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Tech-Talk : Heißes Thema

  • -Aktualisiert am

Von Audi haben wir jetzt gelernt, dass der Fortschritt in der Fahrzeugwelt Innovationen auch sprachlicherseits mit sich bringt. Jüngstes Beispiel: das thermische Ereignis.

          Von Audi haben wir jetzt gelernt, dass der Fortschritt in der Fahrzeugwelt Innovationen auch sprachlicherseits mit sich bringt. Der Konzern leitet eine Rückrufaktion für sein Elektro-SUV E-Tron ein, weil wegen fehlerhafter Dichtungen Feuchtigkeit in die Batterie eindringen und es zum Kurzschluss kommen könne oder „im Extremfall zu einem thermischen Ereignis“. Reine Vorsichtsmaßnahme, wenn wir das richtig verstehen, keine Gefahr eigentlich. Und sollte wegen unzulänglicher Elektrik eine Kiste abfackeln, ist es gar nicht so schlimm, weil es sich ja lediglich um ein thermisches Ereignis handelt.

          Ereignistechnisch betrachtet, besteht zwischen dem Batteriemotor und jenem, den wir heute am Ende des fossilen Zeitalters noch als Verbrenner kennen, der Unterschied, dass bei Ersterem bauartbedingt keine thermischen Ereignisse vorgesehen sind. Im Gegensatz dazu finden im Verbrennungsmotor ganz viele statt, mehrere tausend in der Minute, je nach Drehzahl. Kommt im Elektroauto außerplanmäßig eines vor, ist es aller Wahrscheinlichkeit nach von so umfassender Wirkung, dass am Ende genaugenommen doch wieder vom Verbrenner gesprochen werden muss.

          Dennoch wird sich auf mittlere Sicht natürlich das Batteriefahrzeug durchsetzen, mit der eingangs erwähnten Folge der Veränderungen unserer Sprachgewohnheiten. Geschehnisse wie die Zerstörung von Notre-Dame wird man als thermisches Großereignis bezeichnen. Zu hohes Risiko ist ein Spiel mit dem thermischen Ereignis. Hat jemand richtig Ärger, heißt es: Der hat ein thermisches Ereignis unterm Dach.

          Waren wir bisher Feuer und Flamme für eine Sache, werden wir bald total thermisch sein. Im Varieté wird dem Spucker von thermischen Ereignissen applaudiert. Schlagen die Flammen aus dem Nachbarhaus, dann rufen wir unter der 112 die Wehr für . . . na? Wissen Sie die Lösung? Dann schreiben Sie nicht uns. Schreiben Sie an Audi.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

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