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Ford B-Max : Big Fiesta

Der Ford B-Max brilliert nicht nur mit einem neuen Türkonzept Bild: Hersteller

Der Ford B-Max ist nicht irgendein Minivan. Der Einsatz des sparsamen Dreizylinder-Einliter-Motors macht ihn interessant. Und sein Türkonzept sichert ihm eine Alleinstellung im Markt.

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          Ford verkauft in Deutschland jährlich rund 50000 Minivans der Baureihen Galaxy, S-Max und C-Max. Jetzt rundet der Kölner Hersteller mit dem auf dem Kleinwagen Fiesta basierenden B-Max sein Angebot nach unten ab. Mit 22000 Verkäufen wird für 2013 gerechnet, 7000 Einheiten sollen noch dieses Jahr weggehen. Anfang November geht der B-Max in den Handel.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Er ist nicht irgendein Minivan. Erstens macht ihn der Einsatz des neuen, besonders sparsamen Dreizylinder-Einliter-Motors interessant, zweitens sichert ihm sein Türkonzept eine Alleinstellung im Markt. Schon Schiebetüren hinten sind bei solch einem kurzen Minivan (4,08 Meter) selten, zudem verzichtet der B-Max auf eine feste, in die Karosserie integrierte B-Säule. Wer beide Türen einer Seite öffnet, hat ein 1,50 Meter breites Portal vor sich, statt sonst nur rund je 70 Zentimeter Breite bei konventionellen Türen.

          Er ist nicht irgendein Minivan
          Er ist nicht irgendein Minivan : Bild: Hersteller

          Hierin sieht Ford einen riesigen Vorteil gegenüber den Konkurrenten. Zudem müsse der Kunde keinesfalls Abstriche bei der passiven Sicherheit machen, wird hervorgehoben. Die „B-Säule“ ist sozusagen in die vordere Tür und auch in die hintere Tür gewandert, beide Türen verhaken sich zudem ineinander, wenn sie geschlossen sind. Alle Crashtests seien hervorragend gelaufen, heißt es. Man erwarte die Bestnote von fünf Sternen in der Euro-NCAP-Wertung.

          Der einzige kleine Wermutstropfen sind rund 50 Kilo Zusatzgewicht, die sich durch Versteifungen ergeben. Dank der sparsamen Motoren spiele das im Endeffekt jedoch keine Rolle, meinen die Ford-Strategen.

          Beim ersten Kennenlernen fiel aber auf, dass die Rückbank nicht gerade breit geriet, sie ist dennoch für drei Personen zugelassen. Beinfreiheit hat man aber genug, auch müssen die Köpfe nicht eingezogen werden. Die nicht verschiebbare Bank lässt sich asymmetrisch geteilt umlegen, es entsteht eine ebene, 1,44 Meter lange Ladefläche, die sich auf der rechten Seite durch das Umlegen der Beifahrersitz-Lehne auf 2,35 Meter erweitern lässt. Der Kofferraum hat ein Volumen von mindestens 318 Liter (VW Golf VI 350 Liter), maximal sind es mehr als 1400 Liter.

          Wer statt des Reifenreparatur-Päckchens ein Notrad bestellt, zahlt 50 Euro Aufpreis und verliert etwas Kofferraumvolumen. Vorn sitzt es sich prima und leicht erhöht. Die Bedienung stellt niemanden vor Probleme. Das Interieur ist für die Klasse relativ hochwertig, die Übersicht gut. Die vorderen Sicherheitsgurte sind in die Sitze integriert, man muss sich an ein anders Greifen gewöhnen.

          Die „B-Säule“ ist sozusagen in die vordere Tür und auch in die hintere Tür gewandert
          Die „B-Säule“ ist sozusagen in die vordere Tür und auch in die hintere Tür gewandert : Bild: Hersteller

          Gleich sechs verschiedene Triebwerke offeriert Ford seinen Kunden, die beiden wichtigsten sind die brandneuen Einliter-Sparbüchsen, die entweder mit 74 oder 88 kW (100 oder 120 PS) geordert werden können. Der kleine Dreizylinder wird von einem Turbo aufgeladen, der Kraftstoff direkt eingespritzt. Der Motor hat sich schon viel Lorbeer verdient (unter anderem „Engine of the year“), im Ford Focus Turnier erwies er sich allerdings als weniger sparsam als versprochen (F.A.Z. vom 14. August).

