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Tech-Talk : Grüne Magie

  • -Aktualisiert am

Mischt der Staat mit Subventionen im Markt mit, verzerrt er ihn. Das gilt auch für die Elektromobilität, die gefördert wird, weil sie wegen der Kosten nicht wettbewerbsfähig ist.

          Mischt der Staat mit Subventionen im Markt mit, verzerrt er ihn. Zum Anschub einer sinnvollen, noch zu teuren Technik sei das legitim, wird gern angeführt. Dass dieses Argument Unfug ist und das Geld über niedrigere Steuern vom Bürger effizienter eingesetzt wäre, lässt sich immer wieder und auch jetzt beobachten.

          Als die Photovoltaikanlagen auf die Dächer sollten, gab es staatliche Anreize. Wer über die Zeit nachgerechnet hat, staunte. Die Amortisationsdauer war stets zehn Jahre. War der Zuschuss hoch, war der Preis hoch, sank der Zuschuss, sank der Preis.

          Nun meint der Staat, Elektromobilität fördern zu müssen, weil die als fortschrittlich verordnet wird, aber wegen der Kosten nicht wettbewerbsfähig ist. Käufer von Elektroautos erhalten 2000 Euro Subvention, wenn der Kaufpreis 60.000 Euro netto nicht übersteigt. Wie durch ein Wunder kostet etwa der neue Mercedes EQC 59.990 Euro netto. Bedeutet: Wer sich ein Auto für mehr als 70.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer leistet, wird als bedürftig eingestuft.

          Noch irritierender ist die Dienstwagenregelung, nach der Fahrer von Elektroautos nur den halben geldwerten Vorteil versteuern müssen. Wer einen Plug-in-Hybriden in der 100.000-Euro-Liga kauft, muss statt 1000 nur 500 Euro monatlich versteuern. Das zieht. Doch schon schlagen Fuhrparkmanager wegen aus dem Ruder laufenden Kosten Alarm. Viele der Kilometer schrubbenden Mitarbeiter fahren, statt mühsam den Akku aufzuladen, einfach weiter, wie sie das bisher mit ihrem Diesel getan haben, nach dem Motto „Zeit ist Geld“.

          So wird aus dem Normverbrauch von 2 Litern in der Realität einer von 12, und zwar teures Superbenzin. Jetzt wird in den Firmen überlegt, wie die meist im Außendienst tätigen Kollegen zum Laden verpflichtet werden können, zumindest kostenlosen Strom sollen sie bekommen. Derweil jubeln Politiker und Umweltverbände, sie nennen so etwas Ökowende. Und für Steuersenkungen in der Breite bleibt kein Spielraum.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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