos.

          Streit gibt es zwischen dem Verband Acea und der EU über zwei andere Themen: zum einen die Regeln für den erlaubten Ausstoß von CO2, zum anderen das Freihandelsabkommen mit Südkorea. Bei den CO2-Regeln für leichte Nutzfahrzeuge warnt Ghosn vor einer zu schnellen Verschärfung. Dies treffe die Branche, die sich ohnehin in einer beispiellosen Krise befinde, noch stärker und drohe die Unternehmen zu überfordern. Es müsse deshalb ein Aufschub für die Umsetzung gewährt werden. Auch das von der EU mit Südkorea ausgehandelte Freihandelsabkommen lehnt Ghosn ab, weil es die europäischen Hersteller übervorteile. „Allerdings sind wir grundsätzlich Unterstützer eines fair gestalteten Freihandels.“ Angestrebt werde deshalb ein neues Freihandelsabkommen mit den asiatischen Staaten, wie es die japanische Konkurrenz bereits habe.

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