          Auch im B-Max überzeugt die Maschine hinsichtlich Leistung und Kraftentfaltung (gefahren wurde die 120-PS-Variante), das Start-Stopp-System verweigerte bei sommerlicher August-Hitze und voll arbeitender Klimaanlage (Option) die Arbeit. Auch im B-Max gilt: Der Kleine fühlt sich an wie ein Großer. Dass der Motor (wie die anderen) mit einer manuellen Fünfgang-Schaltung kombiniert werde, sei im so hart umkämpften Kleinwagen-Segment schlicht eine Preisfrage, sagt Wolfgang Booms, bei Ford Deutschland Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb.

          Anfang November geht der B-Max in den Handel
          Anfang November geht der B-Max in den Handel : Bild: Hersteller

          Als Lockvogel dient dann auch ein einfacher 1,4-Liter-Motor mit 66 kW (90 PS), der in Kombination mit der einfachsten Ausstattung (Ambiente) für 15 950 Euro in der Preisliste steht. Dieses Auto ist vorwiegend für Gewerbekunden bestimmt. Zwei Drittel der Kunden, erwarten die Kölner, werden sich für den Einliter-Motor entscheiden, 20 Prozent für den 1,6-Liter-Motor (77 kW/105 PS), den es ausschließlich mit einer Sechsgang-Automatik (für 18 500 Euro als „Trend“) gibt. Dieseltriebwerke dürften auf weniger als zehn Prozent Marktanteil kommen. Im Angebot sind ein 1,5-Liter-Triebwerk mit 55 kW (75 PS) und ein 1,6er mit 70 kW (95 PS) für 17 750 beziehungsweise 18 750 Euro (als Trend). Beide kommen nach der Norm mit rund vier Liter Kraftstoff aus, die beiden Einliter-Maschinen sind mit je 4,9 angegeben, der 1,6er-Benziner mit 6,4 und der Basismotor mit 6,0.

          Die Dreizylinder kosten 17 350 Euro aufwärts, sie gibt es nicht in der einfachsten Ausführung, sondern nur als Trend, Titanium oder Individual. Die Klimaanlage ist ab Titanium dabei (mehr als die Hälfte der Kunden bestellen diese Linie), dann gibt es auch einen Startknopf, einen Tempomaten, Tagfahrleuchten und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Alle B-Mäxe haben ABS und ESP, eine elektrische Servolenkung, elektrische Fensterheber rundum, sieben Airbags, Reifendruckkontrollsystem, Zentralverriegelung und vieles mehr. Start-Stopp gibt es nur für die Einliter-Motoren.

          Wer ein Audio-System bestellt (mindestens 1200 Euro), kommt automatisch in den Genuss von „Sync“. Dieses in Amerika entwickelte System sendet nach einem schweren Unfall (Auslösung der Airbags oder bei einem Heckcrash Abschalten der Kraftstoffzufuhr) automatisch einen Notruf. Gewählt wird die jeweilige Notruf-Nummer des Landes, in dem das Auto unterwegs ist (in Deutschland 112). Dank GPS-Modul weiß Sync, wo das Auto ist, allerdings muss das System Verbindung mit einem Handy haben. Sync funktioniert überall in Europa außer in den Niederlanden. Dort sperren sich bisher die Behörden. Ein weiteres für die Fahrzeugklasse ungewöhnliches Sicherheitsmerkmal ist „Active City Stop“ (350 Euro Aufpreis): Bis 30 km/h bremst der B-Max automatisch, um einen Auffahrunfall zu verhindern. Bestellen kann man auch eine Rückfahrkamera, was es leider noch nicht gibt, ist ein Navigationssystem ab Werk. Das ist aber von Frühjahr an lieferbar, wie versprochen wird.

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