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Harley-Davidson : Mama we’re all crazy now

Tank in Glitzerrot Bild: Hersteller

Zeitsprung mit Harley-Davidson: Die Sportster Seventy-Two im Stil der siebziger Jahre und das Nachkriegskind Softail Slim sind da. Ein Fahrtbericht.

          Vorige Woche dem Jahr 1972 einen kurzen Besuch abgestattet. Am selben Tag noch das Jahrzehnt gewechselt und ein bisschen durch die Vierziger gecruist. Mit Harley-Davidson geht das. Die haben, was man für Zeitreisen so braucht: 109 Jahre Vergangenheit, ein geniales Baukastensystem aus Motoren, Rahmen, Rädern und Teilen aller Art sowie smarte Leute, die aus beidem etwas machen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Immer wieder Neues mit der Anmutung des Alten. „Unsere Kunden wollen zwar technisch moderne Motorräder fahren“, sagt Frank Savage, Design-Stratege der Motor Company, „aber sie wollen den traditionellen Look.“ Vierziger Jahre, Fünfziger, Sechziger, Siebziger - alles kein Problem. Durch eine neue Mixtur von Komponenten, die schon an bestehenden Maschinen verwendet werden, durch Hinzufügen, Weglassen, Verändern lässt Milwaukee ein ums andere Mal vergangene Motorrad-Epochen aufblühen.

          Im Namen von Freiheit und Abenteuer. Der Mythos wird gepflegt von einer Marketingabteilung, die auf Weltniveau operiert. Das Markenlogo „Bar & Shield“, meint sie zu wissen, ist die zweithäufigste Tätowierung in der Welt. Es mangelt nicht an loyalen Fans, zum Glück gibt es noch Männer, die lieber ihre Speichen putzen als ihre Zähne, sowie genügend solvente Kundschaft, die bereit ist, die zum Teil verwegenen Preise zu zahlen. Vor allem gibt es 109 Jahre Modellgeschichte, die den smarten Leuten mit ihrem Baukasten stets aufs Neue Inspiration liefern. Wie im Fall der beiden neuesten Typen.

          Harley-Davidson Seventy-Two, der Name sagt alles

          Die Sportster Seventy-Two - sie hat uns vorige Woche ins Jahr 1972 getragen - ist eine kleine Sensation, einmalig auf dem Markt, bezahlbar. Der Chopper sieht nicht wie ein kühl kalkuliertes Serienfahrzeug aus, sondern wie ein crazy Custom Bike, ein Umbau nach Plänen, die in einem psychedelischen Anfall gezeichnet wurden. Es wird nicht jeder etwas damit anfangen können, manch einen wird es schütteln. Aber wer, ob er wollte oder nicht, mit Gary Glitter, Suzi Quatro und Slade (“Mama weer all crazee now“) großgeworden ist und die Zeit des Bonanza-Fahrrads und des Bandsalats miterlebt hat, ist auf jeden Fall gerührt. Vor allem dann, wenn die Seventy-Two den in acht Schichten aufgebrachten tiefroten Metallflocken-Glitzerlack „Hard Candy Big Red Flake“ mit Retro-Zierlinien trägt.

          Das jüngste Mitglied der Sportster-Familie - das sind Harley-Davidsons günstigste Maschinen, die Einsteiger und Sparsame ansprechen sollen - kostet in nüchternem Schwarz oder Blau 10 795 Euro. Wer im irren Flockenrot auf den Trip gehen will, zahlt 11 095. Jüngere Leute, heißt es bei Harley, kauften seit einiger Zeit „wie verrückt“ Sportster-Motorräder. Galt die Baureihe noch vor fünf Jahren als brav und langweilig, hat sich das Image durch neue Typen wie Nightster, Forty-Eight oder 883 Iron komplett gewandelt. Alles Showtalente, wie die Seventy-Two.

          Die ist Glitterock und Pop in Eisen und Chrom. Ihr Auftritt wird geprägt vom dünnen 21-Zoll-Drahtspeichen-Vorderrad im Kontrast zum 16-Zöller hinten, den Reifen mit Weißwandringen, dem winzigen „Peanut“-Tank (knapp acht Liter Volumen), der den Motor darunter umso mehr in Szene setzt, den knackig-knappen Kotflügeln, der schlanken Figur. Gerät die Sportster auf dem Parkplatz in eine Ansammlung dicker Softail- oder Touring-Harleys, wirkt sie wie ein fastender Flamingo unter vollgefressenen Elefanten, so zierlich, so zart, wenngleich eisenhart. Sie bringt immerhin 253 Kilo auf die Waage. Kein Drama, weder beim Fahren noch beim Rangieren.

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