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„Hydrogen Council“ : Tagtraum Wasserstoff

  • -Aktualisiert am

Die Brennstoffzelle ist die ewige Untote der Automobilentwicklung. Hyundai, Toyota, Kawasaki, BMW und andere Unternehmen haben sich nun zu einem „Hydrogen Council“ zusammengeschlossen.

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          Wer erinnert sich an Dieter Zetsches Auftritt auf der Internationalen Automobilausstellung? „Wasserstoff ist das neue Öl“, sprach der Daimler-Chef, Mercedes-Benz werde in drei Jahren die ersten Serienautos bringen. Das war 2011. Seither ist es still geworden um die vermeintlich alle Probleme lösende Antriebstechnik, bis auf die Tatsache, dass Daimler mal wieder ein Auto verspricht, diesmal einen Geländewagen vom Typ GLC, der Ende dieses Jahres bereit sein soll. Für vermutlich mehr als 55 000 Euro und in homöopathischen Dosen. Falls nicht wieder der Fall von 2011 eintritt.

          Die Brennstoffzelle ist die ewige Untote der Automobilentwicklung. Mit ihr reagiert der Wasserstoff aus Drucktanks an Bord mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft zu Wasser und setzt dabei neben Wärme vor allem elektrische Energie frei, die in Akkus zwischengespeichert und in Elektromotoren in Bewegungsenergie umgewandelt wird. Für die Brennstoffzelle sprechen die zumindest in der Theorie unbegrenzte Verfügbarkeit des Treibstoffes, Fahrleistungen auf dem Niveau konventioneller Autos, Reichweiten von mehr als 500 Kilometern und kurze Tankzeiten. Dagegen sprechen die bislang hohen Kosten, die auch vom Platin in den Membranen rühren, die dünne Infrastruktur und der mitnichten CO2-neutrale Energieeinsatz zur Erzeugung des Wasserstoffs. Und jüngst das Argument, das batterieelektrische Auto mache bedeutendere Fortschritte als angenommen. Gerade als alle dachten, damit sei die Brennstoffzelle endgültig erledigt, gibt es nun neue Lebenszeichen.

          Dreizehn Unternehmen, darunter Hyundai, Toyota, Kawasaki, BMW, Shell oder Linde, haben sich zu einem „Hydrogen Council“ zusammengeschlossen, um „die Politik und andere gesellschaftliche Akteure einzuladen, mit uns gemeinsam den möglichen Beitrag des Wasserstoffs zur Energiewende in die Tat umzusetzen“. General Motors und Honda verkünden, sie wollten südlich von Detroit die erste Serienfertigung von Brennstoffzellen aufbauen. Sie soll „um das Jahr 2020“ in Betrieb gehen. Das ist ziemlich genau jener Moment, in dem massenhaft batterieelektrische Autos mit 500 Kilometern Reichweite auf den Markt kommen sollen. Es ist mal wieder die Zeit großer Versprechen. Oder Versprecher?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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