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Chinesische Autos : Der lange Marsch

Der deutsche Zoll hat chinesische Autohersteller im Blick Bild: dpa

Chinas Automobilhersteller machen Ernst: Den billigen Kopien sollen eigenständige Fahrzeuge folgen. Damit könnten sie großen Erfolg haben, denn jeder vierte Deutsche wählt seinen fahrbaren Untersatz nach dem Preis aus.

          4 Min.

          Eine Exportnation kämpft in diesen Tagen um ihr Image: Millionen chinesischer Produkte, von Lebensmitteln bis Kinderspielzeug, sind in Europa und Amerika zurückgerufen worden, weil sie die Gesundheit gefährden. Auch chinesische Autos sind schon mit erheblichen Mängeln aufgefallen. Jetzt will Peking schlampige Hersteller strenger kontrollieren, denn die Exportmacht drängt mit Vehemenz auf die großen Märkte der Alten Welt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die IAA liefert einen Vorgeschmack. Zum Beispiel in Halle 8: Hier stellt der chinesische Automobilhersteller Brilliance JinBei seine neue Kompaktlimousine BS 2 vor. Es ist ein metallgewordenes Symbol der Globalisierung: Brilliance, ursprünglich ein Hersteller von Kleinbussen, verdankt seine Autokarriere dem deutschen Partner BMW und hat sich Knowhow von westeuropäischen Zulieferern geholt, um den BS 2 auf die Räder zu stellen; der 1,8-Liter-Vierzylindermotor stammt von Mitsubishi, die Karosserieform wiederum trägt Züge von Kia und Hyundai. Und gegen die Koreaner buhlt er um die Gunst westlicher Autofahrer.

          Deutsche sind gutwillig

          Vergessen ist der Skandal um die Billig-Limousine BS 6, die im Sommer einen katastrophalen Crashtest absolviert hatte. Nur acht Wochen später verspricht Guohua He, der Vice Chairman von Brilliance JinBei, erhebliche sicherheitstechnische Verbesserungen am Auto vorgenommen zu haben. Die Kunden sind gutwillig.

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          Trotz aller Skandale um „made in China“ kann sich nämlich jeder vierte Deutsche vorstellen, ein Auto eines chinesischen Herstellers zu kaufen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Beratungsunternehmens Accenture hervor. 28 Prozent der befragten Führerscheinbesitzer glauben, dass chinesische Automobilproduzenten innerhalb der kommenden fünf Jahre hierzulande so erfolgreich sein werden wie zuletzt die koreanischen Wettbewerber Hyundai und Kia.

          Der Preis ist ausschlaggebend

          Der Grund: Ein unschlagbar niedriger Preis. Der BS 6, eine Limousine so groß wie ein VW Passat, kostet so viel wie ein gut ausgestatteter Polo. Zugegeben, die Spalten zwischen Holm und Türverkleidung sind groß, das Plastik der Armaturentafel wirkt nicht nur billig, es ist auch billig, und der Geruch im Innenraum ist atemraubend. Aber wenn für beinahe jeden zweiten Autofahrer der Preis beim Autokauf ausschlaggebend ist, wie die Accenture-Befragung suggeriert, ist der Marsch für Brilliance & Co. gen Westen nur folgerichtig.

          „Ab 2009 werden chinesische Hersteller versuchen, neue Modelle auf den deutschen Markt zu bringen“, sagt Andreas Baier, Geschäftsführer Automotive bei Accenture. „Bis dahin haben sie auch ihre Hausaufgaben in Sachen Sicherheit gemacht und könnten besonders im unteren bis mittleren Preissegment zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz werden.“

          Glänzende Wachstumsaussichten

          Jahrzehntelang war China nur ein Produktionsstandort für westliche Unternehmen. Volkswagen hat den Markt lange beherrscht, nun weiten die Japaner ihr Engagement erheblich aus. Die amerikanischen Massenhersteller General Motors und Ford wollen wiederum ihre Beschaffungsmenge aus China bis 2008 um bis zu 70 Prozent erhöhen. „Und die Premiumhersteller werden ihr Einkaufsvolumen verdrei- bis verachtfachen“, sagt Lars Stolz, Partner der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman. Vom Exportboom profitieren laut einer Oliver-Wyman-Studie vor allem westliche Zulieferkonzerne wie Bosch, Delphi, Denso oder Johnson Controls.

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