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Tech-Talk : Hieb- und stichfest

  • -Aktualisiert am

Das aktuelle Waffenrecht stiftet nichts als Verwirrung: Wer kann nach der Lektüre erklären, wann ein Messer oder ein Beil eine Waffe und wann ein Werkzeug sein soll?

          Wenn der Staat seine Bürger nicht im Stich lassen will, ist das im Grunde lobenswert. Denn Messer sind bei Gewalttätern beliebt, und auf der Straße nimmt die Brutalität zu. Wie stets in solchen Fällen, in denen die Politik nicht weiterweiß, wird dann aber an irgendeiner Schraube gedreht, die nichts kostet, damit die Leute denken, es geschehe etwas. Lasst uns also das Waffenrecht abermals verschärfen, denn wenn wir das Tragen von Taschenmessern verbieten, wird niemand mehr gestochen.

          Wir erinnern uns: Mit jedem Amoklauf oder Anschlag wurden die Vorschriften komplizierter, auf dass keiner mehr durchblicke. So kamen Kapriolen zustande, etwa die Begrenzung der Auszugsenergie von Zwillen – bis der Gesetzgeber gemerkt hat, dass Arme unterschiedlich lang sein können.

          Das aktuelle Gesetz stiftet nun nichts als Verwirrung: Wer kann nach der Lektüre erklären, wann ein Messer oder ein Beil eine Waffe und wann ein Werkzeug sein soll? Es liegt in der Natur von Gegenständen, die zum Schneiden und Zerteilen da sind, dass sie gefährlich sind. Und stechen kann ein Angreifer auch mit einem Schraubendreher oder einer Schere, zuschlagen mit einem Hammer. Fast jedes Gerät lässt sich so missbrauchen. Wie sollen unterbezahlte und überforderte Polizisten da für Sicherheit sorgen?

          Wegen des Waffenverbots entstanden in Japan einst Tonfa und Nunchaku aus Gebrauchsgegenständen, europäische Pilger haben sich mit ihrem Stab gewehrt. Wie lange wird es dauern, bis hierzulande Spazierstock und Regenschirm verboten werden? Und die Handtasche, denn Frauen lernen in Selbstverteidigungskursen, damit zuzuschlagen.

          Vielleicht hilft mal ein Blick in Nachbarländer, wo sogar Schusswaffen leicht zu bekommen sind. Hätte man je gehört, dass dort ständig Menschen erschossen werden? Nicht das Messer ist böse, sondern jener, der damit zusticht. Die Verschärfung des Waffenrechts hat deshalb nur einen reichlich ungesunden Effekt: Die Redlichen halten sich an Verbote, die Verbrecher nicht. Das ist Placebo-Politik, die keinem etwas nützt.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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