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Gespräch mit dem Chef von Microsoft Deutschland : „Die Cebit muss wieder stark werden“

  • -Aktualisiert am

Präsentiert einen HTC Mini-PC für Windows Vista: Achim Berg, Microsoft Deutschland-Chef Bild: AP

Für Microsoft-Geschäftsführer Achim Berg ist die Computermesse in Hannover besser als ihr Ruf: „Wir dürfen die Cebit nicht klein- und kaputtreden.“ Und er hofft, dass schon auf der Cebit erste Auswirkungen zu spüren sind von Microsofts neuer Ausrichtung.

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          „Wir dürfen die Cebit nicht klein- und kaputtreden.“ Das sagt Achim Berg, der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland: „Die Cebit ist das Branchenbarometer, sie ist eine der größten Messen der Welt und mit Abstand die wichtigste IT-Messe in Europa. Das tut Deutschland gut.“ Berg ist die harsche Kritik an der Mammutveranstaltung in Hannover nicht unbekannt: die unbefriedigende Infrastruktur, die desolaten Zustände im öffentlichen Personennahverkehr und die Preistreiberei von Hotels und Restaurants. Aber der Microsoft-Manager hat ein Herz für Hannover: Das sei doch eine Stadt, die für die Messe lebt. „Auch wenn die Kosten für diesen Standort ungewöhnlich hoch sind, gibt es eine ganze Reihe von Computermessen, die nicht die Präsenz und Wichtigkeit haben wie die Cebit. Sie bietet eben ein bisschen mehr als nur ein Messekonzept.“

          Michael Spehr
          (misp.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Das muss sich ein Aussteller schon etwas kosten lassen, vor allem wenn er ein Aufgebot von knapp 400 Mitarbeitern allein an Standpersonal und zusätzlich rund 600 Tagesreisende vor Ort bringt. Neben vielen anderen Führungskräften aus der Zentrale in Amerika kommt natürlich auch Steve Balmer mit einer Rede zur Eröffnungsveranstaltung am Montagabend. Wenn sich solch ein Investment auf Millionenbeträge - einstellige, wie Berg betont - beläuft, stellt sich die Frage nach dem Nutzen. Das Wichtigste seien nicht die Abschlüsse, sondern die hohe Dichte von Entscheidern, Vorständen und Journalisten: „Auf der Cebit gibt es eine sehr einfache und preisgünstige Möglichkeit, sich mit der gesamten Branche auszutauschen, Lieferanten, Wettbewerber und andere. Und einer der wichtigsten Punkte ist, dass die Cebit eine enorme Presseaufmerksamkeit findet. Unsere Aktivitäten auf der Cebit werden in ganz Europa aufmerksam begleitet.“ Dass jeder zweite Messebesucher über den Stand von Microsoft flaniert, merkt der Mittvierziger mit einem gewissen Stolz an. So schlimm kann es also mit der Kritik am vielgeschmähten „Buhmann“ der IT-Branche nicht sein.

          Zu laut und hektisch

          Während der Messe habe man nicht die Zeit, lange Vertriebsgespräche zu führen. Dafür sei es in Hannover zu laut und hektisch. Vielmehr sei der persönliche Kontakt entscheidend. Neben den Geschäftskunden seien aber auch die privaten Verbraucher wichtige Messebesucher. Hier geht es Microsoft ganz allgemein um die Vorstellung seiner bunten und vielfältigen Produktwelt. Der Privatkunde soll an erster Stelle das Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten sehen: Microsoft mit Vista am PC in Verbindung mit der Xbox 360 und dem Mediaroom, der neuen Plattform für das Internetfernsehen. Selbst wenn mancher Aussteller den Spagat zwischen Fach- und Verbrauchermesse für einen überflüssigen Kraftakt hält, ist Berg eindeutig: „Für Microsoft ist es wichtig, erstens die Presse als Multiplikator anzusprechen, zweitens unsere 33 000 Partner, drittens die Entscheider in großen und mittelständischen Unternehmen und viertens dem Konsumenten zu zeigen, was wir zu bieten haben.“

          Das neue Server-Betriebssystem, das im Rahmen der Cebit vorgestellt wird, berührt den Verbraucher kaum. Es sei aber für Microsoft „wichtiger als Vista und Office“. Eine vernetzte Backstube, mit all den Anwendungen, die gerade bei Kleinunternehmern sinnvoll sind, soll hier Einblicke für jedermann schaffen. Stärker am privaten Kunden ausgerichtet ist das nicht neue Thema der vernetzten Kommunikation mit Unified Messaging. Nun wird sich doch die Videotelefonie durchsetzen, meint Berg, und erzählt begeistert, wie ihm diese Technik vor kurzem eine Sitzung der Geschäftsleitung gerettet hat, die er vom heimischen Privat-PC per Web-Cam leiten konnte. Die neuen Systeme seien vor allem einfacher in der Bedienung.

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