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Reiseuhren : So ändert sich die Zeit mit Jaeger-LeCoultre

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Die Geophysic True Second: Komplexe Technik verspricht Präzision beim Sekundenzeiger. Bild: Hersteller

Die Geophysic True Second und ihr Schwestermodell Universal Time sind ein Nachruf an die Zeit, in der springende Sekundenzeiger noch Präzision und Hochwertigkeit bedeuteten. Ein Versuch, Zeitlosigkeit zu schaffen?

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          Wie sich die Zeiten ändern. Heute signalisieren springende Sekundenzeiger meistens, dass der Zeitmesser von einem günstigen, batteriebetriebenen Quarzuhrwerk angetrieben wird, während bei prestigeträchtigen mechanischen Uhren dieser Zeiger kontinuierlich über die Skala schleicht.

          Zu Zeiten, als Uhren noch an der Kette in den Westentaschen getragen wurden, ausschließlich mit Federn als Energiespeicher auskommen mussten und man schon froh war, wenn dieser Zeitmesser die Minuten halbwegs genau anzeigte, war die Einschätzung eine andere. Da signalisierte ein springender Sekundenzeiger, dass man einen sehr präzisen und mithin teuren Zeitmesser in Händen hielt.

          Zeitreise in die fünfziger Jahre

          Genau auf diese Zeiten nimmt die neue Jaeger-LeCoultre Geophysic True Second Bezug. Vorgestellt wurde diese Uhr gemeinsam mit ihrem Schwestermodell Universal Time Ende des vergangenen Jahres, nachdem das limitierte Sondermodell Geophysic 1958 ruck, zuck ausverkauft war. Damit erinnerte die Schweizer Manufaktur 2014 an ein Modell, das sie anlässlich des ersten Internationalen Geophysikalischen Jahrs baute, das vom 1. Juli 1957 bis zum 31. Dezember 1958 dauerte. Nun ist die Geophysic ein Bestandteil der Kollektion.

          Wer eine Uhr so nennt, erzeugt beim potentiellen Kunden die Erwartung, ein sehr präzises Zeitmessinstrument zu erhalten. Bei der limitierten „1958“ geschah dies, indem man sie als Chronometer zertifizieren ließ. Bei der True Second belebte Jaeger-LeCoultre die alte Komplikation der springenden Sekunde neu.

          Komplexe Technik soll Präzision versprechen

          Diese Zusatzfunktion wollen wir kurz erklären: Das von Grund auf neu konstruierte hauseigene Kaliber 770 tickt mit vier Hertz oder 28 800 Halbschwingungen in der Stunde. Das ist heute eine gängige Frequenz und hat zur Folge, dass der Sekundenzeiger je Sekunde acht kleine Sprünge macht. Soll er nur einmal je Sekunde springen, kann er nicht mehr direkt vom Sekundenrad angetrieben werden. Die Entkopplung besorgt ein Nachspannwerk (Remontoir). Das hält, vereinfacht gesagt, den Sekundenzeiger während sieben achtel Sekunden fest, sammelt in einer winzigen Spiralfeder die vom Sekundenrad gelieferte Energie und nutzt diese zur vollen Sekunde. Für den technikbegeisterten Uhrenfreund ist das ein echter Augenschmaus, zumal diese komplexe Technik auch noch so ansprechend verpackt ist. Es kommt dasselbe perfekt verarbeitete Gehäuse zum Einsatz wie schon bei der limitierten 1958 - mit einem Durchmesser von knapp 40 Millimeter. Zum Ausprobieren war nur die Goldversion (17 300 Euro) verfügbar, doch werden Puristen wohl eher das Edelstahlmodell (8350 Euro) wählen.

          In beiden Fällen bekommt der Käufer ein Zifferblatt in mattem, leicht gebrochenem Weiß. Die aufgesetzten Indexe sowie die drei Zeiger korrespondieren mit der jeweiligen Gehäusefarbe. Zum offensichtlichen Angeben taugt diese sehr angenehm zu tragende Uhr nur wenig, dazu ist sie zu unauffällig, doch unter Kennern erntet der Träger durchaus Anerkennung. Weil sich der Stundenzeiger unabhängig vom Minutenzeiger über die Krone vorwärts wie rückwärts verstellen lässt, kann man sie bei Reisen über Zeitzonen hinweg auf die neue Ortszeit - und das korrespondierende Datum - anpassen, ohne das Uhrwerk anhalten zu müssen.

          Kein Platz für eine Datumsanzeige auf dem verspielten Zifferblatt der Universal Time.

          Alle Zeit der Welt – auf einen Blick

          Das kann auch die Universal Time, die ihre Reiselust schon auf dem Zifferblatt trägt. Dort ist im Zentrum eine stilisierte Weltkarte zu sehen, um die sich ein vom Uhrwerk angetriebener Ring mit einer 24-Stunden-Skala dreht. In Verbindung mit dem außen liegenden Ring, auf dem Referenz-Orte von 24 Zeitzonen aufgedruckt sind, hat man buchstäblich alle Zeit der Welt auf einen Blick. Die jeweilige Ortszeit lässt sich auch hier über die Krone einstellen.

          Und weil das Kaliber 772 vom 770 abgeleitet ist, freut man sich auch hier über eine springende Sekunde. Doch muss der Besitzer einer Universal Time leider auf eine Datumsanzeige verzichten. Dafür war auf dem aufwendig, liebevoll, aber etwas verspielt gestalteten Zifferblatt einfach kein Platz mehr.

          Weil die 24-Stunden-Anzeige inklusive Städtering auch noch Raum braucht, ist das Gehäuse der Universal Time im Vergleich zur True Second um zwei Millimeter gewachsen. Das tut dem Tragekomfort aber keinen Abbruch. Die wohlproportionierte Uhr liegt tadellos am Handgelenk. Für die Weltzeitfunktion muss der Interessent sehr tief in die Tasche greifen. In Stahl kostet die Universal Time 14 300 Euro, die Goldvariante kostet gar 24 400 Euro. Auch stetig steigende Preise sind wohl ein Zeichen der Zeit.

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