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Genfer Automobilsalon : Fein und Rein dominiert

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Genial oder genial daneben? Sports Utility Vehicle treten auf dem Automobilsalon in der Schweiz in vielen Formen und Formaten auf, unter ihnen das Bentley-Konzept EXP 9F. Der Riese wird möglicherweise in Serie gehen Bild: dpa

Noch bis zum 18. März wird in Genf eine beeindruckende Vielfalt aus der automobilen Welt offenbart. Auch wenn sich manch eine Marke mit fremden Federn schmückt.

          3 Min.

          Die Stimmung ist gut, auch wenn manch ein Patient partout nicht genesen will. Die Autohersteller feiern die 82. Auflage des Genfer Automobilsalons mit einer beeindruckenden Vielfalt, obwohl sich das eine oder andere Exponat einer für manchen unpassenden Liaison entsprungen ist. Die Kosten müssen eben im Griff gehalten werden, koste es, was es wolle.

          So macht der Fiat-Konzern das Sebring Cabrio von Chrysler zum Lancia Flavia, bei soviel glänzendem Lack und knirschendem Leder wird einem wirklich flau im Magen.

          Im Blitzlicht: Der kompakte Opel Mokka ist eines von mehreren SUV, die in Genf debütieren Bilderstrecke
          Im Blitzlicht: Der kompakte Opel Mokka ist eines von mehreren SUV, die in Genf debütieren :

          Verhaltener treten in diesem Jahr die E-Mobile auf. Statt dessen steht der CO2-Ausstoß im Vordergrund, Toyota kündigt den Yaris als Hybridversion mit 79 g/km Emissionen zum Preis von 16950 Euro an. Der gasbetriebene Eco-Up von VW entlässt die gleiche Menge CO2 aus dem Auspuff, und überhaupt machen in Genf viele kleine und große Autos eine gute Figur, weil sie mit sich und der Welt im Reinen sind.

          Dennoch heißen die Gewinner Sports Utility Vehicle - oder kurz SUV. In vielen Formen und Formaten debütieren sie auf dem Salon, die Gunst des Kunden ist ungebrochen. Kompakt und gefällig wie der kleine Opel Mokka, 4,28 Meter lang und mit dem gängigen Motorenprogramm der Rüsselsheimer unter der Haube oder als Zukunftsvision, wie das Cross Coupé von VW mit schrägem Heck und einem Dieselhybrid für den Vortrieb. 225 kW (306 PS) soll das Ensemble leisten - bei einem Normverbrauch von 1,8 Liter für 100 Kilometer.

          Ein Rolldach wie beim Fiat 500

          Als Spezialität empfehlen sich zunehmend SUV-Cabrios. Magna Steyr zeigt ein wandlungsfähiges Gefährt, das zum Pick-Up umgebaut werden kann, Ssangyongs XIV2-Studie bekommt ein Rolldach wie der Fiat 500. Und sogar der Range Rover Evoque soll 2014 mit einem gewaltigen Stoffverdeck statt starrem Stahldach antreten, Offenfahren im Geländesportler ist en vogue. Geschlossen bleibt die Gesellschaft dagegen beim Bentley-Konzept EXP 9F mit integriertem und tafelsilberbestückten Picknickkorb in der hinteren Stoßstange und dem durstigen W12 (etwa 600 PS). Wahrscheinlich wird dieses riesige Auto tatsächlich in Serie gebaut, das wäre eine ähnliche Revolution wie einst der Cayenne bei Porsche.

          Genf gilt seit je her als Leistungsschau und nirgendwo sonst scheuen sich die Aussteller weniger, ihre PS-stärksten Angebote drall in Szene zu setzen. Lamborghini zeigt den Aventador Jota mit einem 515kW (700) PS leistenden V12, der Wagen ist bereits an einen Liebhaber verkauft - für 2,1 Millionen Euro zzgl. Mwst. - und wird ein Einzelstück bleiben. Ferrari kann sich da nicht lumpen lassen und legt beim schlanken F12 Berlinetta noch mal 29 kW (40 PS) drauf. Noch kräftiger geht die jüngste Variante des Bugatti Veyron ans Werk. Der 16.4 Grand Sport Vitesse liefert 882 kW (1200 PS) und schafft mehr als 400 km/h. Selbst bei Tempo 350, sagt Bugatti-Chef Wolfgang Dürrheimer, sei das offene Fahren noch beherrschbar. Nicht ganz so schnell, aber mit unter 50000 Euro deutlich günstiger, ist der neue Boxster von Porsche. 195 kW (265 PS) versprechen in Verbindung mit 40 Kilogramm Gewichtsverlust viel Fahrspaß.

          Die „fliegende Untertasse“

          Deutlich zahmer, wenngleich nicht kraftlos, kommen die neuen Volumenmodelle der Hersteller nach Genf. Zur Premiumabteilung zählen die schnittige A-Klasse von Mercedes-Benz (von 23.500 Euro und 80 kW/109 PS an) und der neue Audi A3, dessen Preisliste bei 21.600 Euro beginnt. Der Basisbenziner leistet 90 kW (122 PS). Bei Kia debütiert der neue Ceed, Hyundai stellt den i30 vor. Und als Preisbrecher positioniert Dacia den Lodgy, einen Minivan für weniger als 10.000 Euro, den es auch als Siebensitzer geben wird. Ford präsentiert den kleinen Minivan B-Max, der den Fusion ablösen soll. Die Schiebetüren kommen ohne B-Säulen aus, wir sind gespannt, wie das auf die Karosseriesteifigkeit wirkt. Neu bei Ford sind außerdem der Kuga, der in Amerika schon unter dem Namen Escape verkauft wird und die scharfe ST-Version des Fiesta (132 kW/180 PS). Peugeot stellt den Kleinwagen 208 in den Mittelpunkt, mit ihm will man wieder Boden gut machen, seine Form ist gefällig, aber nicht auffällig.

          Bodenständig ist das Toledo Concept von Seat mit angedeutetem Stufenheck. Vorbei ist es mit der Emotion, der entsprechende Zusatz wurde aus der Markenbotschaft gestrichen. Vielleicht gerade deshalb, mit vernünftigen und nicht allzu hässlichen Autos, könnte die Marke endlich wieder Fuß fassen. Fiat setzt derweil auf Länge und streckt den 500 um satte 50 Zentimeter, das macht ihn zum viertürigen L-Minivan, aber nicht unbedingt schöner. Volvo zeigt den neuen Kombi V40 mit klaren, skandinavischen Linien, die Einflüsse der chinesischen Herren im Haus bleiben gestalterisch unbedeutend. Schwungvoll stellt sich außerdem der XF Sportbrake vor, nach einer Pause wieder ein Kombi von Jaguar.

          Ein Autosalon in Genf ohne Studien? Undenkbar. Italdesign zeigt als Marke des VW-Konzerns mit einem flügeltürigen Exponat, wie dynamische Einflüsse in Zukunft auf die Wolfsburger Formensprache wirken könnte. Pininfarina legt mit dem Cambiano eine beeindruckende Designarbeit vor, die wir uns wunderbar unter dem Alfa Romeo Wappen vorstellen könnten. Der Antrieb mit E-Radmotoren und einer Gasturbine entspricht in etwa dem des Jaguar C-X16. Noch expressiver steht der Disco Volante, die „fliegende Untertasse“ von Touring-Superleggera auf dem Salon. Als Basis dient der 8C von Alfa, als Vorbild der Jaguar E-Type. Eine spannungsgeladene Verbindung, die hoffentlich bald zu einem Rendez-vous bereitsteht. Vielleicht schon 2013, auf den Straßen rund um den Genfer See.

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