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Tech-Talk : Frustriert

  • -Aktualisiert am

Die Lieferzeiten für Elektroautos können den Kunden jeden Spaß vermiesen. Und weil die Hersteller Autos mit Batterien priorisieren, werden andere Käufer aufs Abstellgleis gestellt. Welch eine Posse des Jahres 2020.

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          Die Corona-Fallzahlen steigen, trotzdem läuft die Wirtschaft halbwegs rund. Die zarte Flamme dürfe nicht erlöschen, wird allenthalben gewarnt, zu gravierend seien die Folgen für die Betriebe. Es herrscht Sorge vor einem abermaligen Lockdown, dessen Nachwirkungen vom Frühjahr bis in den Herbst hineinreichen. Dass sich ein unvorhergesehenes Ereignis in Verbindung mit Staatseingriffen zu einem toxischen Cocktail vermischen kann, ist derzeit in der Autoindustrie abzulesen. Tausende Arbeitsplätze fallen der Krise und dem mit der politischen Brechstange herbeigeführten Wandel zum Opfer, andererseits warten Kunden monatelang auf ihre bestellten Neuwagen.

          In unserer Redaktion häufen sich Zuschriften erboster Käufer. Das trifft in erster Linie Fahrzeuge mit Akkus zum Fahren, also rein elektrisch betriebene und solche mit an der Steckdose aufladbarem Plug-in-Hybrid. Die subventioniert die Politik, als gäbe es etwa im Gesundheits- oder Bildungswesen nicht dringlichere Möglichkeiten, das Steuergeld anzulegen. Doch weil alle Schuldenkriterien, die einstmals unter dem Stichwort Maastricht den Staaten der EU finanzielle Grenzen setzen und gesamtheitliche Stabilität geben sollten, ausgehebelt sind, wird auf Pump und zu Lasten der künftigen Generation verteilt auf Teufel komm raus. Damit hat die Industrie wohl nicht gerechnet.

          Auf einen elektrischen Mini wartet die Kundschaft ein Jahr. BMW kann den X3 Hybrid nicht liefern, ein Leser hat ihn im März bestellt und noch immer kein Auslieferungsdatum. Ein anderer beschwert sich, er werde vom VW-Händler ständig vertröstet, wann sein elektrischer ID 3 komme, könne der nicht sagen. Mercedes kommt mit den Hybriden nicht nach. Und weil die Produktionssteuerung die geförderten Hybriden bevorzugt, werden Kunden herkömmlicher Autos aufs Abstellgleis geschoben. Ein Käufer einer Mercedes-AMG E-Klasse wartet und wartet, nun heißt es, er bekomme sie vielleicht im Januar. Sieben Monate nach Bestellung. Irgendwie irre, oder?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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