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Autoindustrie : „In der Klimadebatte gehen wir nun in die Offensive“

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Matthias Wissmann: „Wir machen aus der IAA keine grüne Woche” Bild: Christian Thiel

Deutsche Autos stehen vielfach im Ruf des Klimakillers. Damit will der Verband der Autoindustrie nun aufräumen. Präsident Matthias Wissmann über Grünes auf der IAA, ökologische Staukosten und ideologische Ladenhüter.

          Deutsche Autos stehen vielfach im Ruf des Klimakillers. Damit will der Verband der Automobilindustrie (VDA) nun aufräumen - und hat eine Werbekampagne begonnen, an der alle hiesigen Hersteller beteiligt sind. VDA-Präsident Matthias Wissmann hofft, dass das Klimaschutzprogramm der Regierung die Verbraucher zum Kauf umweltschonender Autos bewegen wird.

          Herr Wissmann, die IAA wird so „grün“ wie nie zuvor. Übertreiben es die deutschen Autohersteller mit dem Klimaschutz?
          Nein, wir machen aus der IAA bestimmt keine Grüne Woche. Aber wir wollen den Klimaschutzgedanken positiv aufnehmen, sehen die IAA als Leitmesse für nachhaltige Mobilität, in der Fahrspaß und technische Innovationen auf der einen und Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt auf der anderen Seite stehen.

          Bisher haben die Japaner das Umweltthema besetzt. Spielt solch eine IAA nicht Toyota & Co. in die Hände?
          Die Gefahr sehe ich nicht. Wenn Sie japanische Studien lesen, stellen Sie fest, wie sehr wir um unsere wegweisende Dieseltechnologie beneidet werden. Damit erreichen die deutschen Autohersteller einen Marktanteil in Westeuropa von fast 50 Prozent. Die Japaner können von uns also noch lernen . . .

          ... nicht die Entwicklung von Hybridmotoren!
          Man darf das Umweltthema nicht auf ein technologisches Konzept verengen. Das würde auch nicht den Wünschen der Verbraucher entsprechen. Die Vielfalt ist die Stärke der deutschen Hersteller und Zulieferer.

          Kaufen die Deutschen „grüne“ Autos? Wenn man den Erfolg der spritschluckenden Geländewagen sieht, kommen Zweifel auf.
          Auch das darf man nicht auf eine monokausale These reduzieren. Mit umweltfreundlichen Autos, also Fahrzeugen, die weniger als 130 Gramm Kohlendioxid je Kilometer ausstoßen, haben die deutschen Hersteller im ersten Halbjahr einen Zuwachs von 27 Prozent erzielt, während die Importeure ein Minus von über 2 Prozent hinnehmen mussten.

          Bisher waren die deutschen Hersteller in der Klimadebatte in der Defensive . . .
          ... und zur IAA gehen wir in die Offensive. Deshalb hat der VDA seine Mitgliedsunternehmen, Automobilhersteller und -zulieferer, für eine gemeinsame Anzeigenkampagne gewinnen können, die derzeit in den großen Tageszeitungen und Sonntagszeitungen geschaltet wird. Damit wollen wir nicht nur darauf aufmerksam machen, dass Deutschland das Land ist, in dem das Auto erfunden wurde, sondern dass es hier immer wieder neu erfunden wird. Und der Slogan lautet: „Autos aus Deutschland. Die besten Autos der Welt.“

          Zur Fußball-Weltmeisterschaft hat Deutschland noch eingeladen mit dem Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden.“ Zur IAA klingt das irgendwie nach „Die Welt zu Gast bei Angebern“.
          Das haben wir mit Blick auf unsere Innovationskraft gar nicht nötig, aber unsere Potentiale verstecken wollen wir auch nicht. Deutschland ist doch gerade in einer Phase der Selbstbesinnung. Früher neigten wir doch dazu, ein halbvolles Glas halb leer zu sehen. Nun sollten wir - ohne jede Überheblichkeit, aber durchaus selbstbewusst - wieder Vertrauen in unsere Stärken haben.

          Welche denn?
          Von 88 Weltpremieren der IAA kommen 46 aus Deutschland, unsere Industrie zeichnet sich aus durch Innovationslust und Tüftlergeist. Nebenbei: Seit Mitte der der neunziger Jahre sind 90.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie entstanden. Wir wollen uns auf der IAA sicherlich nicht selbst feiern, aber wir haben durchaus Anlass, auf unsere Stärken hinzuweisen.

          Stärkt oder schwächt es die Autoindustrie, wenn die Bundeskanzlerin eine derart überzeugte Klimaschützerin ist?
          Ich kenne Frau Merkel schon lange. Daher kenne ich auch ihr Engagement bei diesem Thema. Sie zeigt aber gerade am Beispiel der Automobilindustrie, dass sie Klimaschutzengagement und wirtschaftliches Bewusstsein miteinander verbindet. Sie weiß, welche Investitionen im Klimaschutz sinnvoll und welche Vermeidungskosten von CO2 zu hoch sind.

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